Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1845)
- Date
- 1845-08-27
- Page
- Seite 273 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sechster £t£ttf« Jahrsaas- Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonyirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Vr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. Leipzig, den 27. August _ 184Ä» Inhalt. Deutschland. Berlin. Der 6. Ab. Kalir, ein Revolutionär. Geiger's Spiel. Crefeld. Auszeichnung Bodenheimer's. Verbrüderung. Bernburg. Verwahrung von Herxheim er. Frankfurt a. M. Triumph der R.-V. am 9. Ab. Leipzig/ Schiller über seine Ausweisung. Aktenstücke. Hildesheim. Dankadresse an Bodenheimer. Breslau. Die R -V. Adresse an Dr. Frankel. Frankfurt a. M. Die Verhandlungen der R.-V. — Personalchronik und Miscellen. Concessron. Socialer Fortschritt. Die Rabbiner am Spieltische. — LV. d. Or. Deutschland. Berlin, 17. August. Die Trauerfeier der Zerstörung Jerusalems haben unsre Orthodoxen diesmal mit besonderer Freude zmückgelegt! Sie waren nämlich nahe daran, eine große Summe von Kmot an die gemäßigte Reform zu verlieren; aber kräftiges Zusammenhalten der für ererbte Gebete und Gesänge begeisterten Männer wendete das schon au der Schwelle der Synagoge stehende Uebel ab, und man unterhielt sich diesmal lebhafter als an den frühem Jahrestagen der Zerstörung mit Gesang und Gespräch, welches durch die Freude des Sieges und durch gegenseitige Berichte über die Mittel, wie man ihn errungen, gewürzt wurde. Es war nämlich den laufenden Sommer hindurch ein Kampf zwischen Dr. Sachs und den andern Gliedern des Rabbinat über die Abschaffung vieler Fest- und Fastgebete. Der gelehrte, und besonders mit der religiösen Poesie vertrante Prediger wollte, wie man sagt, mehre Stücke des Eteasar Kalir aus der Liturgie verweisen, da sie oft unfern jetzigen Gesinnungen und meist der hebräischen Sprache die größte Gewalt anthrm; allein seine Kollegen, gestützt auf eine große Fraktion sogenannter Altgläubigen, widersetzten sich der wohlmeinenden Neuerung, .und ließen sich durch Aufreizungen verleiten, frühere friedlichere Grundsätze aufzugeben. So bleiben denn die harten, unverständlichen Produkte des alten, veralteten, sprachgewaltthätigen Kalir, den man mit Recht "Mn nennen mochte, dem Corpus der Gebete einverleibt! Wie der neunte Ab hier sonst gefeiert wird, mögen die wenigsten Ihrer Leser wissen. Fünf Achtel der Gemeinde feiert ihn durch Beobachtung des Verbots, di ]^Dn umzubinden, ein Achtel drückt seinen Schmerz durch begeisterten Gesang von Kinot aus, und unter den honoriscausaigen Sängern ist mancher so überzeugt von dem Beifälle, den er sich durch seine treffliche Stimme erwirbt, daß er innerlich wünfcht, es mochte der Tempel noch an 353 andern Tagen zerstört worden sein, damit doch alle Tage DNS wäre. Die restirenden zwei Achtel wünschen das nämliche, damit man sich alle Teige über gewisse melodische Narren lustig machen könne. Die Uebrigen und einige geringe Ausnahmen von den letzten drei Achteln sind aufrichtig über den Fall Israels betrübt, und einen' armen Menschen darunter kennen wir, der gern sein enropamüdes Haupt und ein von Weltschmerz erfülltes Herz im ThaleJosafat niederlegen möchte! Indem ich hier von Gesang und Melodie spreche, wird mir der Ucbergang zu einem Geiger verzeihlich. Ich meine Dr. A. Geiger, Rabbiner zu Breslau. Dieser hat in Nr. 4 des Literaturbl. des Israeliten des 18. Jahrh. einen Streich gegen mich geführt, welcher den Führer gewiß ebenso blosstellt, wie er mich unberührt läßt. Er ist zu einer Polemik herabgesunken,- welche man ebenso kräftig wie einfach durch die bloße Angabe ihres Charakters bestraft, und ich habe Hrn. G. so ganz in meinen Händen, daß mir bei der Anwendung meines Strafverfahrens Nachsicht und Mäßigung zum 35