Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1845)
- Date
- 1845-08-27
- Page
- Seite 279 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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279 für Sie keine Nachbeterei und Nachäfferei der Mode- Thorheiten, sondern den mächtigsten Drang erblicken werden, unser gepreßtes Herz zu. erleichtern. .. Genehmigen Sie nochmals, Herr Ober-Rabbiner, den innigsten Dank und die aufrichtigste Verehrung von den Unterzeichneten. (5picc folgen die Unterschriften.) Frankfurt, a. M., 21. Jylu (Fortsetzung der Verhandlungen der RV.) Sitzung am 24. Juli 1845.*) Der Sekretair der Versammlung, Dr. Jost, legt seine Funktionen nieder, da unaufschiebliche Geschäfte ihn nöthigten, von hier abzureisem Den Dank der Gesellschaft wurde ihm einstimmig votirt. Hierauf wurde ein Schreiben von dem Gemeinde-Vorstand zu Breölau verlesen, in dem die Versammlung zur Abhaltung der nächstjährigen R-.V. dorthin eiugeladen wird. Alls die Anfrage: Ob Mittel genug vorhanden sein, die Kosten dieser weiten Reise zu ^decken, gab Geiger die Versicherung, daß im äußersten Falle zwei Männer bereit seien, alle Kosten zn tragen. Einhorn verlangt hierüber mehrmals mündliche Zusicherung, was aber als unpassend zrnck'gewiesen wurde. Das Bedenken, ob die erfreuliche obrigkeitliche Ertaubuiß zu erlangen sei, konnte nicht mit Sicherheit beseitigt werden, jedoch glaubt Geiger solche als 'unzweifelhaft voraussetzen jit dürfen. Einstimmig wurde hierauf BreSLau zun: nächstjährige!: Versammlungsort bestimmt. — Die Antwort auf die Adresse der Reform-Genossenschaft zu Berlin wurde hierauf von Referenten der Adreß-Konnnission, Dr. Philippson, verlesen, und hierüber eine nmständliche Debatte eröffnet. Der Entwurf lautet: „Mit hohen: Interesse haben die Mitglieder der ') Wir geben die Berichte über die R.-V. nach den Skizzen, die wir in den Sitzungen gemacht haben; auf eine Vollständigkeit können diese Berichte nur hinsichtlich der Resultate Anspruch machen. Die hier mitgetheilten Vota müssen aber nothwendig von den in den offiziellen Protokollen abweichen, da die Herren Rabbiner größrentheils bei Vorlesung der Protokolle — wo so mancher Unsinn, der gesprochen wurde, selbst nach der künstlichen Seite des Sekretairs, erst recht anschaulich vorlag — ihre Vota dem Sekretair schriftlich übergaben. Die Auffassung und die Darstellung eines Sekrerairs wie Jost läßt an zarter Behandlung des zuweilen sehr zähen Materials und an Gediegenheit des Ausdrucks gewiß nichts zu wünschen übrig, dieser aber auch nicht alles was gesprochen und am Wenigsten wie es gesprochen in den Protokollen niedergelegt ist. Die vortrefflichen Witze und die neu geformten Bibelsätze, die man sicherlich in den Protokollen vermissen wird, verdienen jedoch als zur Charakteristik der Rabbiner des 19. Jahrhunderts gehörend der Nachwelt aufbewahrt zu werden. Wir gestehen aber auch offen, selbst hierin nichts Vollständiges geleistet zu haben, und noch so manche Nachlese wird gehörigen Orts von kundiger Hand gehalten werden. K—m. N.-V. von Beginne an diejenige Bewegung im Judenthume wahrgenommen, welche durch Ihre Genossenschaft hervorgernfen worden. Daß diese hervorgegangen aus deu: Bedürfnisse, das bürgerliche Leben, in welches der Israelit mit vollem Bewußtsein und ganzer Kraft eingetreten, und die Formen des Judenthnms in eine wesenhaste und beseelende Einheit zu bringen, haben sie immer erkannt." Holdheim verlangt, daß es im zweiten Satze heißen müsse „hervorgegangen auö dem religiösen Bedürfnisse;" denn den inner): Drang, wenn er kein religiöser ist, dürfe man nicht berücksichtigen; hier sei aber das Bedürfniß ein religiöses. — Holdheims Vorschlag wird nach einer langen Debatte angenommen. — „Daß die Genossenschaft iu: Drängen dieses Bedürfnisses sich bis jetzt nicht hat Hinreißen lassen, selbstständig die Bahn der Umgestaltung zu betreten, und, einerseits den Blick nach der R.-V. gerichtet, andererseits als Ziel eine Synode anstrebeud, nur die altseitige Bethätigung des Reformbedürfnisseö gesucht hat: wußten sie ihr stets Dank. Um so innigere Freude und Befriedigung hat die zweite Rabbiner-Versammlung selbst empfunden, als sie eine würdige Deputation der Genossenschaft, versehen mit einer unmittelbar an sie gerichteten Denkschrift, in ihre Mitte eintreten sah, und sich durch die in dieser ausgesprochenen Ansichten und Wünsche, sowie durch vielfache persönliche Besprechungen mit Ihren Herren Deputirten in jener erfreulichen Ueberzmgung wesentlich befestigte. Das Bewußtsein der religiösen Gemeinschaft, welches alle Bekenner der israelitischen Religion vereinigt, kann dadurch nur erhöht werden, daß alle Strebenden iu Israel sich begegnen und einander nähern. Da wir in unser!: öffentliche!: Verhandlungen öfters Gelegenheit hatten, dm Grundsatz auszusprechen,/daß das Judenthum keinen Unterschied zwischen Rabbiner:u:d Laien anerkenne, so kam: es uns nur um so inehr freuen, wenn das Bedürfniß nach Reforu: nicht blos iu der Ueberzengung der Rabbiner, sondern auch innerhalb der Gemeinden seinen Boden findet, so daß wir dieses ernste Streben nach Abhülfe und Befriedigung als ein echt religiöses gern anerkennen, und nur der: innigen Wunsch hegen, daß dieses Streben bei seiner allmahligen Ausbreitung nur solche Wege einschlage!: möge, wodurch die Einheit unserer Glaubensgenossenschaft nicht gefährdet werde. Sie Haber: den Wunsch ausgesprochen, ir: ihrer fernerrr Bestrebungen mit der unsrigm Hand in Hand zu gehen, der Wunsch, denjenigen Wechselverkehr'zwischen Ihre::: und unseren: Institute eintreten zu sehen, aus welchem eiu heilsamer Erfolg für die Gesammtcntwikelung des Judenthmns hcrvorgeheu soll. Auch wir sind der Ucberzeuguug, daß eiu derartiges Zusammenwirken von wahrhaft segensreichen Folgen sein könne; und wie wir uns gerne der Hoffnung hingegeben, daß ihre Bestrebungen uns unterstützen, den Boden zu gewinnen auf welchem sich die Resultate unseres Instituts verwirkliche):