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Der Orient · 1845-08-27 · Heft 35 (27.8.1845) · p. Seite 277

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 35 (27.8.1845)
Date
1845-08-27
Page
Seite 277 (sequence 9)
Language
German
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der Liebe, erlauben wir es uns, Ihnen bei Ihrem Abgänge aus unserer Gemeinde laut einstimmigen Beschlusses derselben vom 20. April L a. eine Dankadresse als ein Unterpfand unserer Liebe und Verehrung und zur Erinnerung in der Ferne zu überreichen. Es sind Worte aus den Herzen, denen Sie Erbauung, religiöse Weihe und Trost gespendet! Dank Ihnen für die unermüdliche Thätigkeit und Sorgfalt, mit der Sie Ihrem hohen Berufe überhaupt, den Angelegenheiten, unserer Gemeinde im- Allgemeinen seit einer Reihe pon Jahren vorgestanden. Sie haben Ihr heiliges Amt mit Würde und Einsicht, mit Hingebung und Energie zugleich zu führen verstanden, und so mit Recht auch die volle Anerkennung der hohen und höchsten Behörden, die ungethcilte Zufriedenheit alter Gemeinden Ihres Bezirkes und auch in weitern Kreisen den ermunternden Beifall unserer bessergesinnten deutschen Glaubenöbrüder gefunden. Es ist Ihren Bemühungen gelungen, die Forderungen unserer Zeit mit dem göttlichen Inhalt unserer Religion durch zeitgemäße Reformen in der Weise auszugleichen und zu versöhnen, daß dadurch jenes kostbare und in der religiösen Zerwnrfniß unserer Zeit immer fcltcitcr werdende Glück der Gemeinden: Frieden und Eintracht nicht gestört und nicht gefährdet werden. Dank Ihnen insbesondere für jene Stunden der Weihe und Erbauung, in denen Sie uns in gemüthlicher und geistvoller Rede das Wort Gottes verkündeten, für den Geist frommer Andacht ttub Erhebung, den Sie über unsere Männer und Frauen ausgegossen, die Sie im Glauben belehrt, gestärkt, getröstet und erhoben l Dank Ihnen ferner für den Eifer, mit dem Sie auch für das materielle Wohl der Gemeinde durch Begründung eines Vereines für Handwerker, durch Unterricht und Belehrung derer, die sich den Wissenschaften und dem Lehrfache gewidmet, gesorgt und gestrebt haben; herzlicher: Dank endlich für die rege Aufmerksamkeit und den selbstthätigen Autheit, die Sie der Bildungsstätte unserer Jugend , der Schule widmeten, und mit denen Sie selber das fromme Anssaatkorn der Religion in das zarte Gemüth unserer Kinder gestreut. Noch einmal unfern größten und innigsten Dank in unfern: und im Namen aller Gemeinden Ihres Bezirkes! Möge der Himmel Ihnen und den Ihrigen auch in Zukunft in Ihrem neuen Wirkungskreise Kraft und Ausdauer, Gesundheit und Zufriedenheit schenke::; es geleiten Sie in die Ferne die Segnungen und Wünsche Ihrer Gemeinde. Im Namen sämmtlicher Gemeinde-Mitglieder. Der Vorstand > der hiesigen israel. Gemeinde. I. Meyer Hof. A. L. Frank. Hildesheim, 20. April 1845. 38reslcnr, im August.. Wie in allen Städten Deutschlands hat auch hier die Rabbiner-Versammlung die Aufmerksamkeit Aller auf sich gezogen, und mit Spannung erwartete man hier die Resultate ihrer Berathungen, die, aus inniger Religiosität und tiefer Eckenntniß bervorgehend, die Einheit und den Frieden m Israel Herstellen sollten. Wie aber wieder diesmal unsere Hoffnungen getauscht, unsere Wünsche unerfüllt geblieben sind, bedarf kaum der Erwähnung. Hat die vorjährige R. - V. wenigstens die terroristische Reform- Partei, die gern am Sonntag gleich den christlichen Mitbürgern mit Gebetbüchern ausgehen und ihre aufgeklärten und witzigen Rabbiner an ihren Tischen sehen möchte, für sich gewonnen, so hat die diesjährige es auch mit dieser verdorben, und es ist zu erwarten,. daß das große Mahl in Frankfurt die rjN"On mijJD für die zu Grabe getragene R.-V. gewesen sei, und daß die Elegiendichter bald sich an die Nekrologe auf dieselbe machen werden. Jedoch hat' auch sie wie jedes Uebel ihr Gutes, denn es hat so Mancher im Eifer der Rede Geheimnisse verrathen, die in den reinen Herzen der Rabbiner hatten schlummern sollen. Wir Laien wissen jetzt, daß die Rabbiner trotz ihrem Haß gegen alles Alte'doch gern als alte Priester, als gewerhete Häupter gegenüber uns Laien, der unheiligen Menge, sich überheben möchten, wir haben erfahren, daß sie die Theologen uns, den Idioten gegenüber, dastehen wollen, kurz man will uns allem jüdischen Wissen entfremden, damit unsere Pastoren ihre He er den ganz nach Belieben leiten können, und sie das Judenthum noch mehr vergessen machen. Es ist demnach kein Wunder, daß Unzufriedenheit mit der R.-V. von allen Parteien sich kund gab, und daß viele ehrenwerlhe Mitglieder unserer Gemeinde ihre Antipathie gegen die Tendenzen der R-D. durch eine Dank-Adreffe an dem charaktervollen Ober- Rabbiner Frankel für sein Ausscheiden aus der R.-V. an den Tag legen wollten. Sobald sein Austreten bekannt wurde, traten aus den verschiedenen Parteien, die früher feindlich gegeneinander stehenden Männer zusammen, um dem würdigen Kämpfer gegen Unwiffenheit und Frivolität ihre Achtung und Verehrung zu zeigen, und die beiden religiösen Extreme der Stabilen und Progressisten mit allen dazwischen liegenden Nüaneen verbanden .sich, um dem Vertreter des Judenthums ihren tief gefühlten Dank abzustatten. Für den Freund des Judenthums ist es erfreulich zu sehen, daß solche Verdächtigungen, wie sie der Verfasser des elenden Aufsatzes *) *) Ars zuverlässigen Mitthellungen kann ich versichern, daß die hiesige Denkschrift an die R. - V. von demselben Verfasser herrührr. ' Es ist doch ungerecht, daß wir selbstständig sein, wollen und über Religions-Angelegenheiten uns ein Urtherl erlauben; wir sollen es lieber unserem Rabbiner überlassen, der wird schon für unsere Comodität sorgen.

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