Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1845)
- Date
- 1845-08-27
- Page
- Seite 275 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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275 setzung des Herrn Rabb. Des Morgens war die Synagoge so leer, daß man die bis jetzt noch erforderliche Anzahl (s^Q) in dieser großen Synagoge wahrhaft zusammensuchen mußte. Der Hr. Rabb. ließ sich unwohl melden, schickte aber die Verordnung ein, welche rrüp gesagt werden sollten und wirklich wurden vonChasan rpw und Kinot gesagt; um halb 8Uhr war der Gottesdienst zu Ende. O—. Leipzig, 18. Aug. (Die Ausschließung des Predigers Schiller aus Eperies von der Theilnahme an der „zweiten Rabbinerversanunlung".) Sie werden, hochgeehrter Herr Redakteur, Folgendem im Interesse der Wahrheit zweifelsohne die Spalten Ihrer geschätzten Zeitschrift -offnen; um so mehr aber rechne ich darauf, da dieser Punkt in den gelesensten Blättern^) theilweise bereits besprochen ward und mithin ein Aktenstück der Zeit geworden ist. „ Kaum war es fest beschlossen, daß die diesjährige Rabbinerversanunlung in Frankfurt a. M.'stattfinden werde, als ich auch schon an den Präses des Ausschusses, Herrn Rabbinen Stein meine Zusage einsandte, und mich zu diesem Zwecke gleich nach dem Wochenfeste auf die Reise begab und ich auch am 14. Juli in Franks, a. M. eintraf. — Gleich bei meiner Ankunft verfugte ich mich zu Hrn. Stein, und alsbald fragte er nach meiner Legitimation, welche ich ihm auch in meinem von der hochlöbl. Statthatterci ausgestellten Paffe überreichte. „Damit ist nicht genug 1". fagte Hw Stein, „Sie müssen das Anstellungspatent Seitens Ihrer Gemeinde beibringen, gleich wie wir es Ihnen geschrieben haben". (Ich habe keinen Brief von Hrn. Stein ererhalten, und mußte jener nach meiner Abreise von Eperies daselbst eingetro.ffon sein.) Ich fragte, zu welchem Zwecke ich denn das AnstellungSpatent hätte beibringen sollen, da mein RegierungSpaß, in den: e§ ausdrücklich heißt: „Schiller, israel. Prediger aus Eperies" mich hinlänglich legitimire? Herr Stein meinte, dies genüge nicht. Um diese Zeit erschienen die Herren DD. Geiger und Philipp so n, ich gab an Erstern mein'Empfehlungsschreiben von Hrn. B. Holländer aus Bielitz ab, wobei Hr. Geiger bedauerte, Holländers Handschrift nicht früher gesehen zü haben und könne er somit für die Echtheit des Schreibens nicht bürgen; ich wandte mich an Hr. Philippson, der doch aus dm Berichten, dir ihm ans Eperies seit zwei Jahren zukommen, mich und meine Stellung zur Gemeinde genau kennen mußte, allein Hr. Philippson bedauerte, gerade die letzten Nummern meines Berichtes nicht genau gelesen zu haben, überdies waren ja dies meine Berichte nur. Mir that es doch wehe, eine Reise von beinahe 400 Meilen Weges umsonst gemacht zu haben, ich *) Oberpostamtszeitung, Franks. Journal, Deutsche Allgem. Zeit., Orient, Sabbathblatt rc<. schlug daher vor, meinen zweiten Paß (der damals auf der Universität Jena lag) holen zu lassen, weit derselbe erstens von der Srrroser Komitatsbehörde, die ihren Sitz in Epe ries hat, ausgestellt ist und weil es zudem in demselben ausdrücklich heißt „Prediger der JZraelitengememde zu Eperies". „Gut", sagten sie, „wir wollen ihn sehen". Ich schrieb also um den Paß. Mittlerweite fragte ich Hrn. Stein, warum er so streng auf Dinge sehe, die nicht ihm, sondern der Polizei zustehen? Hr. Stein erwiederte: Es hat ein glaubwürdiger, im Amte stehender Mann an mich geschrieben, Sie seien keines ganz makellosen Charakters und zudem nicht Gemeindeprediger, sondern predigten Sic blos bei gewissen Gelegenheiten in der Synagoge eines Privatmannes. Endlich langte mein Paß au, den ich dem Präses überreichte. Hr. Stein verwies mich auf einen schriftlichen Bescheid, der auch nach drei Tagen mir zugeschickt wurde. Er lautet: „Herrn Prediger Dr. Schiller! Indern wir Jhnerr die uns überreichten Papiere hiermit höftichst zustellen, bedauern wir recht sehr, daß die hohem Interessen unseres Instituts uns nicht gestatten, Ew. Wohlgeborm eher als Mitglied unserer Versammlung zu betrachten, als Sie nicht ein Anstellungspateut seitens Ihrer Gemeinde beigebracht haben. Hochachtungsvoll und ergeben Das Präsidium der zweiten Rabb.-Versammlung. (gcz.) L. Stein, Präses. (gez.) Hirsch, Sekretär. Frankfurt, 21. Juli 1845. Sr. Wohlgeboren Hrn. Dr. Schiller hier." Hierauf wandte ich mich brieflich an den wohllobl. , Vorstand meiner Gemeinde, der nicht wenig - erstaunt war, daß man in der freien Reichsstadt so unfrei und polizeilich verfahre. Nach 14 Tagen wurde mir folgendes Dokmneut überschickt: Brief des Herrn Gemcmdevcrtreters und AetuarS der Israeliten zu Eperies. „Herrn S. M. Schiller w. re. EpcrieS, am 8. Aug. 1845. Wehlehrwürdiger Herr! Gestern wurde mir der Besitz Ihrer wertheu Zuschrift und ich beeile mich, mit heutigem Postabgange Ihren: Wunsche zu willfahren. Mit Bedauern vernahm ich, daß Sie ein nicht fungirendes Mitglied der Rabtinerversaittmlung und folglich unsrer ....... gleich ohne Votum zugegen waren.. Konnten Sie denn nicht darauf rechnen, daß auch dort der Pfeil Ihrer Verfolger Sie treffen werde-? — Daß Ihre Vertäumder auch dort, wenn auch nur brieflich, doch ihre Zungen wetzen werden? — Ich hoffe, daß gegenwärtiges Zeugniß Ihnen in den Augen der Welt hinlängliche Geuugthuung verschaffen kann. — Indem 35 *