Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1845)
- Date
- 1845-09-10
- Page
- Seite 292 (sequence 7)
- Language
- German
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292 len Interesse der Gemeinde manches Opfer zu bringen bereit waren, ist es nicht wenig zu bedauern, daß sie von beiden Seiten so wenig Unterstützung fanden. Der Augenblick schien für die Ausführung eines solchen Planes durchaus günstig. Die Abwesenheit G.'s, von dem also kein Hinderniß für einen-Versöhnungsversuch zu fürchten' war, die geneigte und versöhnliche Stimmung der Parteien, hervorgerufen durch die beiden Parteien willkommene Dankadresse an Dr. Frankel, die Unzufriedenheit des aktiven Vorstandes mit dem heimlichen Liebäugeln G.'s mit dem Reformverein. Die Augen Vieler in unserer Gemeinde sind unter diesen Umstanden auf Fasset gerichtetem dem man den Mann der Mitte zu finden wähnt. Ausgerüstet mit jüdischem Wissen, durchglüht vom Eifer für die ungeheuchelte Erhaltung des Judenthums und nicht verschlossen dem Bildungszustande der Zeit und ihrem Bedürfnis Man rechnet nun sicher auf seine definitive Uebernahme des hiesigen Rabbinats, wozu von Seiten des Vorstandes Unterhandlungen gepflogen werden, trotz der Drohbriefe, die von zelotischen Mitgliedern des R.-V. an ihn ergehen, um ihn der hiesigen Gemeinde fern zu halten. Alle diese Vorgänge trugen nicht wenig dazu bei, mit Spannung der Rückkunft G.'s von der R.-V. entgegenzusehen, wie er sich aus der mislichen Stellung befreien werde. Einige seiner Freunde dachten ihm in Voraus eine günstige Stimmung zu erwecken, und gingen den Vorstand mit dem allerdings schüchtern geäußerten Wunsch an, eine Empfangsfeierlichkeit vorzubeceiten, der sich aber wenig darauf einließ, eenen Triumph für eine Niederlage zu veranstalten. Der maliziöse Volkswitz, der sich bereits der theologischen Wirren bemächtigt, hat, erging sich in Muthmaßungen, ob nicht der Referent der Sabbatkommission eine nzfen thun würde, am Sabbat zum Gottesdienste an ge fahren zu kommen! Die Unschuld wird noch immer verkannt! — Enorm war daher das Gedränge zur ersten Predigt, und nicht alle waren blos aus Neugierde.gekommen; die Zuhörer konnten sich auch recht erbauen an seiner sentimental journey, die ihnen der Redner mit einer behaglichen Breite gepredigt, in welcher Gemeinde er es gut, in welcher er es schlecht gefunden, sie konnten die kühnen Redefiguren recht anstaunen, vermittelst derer der bescheidene Prediger sich mit Mose, dem Manne Gottes gleichstellte, wie das Volk auch in seiner vierzigtägigen Abwesenheit an ihm irre geworden, und das goldene Kalb gemacht, d. h. eine Adresse an Frankel abgesandt habe. Gegenüber den Freunden der hebräischen Sprache, die G. seine Aeußerung, „er werde mit Freuden das Hebräische aus dem Gebete schwinden sehen", nicht vergessen konnten, wußte er sich mit bewunderungswürdiger Taktik aus der Verlegenheit zu ziehen, indem er die ganze Thatsache leugnet, u. diese Aeußerung desavoustrt. Hc. Philippsohn, der als Augenzeuge dies berichtet, möge zusehen, wie er mit diesem Dementi fertig wird. Da in einer Predigt der ganze tiefe Gehalt der diesjährigen R.-V. nicht erschöpft werden konnte, und der Prediger doch nicht gerne seine Zuhörer in dem Wahne lassen mochte, den die Organe der Oeffentlichkeit geschickt zu verbreiten gewußt, als habe die diesjährige R.-V. eine Schlappe davon getragen, .so kündigte er eine „Fortsetzung folgt" für den nächsten Sonnabend an. In der zweiten Predigt eiferte der sanfte Priester gegen Frankel, der d i e Flucht ergriffen habe, und gegen die Verblendeten, die ihm entgegenjauchzen. Die Kanzel muß wohl ein viel geeigneterer Ort sein für eine herausfordernde Polemik gegen Abwesende, die sich nicht vertheidigen können, als die Tribüne der Rabbinervecsamlung, wo der Viceprasident keine Diskussion über das Austreten Frankens zugeben wollte, mit dem Vorgeben, man dürfe Abwesende nicht an klagen! Wer wird jetzt noch wagen, Geiger der Zweideutigkeit und der jesuitischen Geschmeidigkeit zu beschuldigen? Frankfurt a. 2. Sept. Wie großartig die R.-V. dos Wohl und die Ehre des Judenthums wirklich berücksichtige, geht am Deutlichsten aus der Nichtbeachtung eines Antrags hervor, den -der Veteran, der hiesigen Schulmänner, ein rühmlichst bekannter Theologe, an die R.-V. stellte. Ec schrieb nämlich an den Pcäsid. der R.-V.: „da die Vers, einen Mann als Korypheus in ihrer Mitte zuließ, der in öffentlichen Blättern dem Judenthume einen gar argen Schandfleck anheftete, und noch einen andern Landrabbiner, der diese abscheuliche Verleumdung durch die Aufnahme in seine Wochenzeitung bestätigte: so sei es die R.-V. deren Pflicht es sei vor Allem aufs Feierlichste zu erklären: „daß unserer heiligen Religion gemäß, ein im Interesse Anderer geleisteter Eid niemals und auf keinerlei Weise auflösbar ist. " Dieser Antrag wurde nicht einmal einer Berathung gewürdigt. Hamburg, 21. Aug, Schon wieder hat Hamburg eine von allen Seiten gemisbilligte That ausgeführt. Es sollte nämlich an der Stelle des jüngst verstorbenen Klausrabbiners Hr. I. Hannover .ein Anderer erwählt werden, zu welcher Stelle sich denn auch mehre achtbare würdige Hamburger Gelehrte meldeten. Anstatt nun, wie es-sich ziemt, einen Hiesigen zu wählen, wurde von dem Ausschüsse der 15. Männer, (alle von einem Geiste inspirirt), worunter aber auch Vater und Sohn und 2 Brüder stimmten, allen andren Unterzeichneten der Klaus zuwider, ein altonaer Bachur hergeholt, der zwar ein Talmudist, und überaus frommer Mann ist, aber doch ein Altonaer also ein Fremder ist. Armes Hamburg! Du bist die einzige Stadt Deutschlands, die einen Chacham, die einen Tempel hat, und du solltest aus deiner Mitte nicht einen Klausrabbiner nehmen können? Wahrlich wenn nun einmal