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Der Orient · 1845-09-03 · Heft 36 (3.9.1845) · p. Seite 285

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 36 (3.9.1845)
Date
1845-09-03
Page
Seite 285 (sequence 9)
Language
German
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285 gewesene Rabbiner leider keine solche Einigung und solchen Frieden in Aussicht gestellt. In Bezug auf den religiösen Schwindel der neuen. Zeit ist diese Wahl ebenfalls erfreulich; es zeigt sich nämlich, daß alle Gemeinden Preußens den'Neologen abhold find, und .die kleine verwegene Schaar, welche wohl nur die staatliche Anarchie in Bezug auf jüdischen Kultus uns zug'eführt, wird wohl auf das Minimum beschränkt bleiben, wie eö gegenwärtig ist. Daß Hr. Jsaaksohn schon vor einigen Wochen vom Vorstände ehrenvoll beschenkt worden, werden Sie aus öffentlichen Blättern erfahren haben, und daß es derselbe Jsaaksohn ist, der in Frankfurt a. Nt. ehemals mit so großem Beifalle gepredigt, später in Bonn studirt und als Student auch am Rheine mit großem Beifalle gepredigt, werden die Leser wohl vermuthen. Aus dem Hannoverschen, 20. Aug. Ucber die Rabbinerwahl in unserer Hauptstadt, nach Abgang des Dr. R. M. Ad ler, erfahren wir noch immer nichts Bestimmtes, nur das Eine Resultat ist uns bekannt, daß nicht ein einziger Kandidat zugelassen wird, der zu den Tendenzen der verschrieenen R.-V. oder der christianisirten Rabbinen sich hinueigt. Es sind überhaupt nur drei Bewerber in Betracht gezogen, nämlich Hr. S. Frensdorf, Oberlehrer daselbst, der seine treffliche Wahlpredigt den '19. Juli gehalten, dann Hr. Leopold Schott, Rabbiner zu Randcgg, welcher seine Wahlpredigt den 26. Juli abgehalten, und endlich der Kandidat S a m u e l Ni e y e r, der seine Wahlpredigt den 2. Aug. abgehalten. Alle drei gleich würdig und gleich entfernt von dem frivolen Treiben der R.V., alle drei mit gründlicher wissenschaftlicher Bildung ausgerüstet und in ihren Predigten, wie sie auf Veranlassung des höchst besonnenen Vorstandes uns gedruckt vorliegen, gediegen , wird die Wahl in der That schwer. Doch wünschen wir recht herzlich, daß diese Angelegenheit sich bald erledigen möchte. Fimnkfurt, cr. Wd., 21. Juli. (Fortsetzung der Verhandlungen der RV.) Dr. S. Adler verliest einen Bericht über den 4. Antrag (Orient Nr. 26), der irr drei Fragen zerfällt, nämlich: ob die weibliche Jugend von Jugend an gleich der männlichen zur Erfüllung religiöser Pflichten zu erziehen und anzuhalten sei, ob das weibliche Geschlecht religiösmüudig, gleichverpflichtet und gleichberechtigt und nur aus Schonung und Rücksicht auf seine häuslichen Pflichten von solchen Ccremonialgeboteu, deren Ausübung an eine bestimmte Zeit geknüpft ist, mit wenigen Ausnahmen, traditionell dispeusirt sei; und ob Frauen zu der Behufs der Abhaltung eines' öffentlichen Gottesdienstes bisher noch als erforderlich betrachteten Anzahl von 10 Personen mitzuzähleu seien. Referent bejaht diese Fragen von theoretischem und praktischem Standpunkte aus, und modificirt noch den ganzen Antrag dahin, man müsse um den Vorwurf des Negativen zu entgehen doch etwas Positives ausftelleu. Die Nothwendigkeit dieses Antrags sei um so weniger zurückzuweisen, da noch kein Rabbiner das weibliche Geschlecht zum Besuche der Synagoge, am wenigsten wenn nicht gepredigt wird, hatte bereden können. Der erste Theil wird e.instimmig ohne Diskussion angenommen. Salomon will über die andern Fragen auch gleich abgestimmt haben; wenn die Frauen Menschen sind, so müßten sie auch berechtigt sein, an dem Gottesdienst Theit zu nehmen. Maier ist für Ernennung einer Kommission. Holdheim: es frage sich Jeder.selbst, ob es nicht an der Zeit wäre auszusprechen, daß die Frauen von allen früher:: Zurücksetzungen zu emaneipiren seien. Der Talmud befreit die Frauen von tfnwy'ü und stellte sie den gleich, wir können und dürfen diese Begriffe nicht mehr fortwuchern lassen. Formstecher: es bedarf keines tief forschenden Studiums, um dieses einzusehen. Hirsch : Der Talmud steht im Orientunser Standpunkt ist ein anderer, wir müssen wieder etwas vom Talmud abstreifcn. Cahn wünscht zuerst die Vorfrage erledigt: ob zu einem Gottesdienst überhaupt die Anwesenheit von 10 Personen als rny nothwendig sei. — Mit Majorität wird dieser Antrag einer Kommission überwiesen, bestehend aus Einhorn, Stein und S. Adler, um in der nächsten R.-V. darüber zu berichten. — Der Antrag G eig'er's, auf Einführung eines Erbauuugsbuches für die häusliche Andacht,'wird einstimmig angenommen und hierzu eine Kommission von drei und für die Redaktion des neuen Siddurs eine von fünf Mitgliedern gewählt; sie besteht aus Salomon, Geiger, Maier, Stein und Herzfeld. Sitzung am 25. Juli 1845. Wurde eine Adresse der Reform freu nd c zu Giesen, sodann eine Danksagung. an die R.-V. von Seiten des hiesigen G e m ein d e v o r st a n d e s und einiger Privaten verlesen. Präs, zeigt dein Publikum au, daß diese Adresse bis nächster: Morltag zur Untezeichnuug im Sitzungssaale offen lägen. Präs, berichtet ferner, daß ein jüdischer Oekonorn die Frage an ihn gestellt habe: ob er seine nothwendiger: Feldarbeiterr arn Sabbat durch Nichtjuden verrichten lassen dürfe. Der Oekonom selbst, wird erläuterrrd hirrzugcfügt, bedürfe nach seinem eigenen Aussagen zwar die sanktionirte Zustimmung der Versammlung hierzu nicht, aber die Frau desselben könne ihren Gewissensskrupel nur durch den Ausspruch der Vers, beruhigen. Diese Frage wurde, als in das Gebiet der r:och unerledigten Sabbatfrage gehörend, vertagt. Präs, legt ferner die Anfrage eines auhcru Oekonomen vor, ob nunmehr die Schweinezucht erlaubt sei. Präs, hält die Frage für sehr wichtig, weil der Feldbau ' das wichtigste Band ist, das uns an den Boden fesselt, deshalb müßten auch alle Hemmnisse der vollständigen Landwirthschaft beseitigt werden. Einige Mitglieder wollen über diese Anfrage gleich einen Beschluß fassen.

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