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Der Orient · 1845-08-27 · 35 (27.8.1845) · p. Spalte 555-556

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
35 (27.8.1845)
Date
1845-08-27
Page
Spalte 555-556 (sequence 6)
Language
German
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685 Kritiken. Der Verfasser des „treuen Hirten". in welches der Studiren-e eingeführt werden soll, hoffen wir zunächst beleuchtet zu sehen, und die Welt wird es dem Vers, danken, wenn er sich dieser Mühe unterzieht, die allerdings der Wissenschaft ungemein forderlich sein, und daher, wenn auch nur von Wenigen gewürdigt, ihre .Belohnung in sich tragen würde. Volksschriften» 35) Bilder aus dem jüdischen Volksleben, von Simon Krämer (in Altenmuhr in Baiern, Provinz Mittelfranken). IV. 128 S. gr. 8. (Preis 40 Xr.) Des wackern Verfassers Virtuosität auf dem Gebiete der jüdischen Novellistik ist längst bekannt, und von uns selbst öfters näher beleuchtet worden. Es gereicht uns zur Freude, wiederum ein derartiges Merkchen von ihm anzeigen zu können. Wir sehen aus dessen Erscheinen, daß sein Streben, bei der höchst schwachen Aufmunterung, welche jüdische Schriftsteller in ihren Gemeinden zu erwarten haben, doch hinlängliche Anerkennung gefunden, um auf dem betretenen Pfade fortzuschreiten. Uebev den Nutzen, den solche Schriften verbreiten, kann kein Zweifel obwalten. Der Verfasser ergeht sich nicht in einer Wett der Träume; er faßt das wirkliche Leben auf und verflicht dessen Erscheinungen, wie solche auf dem Lande und in kleinern Städten überall sich wiederholen, zu einem Gesammtbilde, das auf den Beobachter einen artigen Eindruck macht, bei der Jugend aber und bei dem Theil des Volkes, der mehr dem Zuge der Gewohnheit folgt, wichtige und heilsame Betrachtungen und Gedanken Hervorrust, und das vorhandene Mißbräuche, Verkehrtheiten und thörichte Bestrebungen so einfach und faßlich veranschaulicht, daß augenscheinlich eine solche Schilderung auf Gesittung und Gesinnung einen wohlthuenden Einfluß übt. Wir haben hier wieder drei Novellen. Das Erziehungsmsritur zu Steifenau scheint vornämlich den Widerspruch hervorheben zu sollen, der oft genug da empfunden wird, wo Töchter jüdischer Eltern solchen Anstalten überwiesen werden, in denen sie eine zu ihren Verhältnissen durchaus nicht stimmende Richtung bekommen, das Ganze spielt in der verhängnißvollen Zeit des Jahres 1819. Die Charaktere -sind vortrefflich gezeichnet. Die zweite: Wie kommt Eisen zu Silber? Eine Schilderung der Gegensätze, die sich zwischen einem Geldmenschen und einem klar denkenden, für Volksbildung und Verbesserung des Kultus eifernden Lehrer ergeben. Die Erfindung und Ausführung dieser Novelle machen dem Verfasser Ehre, um so mehr, als er nicht verfehlt, auch die traurigen Verhält- .wisse, unter denen seine Glaubensbrüder in Baiern noch schmachten müssen, offen vorz-uführen. Wenn der Bürger oder der Landmann solche Darstellungen liest, muß er darauf hingeleieer werden, manche Misstände der mittelalterlichen Gesetzgebung zuzuschreiben, und friedlicher gegen diejenigen gestimmt werden, denen das Gesetz so unbillig begegnet und oft die Nahrung versagt. Andrerseits sind hier viele und recht auf- 556 1 faltende Züge aus dem jüdischen Leben, Entartung sowohl [J wie hohe Gesittung bekundend, mit unverkennbarer Wahrp heit zu einem Genrebilde vereinigt, auch gute Vorschläge einft gestreuet. Die dritte Novelle: der Schebuot-Kranz, etwas abenteuerlicher gehalten, bringt daneben eine Menge anderer Verhältnisse der Juden zu den Christen zur Sprache, und rügt Ä in seiner Ironie eine Mannigfaltigkeit von Mißbräuchen, wie Sj solche überall Vorkommen, insbesondere in Süddeutschland. § Wir wollen den Inhalt der Novellen nicht näher angeben, % um den Lesern nicht vörzugreifen; es ist derselbe ohnehin nur das Gewand für tiefe Wahrheiten, welche unter dieser Einkleidung desto eher gewürdigt werden. Die Sprache des Ganzen ist möglichst einfach, leicht, ['• und aus dem Leben gegriffen. Die Mängel, welche wir an ft dm frühern Schriften des Vers, bemerkten, öfters ungewöhnft liehe Bedeutung des Ausdrucks, öfters una-n gemessene Einft Mischung von Fremdwörtern, öfters Ungenauigkeiten im Pe- \< riodenbau cc. finden sich auch hier, jedoch nicht in demMaaße, J daß dadurch das Ganze litte. ' 1 Wir können vielmehr diese Erzählungen als sehr lehrreich H empfehlen, und wünschen, daß sie recht verbreitete Theilnahme finden mögen. Dr. M. Jost. j Vorläufiger Bericht über mein Studium der Münchner hebräischen Handschriften. Von M. H. Lcrndauer. (Aus dem Nachlasse mitgecheilu) ' Vorläufiger Bericht über meine Entdeckung in Ansehung des So'har. (Fortsetzung.) ft ' I Ich habe mich bis jetzt in meinen Beweisen auf bm || Schar selbst beschränkt. Laßt uns zum ■ njömd -N’jn p übergehen. Ist uns tut Sohar die genaue Uebereinstimmung des ft Systems mit dem Abu'l'asta's ausgefallen, so kommen * tut N'JH noch speeielle Kennzeichen seines Lebens hinzu, und auch seine eigentümlichen Gesinnungen liegen hier noch offener zu Tag. Er muß diese Schrift geschrieben haben, als er schon in sehr leidvollen, drückenden Umständen war, als er von den Vorstehern der l jüdischen Gemeinden viel zu leiden hatte, und von Ort zu Ort flüchten mußte. Er verfällt darin oft in Jammer und Klage, oder geräth in Zorn und fängt zu - schimpfen an, sagt uns aber in den Ergüssen seines

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