Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1845)
- Date
- 1845-08-20
- Page
- Seite 272 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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272 muffet: „um ein Weniges bin ich hineingerathen in alles Unheil. Und ihr Lehrer, wenn es möglich ist, meidet ein Feld, das Euch nur Dornen und Disteln wuchert, auf daß Ihr nicht am Ende Eurer Tage, wenn Ihr entkräftet und entnervt, vergeblich klaget.— Wie jene jesajanische Prophezeiung: „alle deine Kinder Israel seien Gottesgelehrte,wie dies sich bewähren wird, wenn es anders die Gegenwart bereits nicht bewährt — wollen wir wie so manches Andere dem Wunderthater Israels überlassen. X. Personalchronik und Miseellen. Verluste der Israeliten durch Feuer. Während erst ein Aufruf zum Aufbau der abgebrannten Synagoge zu Bentschen ergeht, ist auch in Smyrna bei dem großen Brande ein Theil der Iudenstadt zerstört und auch in L uzk in Wolhynien, .welches zur Hälfte von Juden bewohnt war, das Eigenthum derselben in Flammen aufgegangen. * * * Kaiserlich russische Auszeichnung» Ein Jude zu Krzywo Iestoro in Volhynien, Wolko Kahan, hatte seine 4 Söhne freiwillig bei der Rekrutirung gestellt; und der jüngste wurde angenommen. Der Kaiser hat dem Vater zur Belohnung eine Medaille ertheilr und die Handlung selbst allen Juden bekannt zu machen besohlen. Jerusalem. Die Aktien des evangelischen Bisthums und des Herrn Dr. Alexander stehen noch immer schlecht. Nur das Krankenhaus hat emigermaaßen Fortgang; die neugeworbenen Proselyten unter den Juden, die dasselbe verlassen, kehren in der Regel zum Iudenthum zurück. * * * Ein Durchreisender. An der Scheidegrenze des Juli und des August kam Dr. Lilienthal durch Hamburg. Er war auf demselben Schiffe über Travemünde gekommen, welches u. A. den Iustjzminister Panin und den Staatsrath von Baor - herüberbrachte und wohnte mit beiden in einem und demselben Hamburger Hotel. Befindet sich Hr. Dr. Liliemhal-auf einer Missionsreise und von welcher Art ist dieselbe? - —■ Die' Inschrift des Siegels des Rabbiner- Versammlung. Die Rabbiner - Versammlung hat beschlossen, daß das Siegel die Umschrift: „Versammlung deutscher Rabbiner" tragen soll. Dieser Beschluß ist eine Frechheit, indem Sachsen, B a i e r n, Hannover, die freien Städte (mit Ausnahme Frankfurts), Oesterreich (nebst Böhmen und Ungarn) rc. nicht nur ihre Rabbiner nicht hinsenden , sondern die Kompetenz der RV. nicht anerkennen, sie für eine Versammlung von Heterodoxen ansthen, und das ganze Spiel für eine Tagesgeschichte halten. Es ist aber in Betracht dessen auch eine Unwahrheit. Die Inschrift sollte heißen: ,,Ver sa m m l u n g preußischer Rabbiner", da gerade aus Preußen die meisten sich so nennenden Rabbiner zu dieser Versammlung gehen. — Das Schicksal vonRapaport's Schreiben an die RV. Der gelehrte R ap ap or t hat der RV. ein Schreiben zugeschickt in hebräischer Sprache, worin der Weg bezeichnet wurde, den eine RV. nach Gesetz, Vorschrift und historischer Entwickelung einzuschlagen habe. Dieses Schreiben hatte ein tragisches Schicksal, es wurde gar nicht gelesen. Die Versammlung erklärte, sie verstünde keine Hebräisch. Wo bleibt aber die kritische Einsicht, dieses nicht im Voraus zu wissen? London. Am 21. Juli ist die Judenemaneipationsbill, die bereits vor einigen Monaten vom Oberhause angenommen worden war, auch durch das Unterhaus passirt. An der Sanktion derselben durch die Königin ist nicht zu zweifeln. — Wer der dritten und letzten Lesung im Unterhause war es, da die Session sich ihrem Schlüsse zumigt, sehr leer; doch betrug die Majorität für die Bill 33 Stimmen (44 gegen 11). Große Heiterkeit erregte die Aeußerung eines bigotten Militärs (auch Preußen hat jetzt viele solche Käuze), des Obersten Sibthorp, der rundweg erklärte, bis jetzt habe er den Premierminister Sir Robert Peel für einen Christen gehalten, nunmehr aber (d. h. seit dem Einbringen dieser Motion) muffe er ihn für einen Ungläubigen (Ketzer) ansehen und werde sich nicht wundern, wenn Peel noch, weiter ginge. * * Vermischtes. Auch aus Posen treten viele Juden die Auswanderung nach Amerika an. — In Düsseldorf cirkulirt eine Liste der Reformer. —- Am. 18. Juni ist der besondere Gerichtsstand für die Juden in Bückeburg und Stadthagen aufgehoben worden. — Als Probe der Toleranz in Frankreich wurde kürzlich berichtet, ,Cremieux sei nicht blos in einem kirchlichen Rechtsstreite zum Anwälte erwählt worden, sondern er habe auch in Folge dessen einer christl. Kirche ein dankbar angenommenes Geschenk gemacht. Als Seitenstück "fügen die franz. Blätter jetzt hinzu, ein Jude, Namens Fisch el habe der Kirche zu Vinrennes ein von seinem Sohne, gleichfalls Juden, gemaltes Altarbild, Christus nach Prudhon, ' geschenkt. — Die wü'rtemb. Finanzkammer soll das Baden und Waschen der Juden in den Zimmern des königl. Bades Voll verboten haben. — * * Verlag von C. L. Fritz, s ch e. Druck von I. H. Nagel.