Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1845)
- Date
- 1845-08-27
- Page
- Seite 274 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360364-2360400--5090-3531551- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
274 Bedürfniß wird. Es ist den Lesen: ohuchinbekannt, daß meine. Ruthe den Weg zum Rücken der Narrheit weiß, und ich könnte schweigen, ohne mir beim Publikum dadurch zu schaden. Allein dieses Publikum darf auch nicht langer über die Nichtigkeit und Aufrichtigkeit der Geiger'schen Urtheile in Zweifel gelassen werden. Bei Gelegenheit einer Anzeige des von Stern herausgegebenen Parchon in der Halt. A.L. Z. sagte ich, daß ich Herrn Carmol.Y in Brüssel lieber das Lob eines Abraham Geiger gönne, als den ausführlichen Tadel eines Rapaport, und-- Hinc illae lacrimae l Gegen diesen meinen freimüthigen Angriff hatte Hr. G. zwei, von der Ehrlichkeit und Klugheit angewiesene Wege zur Rache, entweder im Bewußtsein seines Rechtes eine stolze, im Bewußtsein seines Unrechts eine angeblich vornehme aber kluge Schweigsamkeit zu beobachten, oder, mir offen und männlich die Wahrheit zu sagen.. Hinter diesen Wegen läuft aber noch ein versteckter Schleichweg hin, der nämlich, den freimüthigen Angreifer mit falscher: und ehrenrührigen Worten zu bewerfen, und letztem Weg hat Hr. G. gewählt! F. Leb re cht. Crefeld, 10. August. Die humanen und liberalen Gesinnungen unserer Mitbürger, von denen die kräftigen, bei Gelegenheit der im Provinziallandtage verhandelten EmaucipationSfrage gesprochenen Worte den triftigsten Beweis lieferten, haben sich auch wieder in dieser Woche auf eure edle Weise, zur Freude aller im hiesigen Sprengel wohnenden Israeliten, bewährt. Durch ein Schreiben des LandratheS wurde der Oberrabbiner B o d en h c im er an der Seite der Geistlichkeit und der . übrigen Honoratioren der Stadt zur Empfangnahme Ihrer Majestäten des Königs und der Königin von Preußen, Höchstwelche am 7. hier eintrafen und in der Wohnung des Herrn Kommerzienrathes äbznsteigen geruhten, freundlichst Ungeladen. Bei der Präsentation hatte der Hr. Oberrabbener die Ehre, von den Allerhöchsten Herrschaften sehr huldvoll ausgenommen, über sein Amt und feinen Wirkungskreis in -gnädigen Ausdrücken befragt zu werden. Der Hr. Bischof Ro ß, Hochwürden von Berlin, hatte zugleich die Gewogenheit, den Oberrabbiner dem Herrn Eich mann, Ober-Präsidenten der Rheinprovinz vorzusteüen. Heil dem Wolke, das zu einem so geistreichen, liebevollen Monarchen seine Blicke erheben kann; Heil Israel, das von seinen Mitbürgern selbst in die Nähe des Thrones geleitet wird und um so mehr der Reälifirung fetner Wünsche entgegen sehen darf. — 17. BernbuDg, 18. Aug. In Nr. 32 d. Bl. werden in der Mittheitung der Debatte der R.-V. in Betreff der hebräischen Sprache meine Bemerkungen .aus eine so kurze Weise angeführt, daß sie dem Leser unklar bleiben, besonders aber die so abgerissen hingestellte Aeußerung bei der Abstimmung, ich wisse nicht , ob ich ja oder nein sagen sollte, sonderbar erscheinen muß. Ich sehe mich daher veranlaßt, das Referat des Herrn Korrespondenten hiermit - dahin zu erläutern mtb zu - vervollständigen , ^daß ich in meinem Votum die Trennung zwischen objektiver und subjektiver Nothwendigkeit der hebr. Sprache darum nicht anerkennen wollte, weil wir nicht frommer zu sein brauchten als Moses und die Talmudisteu, und weil überhaupt, sobald wir der Subjektivität und der Gegenwart dem Gesetze gegenüber ein Recht einränmten, wir uns von dem von der Rabbinerversammluug angenommenen positiv-historischen Standpunkte entfernen würden. Da ich mm mit Andern in der R.-V. die gesetzlich objektive Nothwe::digke:L der hebr. Sprache beim Gottesdienste verneint hatte, so konnte ich demnach diese auch aus keinem andern objektiven Grunde anerkennen, und nur darum,. ,,we:l das orthodoxe Leben des Israeliten mit allen Fasern mit der hebr. Sprache verwachsen rst", deren Beibehaltung als rathsam erachten. Ich erklärte daher, daß ich bei der Frage: ob die hebr. Sprache mtö andern als gesetzlich objektiver: Gründen nothweudig sei, insofern nicht wisse, ob ich sie bejahen oder verneinen solle, als u:eine Entscheidung davon abhiuge, ob jene Rathsamkeit in der Frage mit eiugeschtossm sein solle oder nicht. Als darauf diese Rathsamkeit von der (zweiten) Frage gefordert und als besondere dritte gestellt ward, habe ich sie allerdings bejahet. Herxheim er. Frenikfurt er. M., 12. Aug. Der Sturm hatte sich gelegt, .alles ging wieder seinen ruhigen-Gang, die Debatten für und gegen die R.-V., die unter dem Publikum oft statt fanden, waren verhallt, als m:an die vorige Woche das bekannte Sprichwort, Le roi esfc mort, yive le roi, allgemein vernahm. Bekanntlich hat die R.-V. den persönlichen nwn abgeschafft, von pnp nvb.) wollte sie nichts wissen, ja einige verlangten sogar ein Dankgebet für und nun: war zu glaube:: berechtigt, daß in der Hauptsynagogc keine Klagen mehr würden gehört werden, wie nn TUn rpjn hl vsy nn -dp mn D'd , mih ms-wi. , Als sich die vorige Woche das Gerücht allgemein verbreitete, der Räbb. Stein wolle eine:: zeitgemäßen feierlichen Trauer-GotteSdienst auf nn anordnen. Eine Predigt sollte gehalten werden, das .Institut der D'DJTflnD sollte mit nnott eingeführt werden. Unglücklicherweise schien sich der Spruch des Talmuds;d-D riNT) wtt roubn nniwND npra bestätigt zu haben. Die Predigt unterblieb, dem Vernehmen nach hat es der lobt. Vorstand nicht zugegeben. Trotzdem war die Synagoge beim Abendgottesdienst, voll wie schon lauge nicht mehr. Das Gebet wurde in altherköuunlicher Trauermelodie abgchalien. Ein pJHDD . fanfc statt, aber nicht wie es im Talmud heißt; der pki recitirle das erste Kap. hebräisch, der Räbb. das zweite blos deutsch :c. Des Morgens sollte es umgekehrt stattfindcn. Man bc- . wunderte allgemein die gediegene Auswahl der Heber-