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Der Orient · 1845-08-27 · Heft 35 (27.8.1845) · p. Seite 278

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 35 (27.8.1845)
Date
1845-08-27
Page
Seite 278 (sequence 11)
Language
German
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- 278 - „die rabulistischen Orthodoxaster" gegen Fr a n k e l Hervorrufen wollte, bei den Konservativen keine Wirkung haben, und daß selbst diejenigen, welche der Reform huldigen, doch nur Reformen wünschen, die in der jüdischen Wissenschaft ihre Begründung haben. Es ist daher zu ■ hoffen, daß es dem Publikum nicht unangenehm sein wird, die Adresse in Lxlenso zu haben. Hochwürdiger Herr! Hochwürdiger Herr Ober/Rabbiner! Tiefe Wehmuth und Freudigkeit, Trauer und Jubel, Niedergeschlagenheit und muthige Zuversicht haben Ihre empfundenen gesinnungskräftigen Abschiedsworte 'an die zweite Rabbiner-Versammlung bei Ihrem Ausscheiden in unserer Brust erregt, sie haben den mächtigsten Wiederhall in unserm Innern gefunden. Wehmuth, Trauer und Niedergeschlagenheit ergriffen uns von einer Versammlung von Rabbinern, solch' unjüdische Gesinnungen, von einem Kreise von Vertretern des Judenthums, geringschatzende Äußerungen gegen dasselbe, von Wächtern des Heiligthums solchen Verrath am Heiligsten zu vernehmen. Sie aber, hochgeehrter Herr, haben der leichtsinnigen Lauheit vieler Mitglieder der Versammlung innige Frömmigkeit, der Frivolität würdevollen Ernst, der Principlosigkeit kräftige Ueberzeugung, der bodenlosen Reformsucht warme' Anhänglichkeit an den heiligen Ueberkommnissen des Judenthums, endlich dem Verrath musterhafte Aufopferung entgegensetzt. Ihre Worte haben daher in uns Freudigkeit, Zuversicht und Jubel wieder angefacht, sie haben uns die feste Ueberzeugung gebracht, daß die heilige Religion unserer Väter, daß die Bundeslade des Herrn, so wie sie den äußern mächtigen Feinden überdauert hat, so auch die innern ohnmächtigen Feinde überleben wird, daß Israel nicht verwaist ist an gesinnungsvollen Männern, .die mit den Waffen tiefer Wissenschaft gerüstet, den Kampf für das Kleinod der väterlichen Religion mit Liebe und Aufopferung führen, und alles Wissen und alle Gelehrsamkeit, alle geistige Errungenschaft auf den Altar des Herrn legen, um sie zur Verherrlichung des Judenthums zu verwenden. Mit stiller aber lebhafter Theilnahme blickten wir und Tausende unsrer Glaubensbrüder mit uns schon längst auf Ihr heilsames Wirken für die Erhaltung des angestammten Judenchums, des Judenthums, für welches unsere Eltern gelebt und geduldet, für welches unsere Märtyrer geblutet und für welches auch wir leben und dulden wollen, wenn es Gdtt über uns verhängt. Haben wir Ihnen unsere volle Theilnahme geschenkt, als Sie auf theoretischem Boden die Unwissenheit belehrt, die Halbheit beschämt, die Frechheit zu Boden geschmettert, um wie viel steigerte sich unsere Bewunderung, unsere Verehrung für Sie, 'als, Sie sich offen von den hohlen Tendenzen der diesjährigen Rabbiner-Versammlung Losgesagt, als Sie vor den Augen Aller erklärten, nicht Sitz und Stimme mit Rabbinen zu haben, die sich unserer glorreichen Vergangenheit schämen, und sie gern. aus dem Gedächtnisse der Gegenwart und dem Buche der Zukunft gestrichen haben mochten. Groß waren die Opfer, die Sie, hochgeehrter Herr! sowohl bei Ihrem Eintreten, als bei Ihrem Ausscheiden gebracht; Sie haben den Verdrießlichkeiten in Menge sich ausgesetzt, in eine Versammlung zu treten, wo Ihre erbitterten Feinde saßen r die in Ihnen den gewandten Kämpfer für das wahre Judenthum hassen, Sie haben mit Aufopferung Ihrer Persönlichkeit ein Institut, das dem Judenthume gefährlich zu werden drohte, durch Theilnahme zu einem seegensreichen, heilsamen umschaffen wollen, ein noch größeres Opfer haben Sie durch Ihr Austreten gebracht. Sie haben sich den Schmähungen ausgesetzt, welche jene Fraktion gegen alle diejenigen haust, die nicht zu ihrer Fahne schwören. Aber mögen dieselben Sie schmähen, Sie verdächtigen; mit Ausnahme Weniger, werden alle, die dem Judenthum angehöcen, fern und nah, innerhalb und außerhalb Deutschlands Sie segnen für diese That, daß Sie die Autorität, die jene Versammlung sich anmaßen wollte, durch Ihr gewichtiges Wort vernichtet haben, daß Sie gezeigt haben, daß dort in drangvollen Zeiten kfür das Judenthum kein Heil erblühe, daß es dort, anstatt gegen die Stürme der Zeit geschützt und gewahrt zu werden, es denselben blosgestellt und preisgegeben wird. Ja fast alle unsere Brüder erblicken in Ihnen den mit Geist und Kraft begabten Mann, welchen die Vorsehung in der Zeit der Nvth und Gefahr erweckt und erwuthigt pDn TU TTlb, sie alle sprechen Ihren Namen mit enthusiastischer Begeisterung, mit frommer Rührung ausitnb wir Unterzeichnete' fühlen den Drang in uns, znerst vor allen Gemeinden Jsrael's unfern tiefgefühlten Dank, unsere Verehrung für Sie, hochgeehrter'Herr Ober-Rabbiner, öffentlich auszusprechen. Abgesehen davon, daß wir der Welt zeigen wollten, daß Sie mit Ihren Gesinnungen nicht allein und vereinzelt dastehen, sondern daß Sie unseren Gefühlen und Gedanken nur Worte geliehen, fühlen wir uns deswegen ganz besonders veranlaßt, unsere Gesinnungen kund zu Lhun, weil uns der Riß, den Frivolität und serviles Haschen nach Überzeugungen und Formen fremder Kreise in den Bau des Judenthums gemacht, und von unberufenen Rabbinern nur noch vergrößert wird, uns am tiefsten verwundet und am herbsten schmerzt, uns, die wir den Riß in nächster Nähe haben. Wir müssen uns offen vor den Augen des Judenthums rechtfertigen, daß man uns nicht mit denen beschuldige, die die „Denkschrift" von hier an die Rabbiner-Versammlung unterschrieben haben. Wie sind höchst betrübt über den Inhalt dieses Absage-Briefes vom Judenthum, und die größte Mehrheit unserer Gemeinde, theilt mit uns diesen Schmerz. Dies sind die wahren Triebfedern, die uns bewegen, und wir leben der Hoffnung, daß Sie in dieser Kundgebung unserer Gesinnung

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