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Der Orient · 1845-08-27 · Heft 35 (27.8.1845) · p. Seite 280

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 35 (27.8.1845)
Date
1845-08-27
Page
Seite 280 (sequence 15)
Language
German
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— 280 - können, so werden Sie uns, als Gesammtheit und als Einzelne stets bereit finden, Ihre Bestrebungen mit unfern Kräften zu unterstützen, wenn dieselben mit d e n j e n i g e n P r i n c i pi e n ü b e r e i ü ft i in m e n, v o n welchen wir in einer Reform Lm Jndenthnme ausg eh en zu m itsse,n g iau b en." Gegen den letzten PassnS wurde eingewendct, die R.-V. könne der Genossenschaft unmöglich eine U e b e r e i n st i i.um u n g von Prineip Leu zur Bedingung der Unterstützung machen, indem doch diesseits bis jetzt alles vermieden worden sei, ein festes Prineip, von'dem die R.-V. ihrem Ausgangspunkt zu nehmen habe, offen darzulegen. Hierauf wurde entgegnet, daß allerdings ein Prineip hier vorwalte, obgleich die Versammlung kein bestimmtes Prineip ausgesprochen habe. Mit Prineiplofigkeit habe man keineswegs die Idee des Messias aufgeben können. — Die Pflicht der Selbsterhattung verlange aber keine zu weitläufige Definition des Ln seiner Allgemeinheit adoptirten Princips zu geben; und so lange die Versammlungen gemeinschaftliche Principien haben, so lange können solche in speeielleu Fällen zu übereinstimmenden Resultaten angewendet werden. — Der Passus wird in obiger Fassung angenommen. „Auf den Gang, den Ihre Bestrebungen nehmen, und auf die Gestaltung, welche dieselben durch Erzielung einer Synode gewinne!: werden, halten wir unsere Augen erwartungsvoll gerichtet, und wünschen, daß jene zu einem nüt unseren Ueberzeugungen und Grundsätzen übereinstimmenden Ziele durch den Beistand und Segen des Einigen Gottes gelängen und wahrhaft gedeihen mögen." In diesem Passus wurde an dem Ausdruck „erwartungsvoll" Anstand genommen, da es gegen die Würde der R.-V. sei, erwartungsvoll der Gestaltung entgegenzuharren, welche durch die Synode bewirkt würde. Rach mehreren Vorschlägen wurde der Ausdruck „mit voller Aufmerksamkeit" angenommen. — Die Antwort auf die Zuschrift des Vereins zur Verbesserung jüdischer Verhältnisse in Mannheim wurde ohne Debatte angenonnnen. Der Ueberbringer derselben, Klausrabbiner und Beter, Hr. H. Wagner, suchte vergeblich die ungeziemenden'Ausdrucke in derselben, wie z. B. daß unsere Gebete Flüche enthalten, zu vertheidigeu; die Versammlung gab ihre Indignation nochmals kund. Der Entwurf der Antwort auf die Zuschrift der Breslauer Reforrnfreunde wurde verlesen und einstimmig verworfen. (Fortsetzung folgt.) Personalchronik und Miseellen. Concession. Den Orthodoxen in Schwerin ist die Benutzung einer besondern Synagoge gestattet worden. Ihre Gegner trösten sich mit dem baldigen Aussterben der „Men". Die jetzige Jugend kann aber, wie wir täglich sehen, auch wieder „alt" werden. * * Socialer Fortschritt. Am 22. Juli fand in der Stadt Schleswig, in welcher die, nicht sehr zahlreichen, Juden überhaupt besser als in den übrigen Städten Schleswig-Holsteins zu stehen scheinen, ein Concert zum Besten eines jüdischen Mitgliedes der Liedertafel, das sich einer Augenoperation unterwerfen muß, statt. * Die Rabbiner am Spieltische. Als sich einige Rabbiner von der Frankfurter Versammlung in den Spielsälen der reitzenden Kurorte Wiesbaden und Homburg von der geistigen Anstrengung der Sitzungen zu erholen suchten, um mit erneuter Kraft für die religiöse Wiederbelebung Israels arbeiten zu können, hat sich einer derselben am heiligen Sabbat so vom Reitze des Spieles verlocken lassen — welcher Verlockung die Rabbiner jetzt um so mehr ausgesetzt sind, seitdem sie, ihrem Beschlüsse zufolge, die rrTO rittHD, in der es heißt nmb v-jrii* mnn 'tö), nicht mehr recitiren —' daß er seine ganze Baarschaft der Göttin des Spieles zum Opfer brachte — eine Opfergabe, die das „Bewußtsein der Seit" noch nicht verpönt. — Dieser laienhafte Zeitvertreib giebt zu folgender Anfrage an die nächste R.-V. zu Breslau Veranlassung, die wir jetzt schon den Gelehrten Israels zur Besprechung vorlegen. Ist nämlich das Hazardspiel am Sabbat ein Gegenstand der Erholung und Erbauung und mithin nach dem Kommissions-Bericht zu erlauben, oder gehört solches dem Kreise der verbotenen Arbeiten an , weil, wenn ein Moment des Verlustes eintrüt, die Heiligung und Erhebung in ein materielles Sehnen nach dem Wiedererwerb übergeht. — Diese Anfrage ist aber durch erwähntes 2"°! rwyQ keineswegs anticipirr entschieden, weil der K.-Bericht noch nicht zum wirklichen Beschluß erhoben ist, und nach dem heute noch" Giltigkeit habenden Schulchan Aruch, den der erwähnte Rabbi wahrscheinlich zu Rathe zog, das Spielen am Sabbat nicht als Werkthätigkeit verpönt ist. — Eine andere Frage, ob die Gemeinde, welche alle Verpflegungskosten der Rabbis übernommen, auch Spielverluste zu ersetzen'HÄ, gehört ins Gebiet der scholastischen Rechtslehre. Verlag von E. L. Fritz s che. Druck von I. H. Nagel.

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