Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 35 (27.8.1845)
- Date
- 1845-08-27
- Page
- Spalte 553-554 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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553 Kritiken: Kurze Anzeigen. Schiller. Chajes 554 Kurze Anzeigen. 34) Der Bund Gottes mit Israel! Gottesdienstlicher Vortrag über Jes. 59, 21 zur ersten Konsirmationsfeier am zweiten Lage des myW' SefteS 5605 (12. Juni 1845) im Tempel der Israeliten zu Eperies, gehalten von Rabb. S. M. Schiller, Prediger daselbst rc. Leipzig, 1845. 8. Heinrich Hanger. Der Verfasser dieser Predigt hat, durch den Egoismus der R.-V., die nicht in ihn, wohl aber in sein Amt Zweifel gesetzt, die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich gelenkt, und wir erachten es daher als unsere Pflicht, eine Rede, welche Hrn. Prediger Schiller legalisirt, den Lesern vorzuführen. Der geehrte Redner würde sich schon um seine Gemeinde, die vom krassesten Chasidismus eingeschlossen ist, verdient genug gemacht haben, wenn er nur die Konfirmation eingeführt hatte. Allein die Predigt ist auch sowohl in der Disposition als in der Ausführung musterhaft und verdient nicht in die Kategorie der Alltagsleben gestellt zu werden. Wahrhaft rührend spricht Hr. Schiller zum Gemüthe der Jugend, die er in die Religion der Väter eingeweiht. Die Sprache und die Exegese sind einfach und klar und zumeist gut gewählt. Wir wünschen ihr zahlreiche Leser. 44) NQD (Einleitung zum Talmud). Von Hirsch Chajes, Kreisrabbiner in Zolkiew. 1845. 28 Bl. 4. (Schluß.) Was.die Beschaffenheitdes Talmuds betrifft, so bemerkt der Vers, zunächst im Allgemeinen, daß die Recensionen beider Talmude, welche wir besitzen, bei weitem nicht Vollständig genannt werden dürfen. Sogar in altern Drucken finden sich Stellen, die seitdem ausgefallen sind, und Vieles kommt, als Citat aus dem Talmud, in spätern Werken vor, was jetzt vermißt wird. Das andrerseits eine Menge Stellen von spätern Lehrern dem Talmud beigefügt worden, ohne mit demselben an ihrem Orte in Zusammenhang zu stehen, ist eine bekannte Sache, und solche Gloffen sind oft deutlich bemerkbar gemacht. Wir hätten gewünscht, daß der Vers., dessen gründliche Bekanntschaft mit allen Einzelheiten der talmudischen Werke hervorleuchtet, eine möglichst erschöpfende Uebersicht der anderswo sich findenden Fragmente, sowie der im Talmud vorliegenden Zusätze, gegeben Hütte, oder bei der Fortsetzung dieser Einleitung noch-geben möchte. Der Blick auf die Agadot, die bald denTalmuden ganz, bald theilweise, bald gar nicht einverleibt sind, führt unfern Hers. auf die Bemerkung, daß in alter Zeit, lange vor der schriftlichen Redaktion der Mischna bereits viele Agadot- Schristen vorhanden waren. Letztere sah man nicht als eine Verletzung des Gebotes, die Tradition nur mundlich fortzupflanzen an; man bediente sich derselben vielmehr öfters zu manchen Erläuterungen. Während man solche Nebengedanken, freie Erklärungen und moralische Satze schriftlich aufbewahrte, war und blieb es noch Jahrhunderte hindurch verboten, Halachot niederzuschreiben. Wie alt diese auch waren, und zum Theil reichten sie mindestens bis zur Zeit des zwei- . ten Tempels hinauf, so fand doch selbst R. Jehuda der Heilige nichts geschrieben vor. Nur geordnet waren bereits mehrere Abschnitte, und es leidet keinen Zweifel, daß auch dieser Nasi keineswegs die Mischna ausgeschrieben, sondern sie nur in sechs Ordnungen gebracht habe, in welchen sie seitdem bis zur Zeit des Talmudschlusses immer nur mündlich fortgelehrt wurden. Doch scheine R. Scherira Gaon sagen zu wollen, daß man schon damals einzelne Exemplare schriftlich abgefaßt hätte, was der Vers, noch näher in Erwägung zu ziehen sich vorbehält. Ferner wendete der Vers, feine Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Lesarten eines und desselben Eitates in verschiedenen Talmudbändm, sowie auf die Eigenheit, daß'hier ein Stück ausführlich steht, das anderswo bedeutend gekürzt erscheint. Diese Umstände sowohl wie der Mangel jeder Hinweisung von einem Orte auf einen andern, führen ihn zu dem Schlüsse, daß die Abtheilungen des babyl. Talmuds nicht nach einem Gesammtplane oder nach dem Entwürfe eines Einzelnen verfaßt seien, sondern daß von einander unabhängig arbeitende Gelehrte je eine oder mehrere Abtheilungen schriftlich abgefaßt haben. Dies ist um so bemerkenswerther als der sogenannte Jeruschalmi seine Einheit überall kund giebt. Der Vers, bleibt bei der Meinung, daß letzterer von N. Jochanan herrührt, daß aber viele Zusätze später gemacht worden seien, wie die Erwähnung des Diokletian und gar des Julian beweisen. Alle diese Punkte, welche wir hier nur flüchtig andeuten, erläutert der Vers, mittelst Anziehung der Belegstellen, wobei er eine vielseitige Belesenheit entwickelt. Indessen gestehen wir, daß uns das Gegebene nur lüstern macht nach einer systematischen Durchdringung des Ganzen. Diese denken wir mit dem folgenden Hefte zu erlangen. Es muß darin möglichst genau ermittelt werden: 1) Wann die Werke in ihrer gegenwärtigen Gestalt ihre gänzliche oder theilweise Abschließung gefunden haben? 2) Wann die Einzelheiten desselben entstanden sind und wie? 3) Es wird dann der Standpunkt der Zeit angegeben werden müssen, den Grad der Bildung der Rabbinen in jeder Zeit, soweit solche auf ihre Äußerungen Einfluß übt. 4} Gleicherweise wird der innere llnterschied der Sprach e und des Dialektes, und der äußere Unterschied in der fortgebildeten Sprache wesentliche Momente darbieten, um den Jdemgcmg der Talmude zu beurtheilen. 5) Wir würden auch eine genaue Charakteristik der Varianten sehr wichtig finden, in sofern sie bereits alt sind und nicht blos von Abschreibern herrühr-en. Diese und viele andere in gegenwärtigem Hefte nur gleichsam vorübergehend erwähnten Eigenheiten des Werkes,