Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1845)
- Date
- 1845-09-10
- Page
- Seite 296 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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296 Samstag- und Iomtoblone? — Wir Hören hier stets italienische Oyrenkitzel, nichts da von jenen einfachen gedehnten feierlichen Könen, die sich des Gemüths berneistern, und wovon es sich nicht losmachen kann. Ist etwa die Neuigkeitskrämerei auf den bereits zur Unausstehlichkeit gestiegenen Indifferentismus berechnet? Das Volk ist ja nicht da sich etwas Vorsingen zu lassen, sondern, ^wo möglich in den Chor einzustimmen, und wie kayn das sein, wenn sich unser Chor immer neu producirt? — Ich weise es demjenigen zu, die sich so gerne zur Verbesserung des Kultus herbei lassen, nach ihren Kräften hiezu beizutragen, nicht mehr und auch nicht minder. Gewiß! Hundert Stimmen werden mit mir ausrufen, wir brauchen keine Solo-Lieder in der Kirche, wir wollen kirchliche .Funktionen, daß die Jugend es sehe und höre nnd für einige Zeiten aufnehme, und vollends solche Verse: Wv^iebt es Ruhe, fern von Gottesland? Der Fuchs hat sie im Bau, im Nest der Rabe, Der Mensch im Haus — Israel im Grabe. Dieses soll ein Kirchenlied sein?-— Darf man so Byrons Ideen verkrüppeln, und sich und Israel so blamiren? — ' Ign. Schulhof. An Herrn Kollegial - Assessor Dr. Carl Weil! Sonst ist wohl manches Lied erklungen. Aus unsrem Volk bei Harftnklang. Ein König selber hat gesungen, Was ihm just warm vom Herzen sprang; Die Frauen saugen Siegeslieder, Wenn tapfer focht der Männer Schaar Und Salems Berge hallen's wieder, Daß David stets der Sieger war. Selbst, als man brach des Tempels Mauern, Verstummt das Lied auf Zijon nicht. Man kann wohl auch im Liede trauern, Wenn klagend es vom Leide spricht — Es weinten ja die Trauerweiden, Als Babels Herrscher streng gebeut, Zu singen ihm in schweren Zeiten, Im Saitenspiel von Zijons Leid. Ruch eingezwängt in engen Gaffen, Mit Schmach bedeckt und Fluch gepeitscht, Kann Israel den Sang nicht lassen, In Hymnen *) seinen Gott es preist. Ein Wand'rer lauscht am Ghetto-Thor e Dem wundersamen 2) Za'uberlied, 1) Die neuhebräische religiöse Poesie. 2) Hymne beim Sabbateingang in allen Synagogen gesungen. Das jetzt, im langgehalt'nen Chore Der Sabbatbraut entgegenzieht. Und nach der Väter Sanges-Sitte, Ertönt auch Dir mein schwaches Lied, Dir, Ersten, der aus Brüder Mitte, Uns zu dem Kampf um Freiheit rieth; Der hattest nicht ein Schwerdr, nicht Wehre — Man gönnt uns nicht der Freiheit Gut, Zu kämpfen für des Volkes Ehre Erlaubt ist's Jedem, nicht dem Iud': Wo alle frei und offen reden Für's Volk und für das Vaterland, Da war des Juden Recht zertreren, Weil ihn ein andrer Glauben band; Doch hattest Du durch Jakobs Segen 3), Durch's „freie Wort" uns Weg gebahnt — Und Mancher kam uns dann entgegen, Von dem es niemals wir geahnt. Drum wünscht ich einen David wieder, Den Rssaf mit der Töne Macht, Die hätten Dir die Dankeslieder Wohl würdiger dann drrgebracht — Und weil ich kann nichts Besseres bringen Mit meinem Lied zu End' ich eil' — Es braucht nicht mehr, schon schön erklingen Die beiden Namen „Veiet*) und Weil". Oberdorf, im August 1845. Alexander Elsaß er. 3) ‘p’pn. 4) Der Abgeordnete aus Schillers Vaterstadt, der zuerst das Wort für völlige Emancipation der Israeliten nahm. Perfonalchronik und Miscelle«. Heidelberg. Dr. Gustav Weil hier, der bekannte Orientalist, bisher Docent und Bibliothekar ist von der philosophischen Fakultät als Jude (der den christlichen Eid nicht schwören könne) nicht zum außerordentlichen Professor vorgeschlagen worden. — Briefkasten. 1) Hru. E. W—i in P—g: Eine Erklärung, daß man von Etwas nicht Vers, sei, hat nur einen Sinn, wenn man öffentlich dafür ausgegeben wird, und zwar in einem Blatte oder sonst, wo. 2) Hrn. Skreinka in Arad: Ich habe mich überzeugt, daß die Zusendung mit vielen Schwierigkeiten verbunden ist. Es ist gewiß zu erwarten, daß die gebildeten Arader wohl Ein Exemplar des Orients haben. — Verlag von (5. L. Fritzsche. Druck von Z. H. Nage U