Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1845-09-03 · Heft 36 (3.9.1845) · p. Seite 284

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 36 (3.9.1845)
Date
1845-09-03
Page
Seite 284 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360364-2360401--5101-3531571
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

284 Der sehr verdienstvolle und rühmlichst bekannte Rabbiner Fürst in Heidelberg brachte dieselbe trotz aller Gegenbemühungen einiger streng orthodoxen Eiferer mit der preiswnrdigsten Ausdauer und Standhaftigkeit zu Stande. Unter den Notabilitäten sind außer dem Herrn Fürst noch Herr Rabbiner Schott aus Randegg, Rabb. Traub aus Mannheim und der um das Jndenthum vielverdiente Herr Oberrath Epstein zu nennen. Durch die gedruckten Protokolle werden wir hierüber bald näheren Ausschluß erhalten. Möge Gott diese Männer und namentlich Herrn Rabbiner Fürst in Heidelberg, der das Ganze angeregt har, in ihrem Eifer für ihre Religion stärken! -— Heute erschien auch das zweite Heft (rwn rrariD) der an Herrn H irsche l Lehren gerichteten Briefe über die Rabbinerversammlung zu Braunschweig. Es sind nun zusammen sieben und dreißig. — Pieschen (Großherzogth. Posen) , 20. Aug. An den Oberrabbiner Dr. Frankel in Dresden wurde von hier aus durch viele Glieder der hiesigen israelitischen Gemeinde nachstehende Adresse abgeschickt. Sr. Hochwürden Herrn Dr. Frankel, Oberrabbiner zu Dresden. Die bekannten Neuerungen, die sich aus dem religiösen Gebiete geltend machen wollen, drohen schon jetzt manches Historisch-Positive aus dem israelitischen Glauben zu entfernen. Wohl giebt es eine Fortbildung des religiösen Moments im Menschen; aber ihre Blüthen und Früchte müssen einem Stamme entsprießen, der in . der Natur eines hochsinnigen, glaubenswarmen Gemsi'lthes unter allen Stürmen des Lebens unvertilgbar wurzelt. Das Bestreben, das Sie, Hochwürdigcr Herr, in besonnerer Haltung dem Rufe des unbedingten und principienlosen Vorwärts gegenüber an den Tag legen, vorzüglich Ihr am 17. Juli c. in der Frankfurter Rabblnerversammluug gehaltener Vortrag hat in jedem israelitischen Herzen, das warm und innig für die Glaubenswahrheiten seiner Religion schlägt, darin Trost und Ermunterung findet ltitb dieses sein heiligstes Besitzthum sich nicht rauben lassen will, Gefühle reger Anerkennung und des wärmsten Dankes hervorgerufen. Nehmen Sie geneigtest die Versicherung entgegen, daß die Unterzeichneten an Ihrer, Vereinigung erstrebenden, Wirksamkeit ein fortwährendes eben so gespanntes als dankbares Interesse nehmen. Kämpfen Sie in gewohnter würdiger Weise muthvoll für die Erhaltung der Grundwahrheiten des Judenthumsl Möge Ihr Streben nach weiser Vermittelung der Gegensätze, nach kräftiger Dämpfung aller das Glaubenssundament erschütternder Neuerungen, woher sie auch kommen, gesegnet sein! Pleschen (Großherzth. Posen), 20. Aug. 1845. (Folgen die Unterschriften.) Breslau, 20. Aug. Der hier sehr oft weilende Dr. Gr ätz, freilich ein Antagonist des Hrn. Geiger, aber dafür ein tüchtiger Kenner des Judenthums , der es auch redlich mit dem Glauben seiner Väter meint, sott nach Schwerin a. d. W. als Rabbiner gewählt werden. Eine glücklichere und bessere Wahl konnte wahrlich diese große und gebildete Gemeinde nicht treffen; denn Hr. Dr. Grätz überragt an gründlichem Wissen und an Gelehrsamkeit so viele Herren der weiland gewesenen Rabbiner-Versammlungen, wie er es in der Kritik über das oberflächliche Lehrbuch der Mischna- Sprache bewiesen, die allgemeines Aussehen erregt und sogar den Verfasser Dr. Geiger zu wüthiger Gegenwehr gereizt, dessen Ton man aber allgemein mißbilligt. Von ebenso gründlichen Studien zeigt sein neuestes Werk: der „Gnostieismus und der Talmud", und obgleich Hr. Dr. Geiger und sein Anhang, aus Aerger, daß Hr. Dr. Grätz eine so scharfgcschlissene Recension über das Lehrbuch der Mischna - Sprache geschrieben , daß er durch - sein offenes Wort die Adresse an Hrn. Dr.. Frank el hervorgernfen und überhaupt, daß er durch seine wahrhaften Mittheilungcn das Treiben einer mit sich selbst zerfallenen Partei offenkundig macht, Alles aufbietct , um ihn anzuschwärzen oder gar kein gutes Haar an ihm zu lassen, wie es nur die verletzte Eitelkeit emgeben kann, so glauben wir doch, daß das Publikum mündig genug ist, um auf so was nicht zu achten. Wie ich so eben erfahre, sucht die hier erwähnte verletzte Neolog, die tausend Gestalten annimmt, wenn es nöthig ist, und bald zur Spitze der deutsch-jüdischen Kirche sich drängt, bald seine eigene Persönlichkeit desavouirt, den Hrn. Grätz in der A. Z. d. I. zu beschimpfen. Wir gönnen der Verläumdung dieses Bergungen , aber wir wundern uns, daß die Redaktion zu solchem, von der verletzten Eigenliebe eingcgebenen Referate den Raum hergiebt. Wahrlich die Verschiedenheit der Ansicht und der Meinung sollte keinen Stoff zu hämischen Angriffen abgeben, und gewiß würde es nicht der Fall sein, wenn nicht unsere Neologen und ihr Anhang noch so tief in dem Bachurwcsen steckten, daß ihnen kein besserer Ton zuzumnthen. Frankfurt a. d. D., 16. Aug. Hr. J saaksohn, der seit der hiesigen Messe hier verweilte und sehr oft in unserer Synagoge predigte, ist nun endlich hier zum Rabbiner ausgenommen worden. Die Begeisterung, welche die Reden Jsaaksohn's schon in der Messe hervorvorgerufen, die Innigkeit, welche seinen Reden beständig innewohnt, und sein oratorisches Talent, das die Zuhörer Hinzureißen geeignet ist, mußte nothwendig einen Enthustasmus Hervorrufen, der wahrhaft erhebend war. Mit größerer Liebe und Hingebung, mit größerer Bethätigung und Freundlichkeit ist uns noch keine Aufnahme zum Rabbinate vorgekommen, und wir freuen uns schon darum über diese Wahl, als der hier-vorher-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.