Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1845)
- Date
- 1845-08-20
- Page
- Seite 270 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Vereine versetzt / wurden,. S.ie, Herr Redakteur, vermochten,- diesen -insofern einigermaßen zu mildern, als Sie durch Ihren vielgelesenen Orient, eingedenk des, alten Spruches: „Kummerwerde. 'geäußert," das, Mitleid d.ep..^...Wä-ubeys.gendffen/'.bean-: spr.uchten. 777 so glaube ich. zuversichtsvoll, daß. Sie; dasselbe Recht einem, wenn auch an Zahl kleineren Lheile oberschlesischer Glaubensgenossen, aber rn der.Lhat weit hilfloserem, angedeihen werden lassen. Denn der Schenker-Zustand war. keines-, weges im Allgemeinenso traurig, weil)-der thätige Israelit selten sich mit einem Nahrungszweige begnügt, was.-übrigens vernünftig ist, und somit haben wohl nur Einzelne die. Folgen der Enthaltsamkeis- Vereine eine kurze Zeit verspürt. Selbst diese gehörten dem geräuschvollen Leben seit.ihrer frühesten Zugend an, und haben Gottlob auch bald nach diesem unerwarteten Schlage sich ermannt.-und,in dasselbe.gefunden. Abgesehen von den boshaften abscheulichen Mitteln, deren mancher fanatischer Pfaffe zur Erreichung der Enthaltsamkeits- Zwecke sich bediente, haben diese im allgemeinen gewiß, nur Ersprießliches für Israel geleistet. Weil sonst keine Macht im Stande wäre, einen großen Theil unserer Glaubens-Genossen von einem Nahrungszwcige abzuführen, der sich durch Gewohnheit'alle seine ckrüben Schattenseiten übersehen ließ, und der ihnen''nur Scheelsucht bei der Behörde, wovon die enormen Steuern zeugen, und Haß beim Volke erzeugte. Za man kann dreist behaupten, es wäre Glück für Israel, wenn die Mäßigkeits-Vereine,schon vor 50 Jahren wirksam wären, wie überhaupt ihre Zwecke erstreben möchten^ Weit übler sind'die oberschlesischen Lehrer daran, für die ich diesmal Ihre Güte angehe. Diese natürlich ganz ünheimisch auf dem Markte des Lebens, sollen nun mit einem Schlage ihre Schulstube verlassen, aus derselben treten/ beginnen wer weiß was.— - Aus unfern religiösen Zerklüftungen und Zerwürfnissen, die namentlich in den letzten Decennien ihren Höhepunkt erreichten, weiß man wie traurig es überhaupt in dieser Beziehung in Israel steht. Wir haben im eigentlichen Sinne keine Israeliten, mithin auch ganz analog keine Schulen und Lehrer, oder umgekehrt. ' Dennoch aber vegetirten in Oberschlesien an 50 geprüfte jüdische Lehrer, denen nun durch die väterliche Fürsorge unserer hochlöbl. Regierung die Aussicht eröffnet ward, diesen in Israel insbesondere so dornenreichen Pfad zu verlassen, und auf ändere Wege zu verkümmern. Ein Gesetz vom liberalen Jahre 1812 gebietet jedem jüdischen Schül-Amtskandidaten, ohne daß ihm die Mittel zur Aneignung der Kenntnisse geboten werden, daß derselbe.sich einer Prüfung unterziehe, was gewiß sehr heilsam wirkte, indem dadurch der Unwissenheit einigermaßen gesteuert, und dem Eindringen ganz Unbefugter gehindert wird. Denn so stiefmütterlich die Prüfung mit dem jüd.. Schul-Amtskandidaten-vorgenommen-werden mag/muß dennoch jeder, der sich ihr unterwirft, einmal ein ganz makelloser junger. Mann sein, dann aber auch mit der Pädagogik überhaupt, und mit dem nöthigen Wissen insbesondere, stG vertrantmachen; --weil -die Behörde/-selbst-Mtreff Israels in'.die.sev.Beziehung sich nicht: lächerlich e machen will. Daß! ' aber die Absicht der Behörde nur.dahin zielt, jene Klasse vonSub-. jekttn die Ben - S.eeb-nannte nvrb1^ ■Wlpb'ßi welche auf Dörfern ihr. böses.Spiel. 'treiben/ zu vermindern/ und ch'e eben-durch d.ie geprüften, wenn auch nicht Schächter — doch aber Lehrer zu ersetzen, geht klar und.unverkennbar aus? dem Verfahren der Regierung .hervor. Auf geordnete . Schulen, wo das -Israelitenthum geflegt und genährt werde, gleich an- . dern Konfessionen, war es von Seite der Behörde , me abgesehen, und wird der welcher die Behandlung unserer religiösen Verhältnisse in Preußen kennt, diese durchaus hierin nicht verdächtigen. /Und warum sollte ,sie auch in unsere religiösen An-, gelegenheiten eindringen? — ' Es war' vielmehr bis jetzt in Städten ganz den Mägisträten, überhaupt der Räumlichkeit der Stadtschulen, und dem Eigennütze^ der an demselbenfungirenden Lehrer überlassen, ob jüdische Schulen zu eröffnen oder zu schließen seien, je nachdem es diese für ersprießlich der städtischen Kommune erachteten. Denn unsere^religiösen Interessen stehen bekanntlich in Preußen/ entweder zu tief- oder zu-erhaben über, nur-nicht unter dem Gesetze.- Durch zufällige glückliche-Fügung bestand einejüdische -Privatschule 'in-G t e-i w i tzmit 3 Klaffen fast' 20 Jahre, an welcher natürlich fast eben'soviel'Lehrer gewirkt, die -bald vom Vorstände,- bald von den Schulintcreffentcn engagirt, von jüdischen Schuld-eputirten - im - Hebräischen/ und von der. städtischen Schuldeputation im -Elementarfacht inspicirt ward. - Nun -sing selbst diese Abart von -Schule -an Anklang zu finden, und wir sahen-binnen einem Jahre'3 in' Oberschlesien erstehen. - , ■ .• Allein selbst ein derartiges Schulverhältniß ist viel zu gut für Israel und seine Lehrer, und es muß darum aufhören. Seit einem Jahre dringt die oberschlesische väterliche Regierungm der aus Erfahrung sehr richtigen Voraussetzung, daß 2Juden auf dem ganzen Erdenrunde nicht, übereinstimmend denken, darauf: entweder-die jüdischen Schulen werden geschlossen, was eigentlich Absicht, ist — oder da man doch bei uns von Gewissensfreiheit spricht, und einige Juden Anstand nehmen könnten, ihre Kinder in. katholische Schulen zu schicken —• die beiläufig gesagt hier zu Lande an allen Schulübeln kränkeln, an Ueberladung, an Aberglaube und judenfeindlichen Vorurtheilen; indem den Kindern Christus mir der Dornenkrone nicht nur bildlich dargestellt, sondern was dem Bilde abgeht, reichlich vom Lehrer katholisch pathetisch den Kindern beigegebracht wird —die Gemeinden sollen Schulen errichten, h. gesetzliche, wie sie unser Schulreglement.fordert, .mit .lebenslänglicher Lehrer-Anstellung. Nur giebt es für oberschl. Gemeinden, die jede Gattung von Beamten wie z. B. darschende Rabbinen, singende Kantoren, die uns im wahren . Sinne des Wortes zur Schma dienen, und Schächter, die einzigen Pfeiler des oberschl. Judenthums, ohne Weiteres anstellen, und nur bei moralischen Vergehungen — aber nicht ohne Parteikämpfe