Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1845-09-10 · Heft 37 (10.9.1845) · p. Seite 289

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 37 (10.9.1845)
Date
1845-09-10
Page
Seite 289 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360364-2360402--5107-3531586
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Jahrgang. Sechster Orient Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr.' Man abonnict bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. Dr. Julius Fürst. .M31. Leipzig, den 10.,September 1§45. Inhalt. Deutschland. Hamb urg. Reform. Tagesliteratur. Tempel und Synagoge. Prediger und Chackam. Wöllstein. Adresse an Dr. Frankel. Rodenberg. Feier. Bernburg. Reklamation. Hannover. Schott's' Verhaltniß zur R.-V. Die Kandidaten. Breslau. Geigeriana und Antigergeriana Frankfurt a. M. Zurückgewiesener Antrag. Hamburg. Zurückgewiesener Klaasrabbiner. Frankfurt a. M. Die Verhandlungen der R.-V. — Das U§te Lied. Kritik. — An Hrn. Dr. E. Weil von A. El saß er. — Personalchronik und Miscellen. Heidelberg. — Briefkasten. —- LB. d. Or. Deutschland. Hamburg, 21. Aug. Ein eigenthümliches Ding ist es um Reformen im Judenthum; da läßt.fleh nichts voraus bestimme«,, nichts behaupten, keine Schlußfolge ziehen. Wer sollte es glauben, Hamburg, dem Anschein nach der günstigste Boden für die Reform, bleibt trotz aller Aufforderungen und Mahnungen von Seiten der Berliner Reformfrennde ganz unthätig, ganzohne alle Theilnahme, und Altona, der Sitz der stretlgstcn Orthodoxie, Altona zählt verhältnismäßig eine ziemliche Anzahl Unterschriften, an deren Spitze S t e in h e i m, der Sänger Obadja's, der poesiereiche Verfasser des Offenbarungsglaubens steht. Wie ich höre, ist Steinheim Mitarbeiter des treuen Zionswächters, milldestcns ist er erst kürzlich als Ritter Ettlingers ausgetreten — und doch ein Reformer! Ob es so bleiben wird in Hamburg, ob die Gemüther nicht einmal aufgerüttelt werden aus ihrem Jndifferentismus, ob man nicht einmal die Ueberzeugung erlangt, daß weder Synagoge noch Tempel, weder Bernays, noch Salomon und Frankfurter ihre Aufgabe — natürlich im höheren und im weiteren Sinne des Wortes —- erfüllen, daß au§ dem gegenwärtigen Zustande für keine Partei ein Heil erblühen könne, das steht dahin! — Ich habe mir die Aufgabe gestellt, Ihnen unsere Verhältnisse in mehreren Briefen ausführlicher zu schildern! — Heute will ich Sie nur auf zwei kleine Schriften aufmerksam ma-- chen, die hier erschienen sind; von beiden sind die Verfasser unbekannt. Die eine führt den Titel: der bibelsche Occident, sieht äußerlich dem vor tanger Zeit so viel Aufsehen machenden bibel'schen Orient ganz ähnlich und soll am Anfänge hier viel gekauft worden sein, weil man Bernays für den Verfasser hielt, was ich Ihnen aber mit aller Bestimmtheit verneinen kann! Schlägt man dieses Buch auf, stutzt man über die gelehrten Ausdrücke, über die kühn scheinenden aber unsinnigen etymologischen Zusammenstellungen und gewinnt bald die Ueberzeugung, daß es ein Produkt eines durch die Kabbala irre geleiteten, hirnverbrannten Autors ist. Ich habe uiir die Mühe gegeben, es durchzusehen, und bedauere jetzt noch die Zeit, welche ich darauf verwandte, denn umsonst stelle ich inir die Fragen, was will der Autor? was hat er darin sagen wollen? — Ich fand keine Antwort, und der Philosoph, der hierin einen Sinn findet, der soll'noch geboren werden! — Eine andere Schrift führt den Titel: Noch ein Wort zur israelitischen Reformftage. Eine Stimme aus dem Volke, vielleicht auch eine Stimme in der Wüste. (Hamburg, C. F. Vogel.) Diese kleine, in blühender Sprache abgefaßte Schrift, ist den Berliner und Frankfurter Reformfrennden dringend zu empfehlen; sie zeugt von sehr richtiger Auffassung der Zeit und der ItmfMubc und macht auf die Fehler, welche die Reformer begangen, aufmerksam! Der Mann, der dies geschrieben, meint es ernst mit der Sache und scheint wohl berechtigt zu sein, hierin ein Votmrr abzugebeu. Ich behalte inir eine ausführliche Besprechung für meinen nächsten Brief vor, und 37

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.