Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1845)
- Date
- 1845-09-10
- Page
- Seite 293 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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293 Ktausrabbmer nothig sind, die für die Einen die Meginim, für die andern die Hofnarren ausmachen, sollte eine Stadt, wie Hamburg, ein Klausrabbiner-Institut anlegen. -— Frankfurt, a. M., 21. Juli. (Fortsetzung der Verhandlungen der RV.) Indem die Kern Mission hiermit die geschichtliche Auffassung der Sabbatidee in kurzen Umrissen dargelegt, glaubt sie vollkommen im Geiste der Versammlung den allgemeinen Grundsatz aufstellen zu dürfen, daß wir uns in den Begriff der Bibel hineinleben müssen; daß blos dessen einzelne Konsequenzen dann eine Modifikation erleiden dürfen, wenn diese auf eigentümlichen nmgestal- Leten Verhältnissen beruhen, während die Betrachtungsweise des Talmuds blos eine geschichtliche Berechtigung ansprechen darf und blos insofern noch in ihren Konsequenzen Geltung, hat, als dieselben noch im Leben mächtig wurzeln, sei es daß die talm. Auffassung noch mit unfern heutigen Begriffen harmonirt, oder daß den Konsequenzen andere unserm Jdeenkreise angehörige Gründe sich allmälig untergeschoben haben. Wendet sie diesen Grundsatz auf dem vorliegenden Gegenstand an, so wird sie zu dem bibl. Sabbatbegriffe zurückzukehren haben, der wie überhaupt die göttliche Wahrheit, für alle Zeiten ein gleicher ist, der talm. Auffassungswcise aber, insofern sie nicht Entwickelung des bibl. Begriffes, ja sogar in Widerspruch mit diesem wie mit unserm relig. Bewußtsein steht, ein Recht nicht einräumen. Wir habeil demnach den biblischen Grundsatz wieder bestimmt chervorzuheben und aufzustellen: Der Sabbat ist ein Tag der Weihe und der Feier, ein Tag, der durch unsere Heiligignng und Erhebung geheiligt werde, der durch die Feier, durch Unterbrechung des werktägigen Lebens uns aus dem Aufgehen in den speeiellen Beruf herausreiße und uns unfern allgemeinen göttlichen Beruf, beit wir als Israeliten ausdrücken sollen, lebendig vergegenwärtige. Der Begriff der verbotenen Arbeit ' an diesem Tage beschränkt sich demnach ans das zum Lebens er werb e, zum specLellen Berufe Gehörige, während eine Arbeit, die zurErholung, zur geistigen Erhebung dient, die uns der eingeengten Sphäre entzieht unduns in eine höhere Stimmung versetzt, das Göttliche, Echtmenschliche, Wahrhastisraelitische in uns weckt, dem Kreise der verbotenen Arbeiten nicht an gehört. Der Begriff der verbotenen Arbeit bestimmt sich demnach auch für uns nach deren Zweck und Resultat, aber nicht nach talmudischer Weise, ob ein wirkliches Produkt hervorgebracht und gefördert werde, sondern ob sie für ihn ein Gegenstand der Erholung und Erhebung sei. Wir können demnach auf die Taxirung der einzelnen Arbeiten und Tätigkeiten nicht eingehen. Erstenserblicken wir überhaupt in der bestimmten, bis ins Kleinste ausgeführten Begrenzung des Details, also hier in der Bestimmung der einzelnen verbotenen oder erlaubten Arbeitsverrichtungen eilt Verfahren, das mehr der äußerlichen juristischen Methode angehört als dem innerlich religiösen Leben. Aber zweitens hängt es nach unserer Auffassung des^ bibl. Begriffes über den Sabbat ja gerade davon ab, inwiefern die Thätigkeitdie Sabbatweihe stört oder mit ihr in Einklang steht, worüber zu entscheiden eine genaue Berücksichtigung des Zweckes bei jedem einzelnen Falle nothwendig ist. Sehen wir uns im praktischen Leben um und fragen wir nach dessen Bedürfnissen oder vielmehr nach den Konflikten, in welche dasselbe mit der bisherigen Lehre vom Sabbate tritt, und nach dem Verlangen, welches deshalb an die Lehre gestellt wird: so können wir zu unserem tiefen Leidwesen nicht verbergen, daß sowohl die weitverbreitete Gesinnung als auch die Verhältnisse des Lebens selbst der reinen Lehre über den Sabbat, wie wir sie unserer Ueberzengnng gemäß ausgestellt, noch große Hindernisse in .den Weg legen. Durch die bisherige Art der Sabbatfeier wurde nämlich der Sinn für dieselbe in einem großen Theile der Judcnheit ziemlich ertödtet, und daS Leben ist dadurch sowie durch deu vielfachen Mangel an religiöser Gesinnung, welche allein Opfer und Ilnbequeinlichkeiten ertragen lehrt, dahin gelangt,, über alle und jede Feier sich hinwegzusetzen und wird cS sich nicht sobald selbst derjenigen fügen wollen, welche wir als wesentlich und unantastbar betrachten. Aber von der andern Seite klagen wir das Leben auch nicht zu hart an! Unsere soeiale Stellung, dttrch welche wir als eine geringe Minorität in einem von andern religiösen Institutionen der weit überwiegenden Majorität durchtränkten Staatsleben uns befinden, wird für den Verkehr und den nothwendigen Nahrungscrwerb der ernsten Begehung eines andern wöchentlichen Feiertages, als welchen die überwiegende Majorität feiert, Schwierigkeiten bereiten, denen der Eine nicht gewachsen ist und die den Andern zu sehr laxen Grundsätzen verleiten. Vergessen wir aber nicht, daß wir die Feier erst wieder neu begründen wollen, daß wenn auch dazu unser gegenwärtiger Ausspruch nicht genügen wird, jedoch die Wirksamkeit eines Jeden von uns in seiner Gemeinde dahingehen muß, die höhere Auffassung des Lebens zu begründen, dadurch eine würdige Feier des Sabbats herzusiellen, daß die Frucht erst allmälig wachsen und reifen soll, und wir nicht an den gegenwärtigen Schwierigkeiten die Grundsätze, deren Wirksamkeit wir erst erwarten müssen, messen dürfen. Höffen wir vielmehr, daß durch die Befestigung würdiger Vorstellungen vom Sabbate, durch Hinweisung auf die Lebensweihe, welche aus einer solchen wahren Feier desselben erwächst, durch die Herstellung eines würdigen Gottesdienstes auch die Kraft gewonnen werde, den Verlockungen der Bequemlichkeit und der Gewinnsucht zu widerstehen. Wenn wir nun demgemäß die Herstellung einer würdigen Sabbatseier uns zur Aufgabe machen müssen, so