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Der Orient · 1845-08-20 · Heft 34 (20.8.1845) · p. Seite 271

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 34 (20.8.1845)
Date
1845-08-20
Page
Seite 271 (sequence 13)
Language
German
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entlassen,-keinavirksameres Schreckmittel, als die Anstellung einest jüdischen Lehrers. Ein panischer Schrecken bemächtigt sich bet diesem Gedankenaller: Gemüther Israels. Zuförderst fürchtet, man -die. wahrhaft klägliche-'Gestalt eines ergrauten jüdischen; Lehrers, -wegen seiner etwaigen Pension, worüber ma»i -im Grunde ganz .unbekümmert sein könnte. Denn wenn man fast schwörenkann, daß unter 10 Lehrern 11 nicht alt, sondern recht jugendlich das Himmelreich, auf das in Preußen sämmtliche Elementarlehrer angewiesen sind, betreten. Dann aber scheint das oberschl. Israel nicht so von der sinaischen Offenbarung von der Pflicht: „ihr sollt jbelehren eure Kinder" Überzeugt zu sein, als davon, daß ein fixirt angestellter jüdischer Lehrer durchaus nichts leistet. So Manches ließe sich an diese hier allgemeine verbreitete hämische Bosheit knüpfen, allein ich unterlasse es, und möge sich jeder einerseits ein Bild von dem Gemüths-Justande Israels, das fähig ist einen mitunter intelligenten^ Theil jüd. Schlesier durch eine eben so niederträchtige als boshafte Voraussetzung zu beschimpfen, andererseits aber von der Verletzung des wahrhaft treuen Lehrers, entwerfen. > Aus purem Beileids-Gefühl hätte ich bald die früher noch einzige Möglichkeit, eine kümmerliche jüdische Schule, erstehen zu sehen, unberührt gelassen. Es ist die Koncession. Eine Koncession oder Schulgewerbschein "erhielt ehedem ein jüdischer Lehrer, welcher zuerst in irgend ein Verhältnis; mit der Gemeinde stand, das wie die Erfahrung lehrt nirgend von Bestand war, weil man doch ewig nicht beisammen sein kann — und nach aufgelöstem Verhältnisse, wenn es anders dem Lehrer gelang, den Magistrat für sich zu gewinnen, nachzuweisen, wie unumgänglich nöthig im Orte eine jüdische Schule sei, und nach 10 andern Schreibereien, als Biographie, Einrichtüngsplane, Knncefsionsgesuch, Führungsattest, eroberte sonst immer der Lehrer eine Koncession, was jetzt aber nicht mehr der Fall ist, wie die meisten bestehenden Schulen als die zu Beuthen 2, Ratibor 2, Mislowitz 1, Kybmk 1, Rosenberg, Creuzburg und Groß-Strelitz es sind. Wenn der geneigte Leser der Meinung ist, daß nach dieser Eroberung, Seiten des Lehrers, nun Friede in Israel si'st, so irrt derselbe sehr. Wie wäre dies auch möglich! Sind doch jene heterogenen Theile, die früher durch irgend ein Bindemittel eine kurze Frist ein Ganzes gebildet/doch wiederum da, wie soll, wie kann der ohnmächtige Lehrer sie vereinbaren? Bald ist dem Emen der Lehrer ein Goi, bald ist er ihm kein genügender Deutscher, bald kein genügender Lamdan, bald nutzen Frömmigkeit, Deutsch- und Judenthum, der vereinte Dreiklang, auch nichts, er ist kein Philologe, ja selbst Letzteres genügt nicht, er soll auch Prediger, Kantor, und wer weiß was Alles noch sein. — Daher die Erscheinung, daß wir in Gemeinden, wo kaum eine tüchtige, wohlorganisirte mit Lehrmitteln versehene Gemeinde-Schule sein könnte, gar zwei wetteifernden, einander sich anfeindenden concessionirten Schulen begegnen. - Unstreitig hat -in jüngster Zeit Groß St. in Schulsachen allen oberschlesischen jGemeinen, den Rang streitig gemacht. Groß St. iwmen et omen habet — hat es auch zum non P1u8 ultra hierin gebracht. Ein Lehrer, -der schon als Präpavand um die dortige Jugend sich Verdienste - erwarb, bestand nach vorangegangener sorgfältiger Vorbereitung sein Examen, trat in ein Schulverhältniß mit der Gemeinde, was natürlich nicht lange währte,, mußte dann um Koncession nachsuchen, die derselbe, nach großen Mühen, nachdem der katholische und evangelische Schulpatron nachgewiesen, daß unmöglich die -jüdischen Kinder in ihren Schulen eingeschult werden können, endlich erhielt. Man sollte meinen, daß nach Zurücklegung aller dieser Wege nun die koncessionirte Schule blühe, und der arme vielleicht der einzige in Oberschlesien für sein Fach erglühete Lehrer, seinem Berufe ungestört obliege; allein mit Nichten. Kaum gegründet erstanden schon einige rfn der Gro ß Str. Gemeine, und erhoben ein Zetergeschrei, der Lehrer ist kein genügender Hebräer, kein n"n ♦ Obgleich derselbe nicht nur für Schule viel zu viel hebräisch versteht, sondern noch grammatisch-methodisch nach Ehrenberg es lehrt —wollte derselbe sich dennoch einer Prüfung im Hebräischen bei unserm Dr. Geigr unterwerfen; allein dies mochten die Str. nicht. Die Koncession hat doch einmal der Lehrer, und es blieb der Gemeinde daher kein anderes Mittel übrig, als den armen Lehrer von seinem Koncession-Reglement, worauf derselbe zu achten hat, durch. Schliche und Ränke abzuführen, um ihn dann seiner Koncession verlustig zu machen. — Der Wolf witterte dies aber und brauchte die nöthige Vorsicht. Die liebehGroß Sr. hielten ihm die Kinder zurück, bewogen, man weiß noch nicht durch welche Machinationen, die Schulpatrone, daß die jüdische Jugend ja ausgenommen ward, trotz der früher» Unmöglichkeit!, und so sitzt nun der arme Lehrer auf seiner gescheiterten Koncession, wie Scipio auf den Trümmern Karthagos. Ein sehr rührendes Bild. Nächst dem armen Lehrer, verdient in der That die oberschlesische Regierung unser volles Mitleid. Dreist kann man behaupten, daß 100000 christliche Elerrientarschüler in 50 Jahren, ihr nicht so viel Wirtschaft verursachen als die Gemeinde Groß Str. mit ihren 40 jüd. Kindern in 2 Jahren. Da nun die Behörde eben durch die Ereignisse dieser löblichen Gemeinde belehrt, keinem jüdischen Lehrer fürder eine Koncession ertheilen wird, und da ferner die preussischen, namentlich aber oberschlesischen Gemeinden wie bereits erörtert, aus purer Vorsicht keinen Lehrer anstellen können und Privat- Winkelschulen — außer Hauslehrerstellen bei einer Familie — bei uns nicht gestattet — und somit auch keine Aussicht vorhanden ist, daß hier zu Lande jüd. Schulen erstehen werden — so glaube ich mein Referat mit einer ernsten Warnung an jüd. Schulamts-Kandidaten, und mit einer innigen Bitte an junge Lehrer schließen zu müssen. Jünglinge! die Ihr etwa eine Neigung zum Schulfache in Euch verspüret, hört! die Erfahrung sprichts, lasset diese nicht aufkeimen, entwurzelt sie, und wählet den ersten besten Beruf, auf daß jJhr nicht einst klagen

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