Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1845)
- Date
- 1845-09-10
- Page
- Seite 290 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 290 - begnüge mich heute, 'darauf aufmerksam gemacht zu haben , überzeugt, daß sie nicht ohne Wirkung bleiben wird. —- Wöllstein, 20. Aug. Unter heutigem Datum ist hier eine Adresse an Herrn Oberrabbiner Dr. Fr an k el zn Dresden abgegangen, die von dem Korporations- Vorstand, der Repräsentanten-Versammlung und fast sämmtlichen zur Zeit hier anwesenden Korporations- Mitgliedern unterzeichnet ist und wörtlich also lautet: Hochwürdiger Herr, Hochzuverehrender Herr Oberrabbinerl Euer Hochwürden, dem Manne wahrhaft religiösen Sinnes und frommer gottesfürchtiger That, dem Manne gründlicher Wissenschaft und heiligen Ernstes, erlauben sich Unterzeichnete in tiefster Ehrfurcht und Hochachtung Worte der Anerkennung und der innigsten Verehrung aus der Ferne zuzurufen. Sie haben ehrwürdiger Herr! in ihren Schriften die heiligsten Interessen unseres Glaubens mit begeisterter Liebe, derff Leichtsinne gegenüber die göttlichen Wahrheiten desselben mit ernster Rede vertreten, mit edler heiliger Gesinnung die sich breitmachende Hohlheit und Flachheit, in den verwerflichsten böswilligsten Tendenzen die Grundpfeiler unserer Religion zu untergraben und ihren Gottesbau zu erschüttern in scharfen Worten gegeißelt, und nun, was Ihren: Werke die Krone aufsctzt, sich nicht gescheut, der Bcrathnng einer in unlautern Grundsätzen sich bewegenden Versammlung frei und gerade entgegen zu treten, um sie zur bessern Ansicht zu führen, und dann nach erfolgloser Bemühung durch ein offenes Absageschreiben vor den Augen der Welt sie in das ihr gebührende Licht zu stellen. Sie haben damit die hohe Bedeutung des auf göttliche Offenbarung und historische Entwickelung gegründeten jüdischen Glaubens den Feinden Israels und des Judenthums gegenüber thatkräftig in Schutz genommen. Für solch frommes Wirken und so edle That schlägt in Liebe begeistert jedes jüdische Herz und in aller Seele regt sich die freundlichste Theilnahme für Sie; auch uns durchdringt dieselbe Gesinnung-, lmd haben wir im Drange unserer Gefühle es uns nicht entsagen können, Ihnen dieselbe hiermit 'kund zu geben. Wir bringen darun: in diesen Zeilen Ihnen einen geringen-Beweis unserer Hochachtung und Dankbarkeit dar; und flehen zu Gott dem Allmächtigen, daß er Sie, Hochwürdiger Herr! noch lange für das Wohl und Gedeihen unseres heiligen Glaubens erhalten, und mit Kraft umgürteu möge, auch fernerhin das Heiligthum Israels bewahren, um das kostbare uralte Erbgut des Hauses Jakobs vor innen: und äußern Eingriffen schützen zu können. Genehmigen Sie Hochwürdigster Herr re. (Folgen die Unterschriften.) Rodenberg, 28. Aug. Der Geburtstag Sr. Königl. Hoheit, unseres verehrten Kurprinzen und Veitregenten, würde am 20. August in unserer Gemeinde dürch einen von ünserm in seinem Berufe sehr thätigen Kreisrabbiner Herrn H erz fe l d veranstalteten Morgengottesdienst als Festtag mit so vieler Freude und Teilnahme gefeiert, wie ein solcher Tag in keinen: andern deutschen Staate von unfern Glaubensgenossen mit Wahrheit so gefeiert werden kann. Denn uns ist dieser Tag — wie der erwähnte, hochwürdige Geistliche in seiner bei dieser Feier gehaltenen, vorzüglichen Rede sich ansdrückt „ein Tag, an den: uns ein zweiter Moses geboren wurde. Moses hat sich unsterbliche Verdienste um fein Volk erworben, ebenso Friedrich Wilhelm; Moses lebt ewig in dem Herzen seines dankbarer: Volkes, ebenso wird Friedrich Wilhelm ewig in unfern: Herzen leben. Unsere Emaneipation, das ist Friedrich Wilhelm großes, unsterbliches Werk. Er ist der erste, der einzige Fürst in Deutschland, der unfern: Volke diese Gnade widerfahren ließ. Damit hat er sich aber auch ein Denkmal gesetzt, das noch lange in Strahlen seiner Herrlichkeit leuchten wird, wenn alle andern Denkmäler von Erz und Staub schon lange in Staub zerfalle:: sind. Und die Geschichte hat es ausgezeichnet und hält es ewig ausgezeichnet, daß Hessens thenerster Fürst, die Anerkennung der Menschenwürde, die die Grundlage alles Volkslebens und das sichere Band zwischen Fürsten und Völker ist, zu würdigen wußte; und während diese bedeutungsvolle und verhänguißvolle Frage noch am Horizonte Deutschlands unsicher schwankt, Er es war, der sie erfaßte und so schön ins Leben rief. Er stieß das Vornrtheil weg und bahnte den Weg der Gerechtigkeit und Liebe, damit alle seine Kinder froh und vergnügt in seinem Lande wandeln können". So froh wir aber auch bei diesem Feste waren, so konnten wir bei dem bemitleidenden Blick auf unsere übrigen deutschen Glaubensbrüder, bei dem Gedanken, u:an will ihre Menschenrechte noch nicht anerkennen, als fühlende Israeliten uns nicht ungestört der Freude hingeben. O, möchten doch alle deutschen Landcsväier sich recht bald solche unzerstörbare Denkmäler setzen,, wie unser Landesvater, damit unsere noch zurück'gesetzten Glaubensgenossen auch in ihrem Lande glücklich und zufrieden neben ihren christlichen Nachbarn wohnen können! Dernburg, in: August. Abermals sehe ich mich veranlaßt, eine mich betreffende Angabe in Nr. 34 b. Bl. zu berichtigen. Dort lautet meine Aeußerung bei den Verhandlungen der R.-V.: ,,Die Hoffnung (auf den Messias) war Anfangs allgemein, man hoffte einen "in HDH" — allein ich sagte: . . . später, nachdem David die Wohlfahrt der Nation erhöhet hatte, wie Niemand vor ihm, knüpfte man seine Hoffnungen an einen in Ich habe dies durch Vorleser: einer Stelle aus meinem Bibelwerke so deutlich gemacht, daß es befremden muß, wie der Berichterstatter mir jene widersprechenden Worte in den Mund legen kann.