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Der Orient · 1845-09-03 · Heft 36 (3.9.1845) · p. Seite 283

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 36 (3.9.1845)
Date
1845-09-03
Page
Seite 283 (sequence 5)
Language
German
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- 283 - rischen Standpunkt des Judenthnms verlassenden Versammlttng mit hoher Achtung für Ew. Hochwürden erfüllt hat, indem wir dadurch die Ueberzeilgung erlangten) daß Israel Gottlob noch nicht verwaist ist. Empfangen Sie daher, Hochwürdiger Herr, unfern innigsten Dank, den wir zugleich NamenS unserer Gemeinde hiecmit abstattcn; und indem wir wünschen, daß der Allmächtige Ew. Hvchwürden noch recht lange zum Heile Israels wirken lassen möge, empfehlen wir uns dein Wohlwollen Ew. Hochwürdcn hochachtungsvoll. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. (Folgen die Unterschriften.) Stettin, 10. August 1845. Aus Buden, 20. Juli. (Verspätet.) Die Rabbinerversannnlung zu Frankfurt a. M. hat die Erwartungen, die wir von ihr hegten, im höchsten Grade getauscht. Sie hat eine Richtung angenommen, die nicht nur jeden Frommgesinuten in Israel ihr entfremden muß, sondern auch, was wir am wenigsten hofften, ganz und gar nicht dazu geeignet ist, die Wirren und Parteiungen im religiösen Interesse des Judenthnms zu versöhnen. Vielmehr muß es Jeden, welcher die Resultate der Berathungen am 17. und 18. d. M. liest mit dem tiefsten Schmerze und den: größten Leidwesen erfütter:, wie Leute, die sich Rabbiner, Diener der Religion neune::, die Religion in solcherWeise würdigen. Zum Belege diene Folgendes. Am 17. und 18. d. M. sollte über die Kultusangelegenheiten berather: werden." Eine Majorität von 15 gegen 12 stimmte dahin, daß das Hebräisch in dem Gebete für j. e tz t zwar noch r a th sain, aber nicht n oth wend ig und gese tz l ich sei, und daß zwar dasselbe für jetzt noch beizubehalten' sei, aber daß die Rabbincn dahin wirken sollten, es attmälig aus dein jüdischen Gottesdienste zu verbannen. Ferner sollte): zwei Kapitel des ))W weggelassei: werden. Bei der Sitzung am 18. fehlte schon Herr Rabbiner Dr. Z. Frankel. Aber am Schlüsse derselben erhält Rabbiner Stein einen Brief von demselben, in welchem dieser seinen tiefen (leider nur allzugegründeten) Kununer ausdrückt über die Richtung, welche die Rabbinerverfamrnlung durch diese Schritte bekundet habe, und zugleich dem Präsidium anzeigt, bei einer solchen Versammlung könne er sich nicht entschließen, Sitz und Stimme zu haben, und wünscht, der Präsident möge diesen Brief der Versammlung baldigst Vorleger:, und cs möge derselbe den Protokollen einverleibt werden. Aus gleiche): Gründen zeigte auch Rabbiner S'chott seinen Austritt an. In den felgenden Sitzungen machten sich mehrere Rabbiner: wirklich lächerlich und suchten durch triviale Witze die Zuhörer zu locken, und sprachen oft so herabwürdigend über Bibel und Religion, daß sie sogar von einem Christen ermahnt werden mußten, doch nicht eine so frivole Sprache über so heilige Dinge zu führen. Wie thätig sich Herr Rabbiner Fürst in Heidelberg für die Verbesserung des Gottesdienstes zeigt, bewährt Folgendes: Schon früher hatte derselbe für den Fasttag der Ternpetzerstörnng (3N3 '□) folgende Ordnung für Heidelberg und die Orte seines Rabbinatbezirks eingesührt: I. Es sollen Bänkchen angeschafft werden von der gesetzmäßigen Hohe, worauf sich jeder setzen soll. Das Sitzen auf der Erde oder auf andern: Geräthe sei streng untersagt. II. Jeder muß anständig (wo möglich schwarz) gekleidet erscheine):, und mit einer den: Fasttage gemäßen Frißbedccknng; das Wechseln derselben aber in der Synagoge sei verböte):. III. Der Schrank für Gesetzrollen und der Almemar seien schwarz behängen. IV. Die Trauergesänge dürfen nicht gesungen, sondern müssen anständig recitirt werde::. Jeder, der. solche zu recitiren wünscht hat sich dein: Rabbiner oder in Ermangelung eines solche): beim Vorstand zu melden. V. Zwischen den Kinnot und Zijjonim solle der Rabbiner, oder wo kein Rabbiner ist, der Lehrer eine Rede über die Bedeutung des Tages halten. Diese Anordnung fand allenthalben, wie zu erwarten stand, ihren gebührenden Anklang, und ist nun in allen Synagogen des Rabbinatbezirks Heidelberg eingeführt. Die neuesten Anordnungen, die dieser Rabbiner in Heidelberg traf, sind folgende: Die Haftara soll nicht mehr, wie bisher von einem Gemeindemitglied, sondern vom Vorbeter gesagt werden, und der dabei zur Tora Aufgerusene soll btos die Segenssprnche sagen. Der zur Tora Aufgerufene soll nicht mehr mit Namen genannt werden, sondern man sage Jaamod Kohcn, Lewi, Schelischi rc. DaS bisher übliche Gebet geger: die Minirn (wc-ta- Malschinim) änderte er folgendermaaßer: ab : ib rnpn nu’t^pbi rnn» fnj i?sn np’Nn ho) T nnN ■Jjna : wp’2 rnnp? jra:ni : C’~i L'^-> jjpppi Die Kaddeschiln für Abelin: solle:: diese gemeinschaftlich sagen. Die Zweckmäßigkeit dieser J):stitnte ist nicht zu verkennen , und es wäre zu wünschen, daß jeder Rabbiner einen solche): Eifer für Erhaltung und Feststellung des JudenthmnS hätte. Möge er ii: der Thätigkeit für dasselbe fortfahren, so wird ihm auch der Erfolg desselben gewiß sein. M. P. Aus Buden, E::de Juli. (Verspätet.) Aus unserem Vaterlande kann ich Ihnen eine erfreuliche Nachricht mittheiten. In Mannheim nämlich vereinigte:: sich die meisten Rabbiner Badens zu einer Nabbincrversammlung, welche zeitgeu:äße Reformen innerhalb der Grenzen des rabbinisch-traditionelle:: Judenthums bezweckte. 36*

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