Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1845)
- Date
- 1845-08-20
- Page
- Seite 269 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- 269 - Als Einleitung diente eine auf sprechenden Beweisen beruhende Auseinandersetzung, daß des Menschen Leben hienieden dem eines Pilgers vollkommen analog sei, welches Hr. Brück sehr treffend entwickelte. Zum Text diente die Stelle, aus dem Wochenabschnitte Nasso (nc£0) die Sota betreffend, und der daraus bezügliche Kommentar im Talmud: *6 wpDty no rb -»iNn m^ts* rrO">y ntoio '.ruöD M nb jru Jede Thätigkeit in der Bürgerwclt wie in der moralischen Welt äußert sich durch entgegengesetzte Strebungen, die sich theilö durchkreuzen theils einander aufheben. Durch Abstoßung tmb Annäherung bleiben die Welten in ihrem ordnungsmäßigen Gange in ihrem jugendlichen Gewände .... Das Werden wie das Aufhören ist durch Abstoßung und Anziehung bedingt ..... Ein Gleiches gilt von der geistigen Welt .... Der. Mensch als ein Vernunstwesen und Naturwesen zugleich bildet somit ein Mittelding zweier Welten, die in ihm zur Einheit verschmelzen müssen .... Als Vernunftwesen strebt der Mensch vor: Außen nach Innen .... Selbstsucht ist das einzige Triebrad, das ihn in Bewegung setzt...." Die heiligste der Pflichten ist somit, nach innerer Einheit zu streben, die sich besonders in dem dreifachen Pflichtvcrhältnisse des Menschen, nämlich zu sich selbst, zum Nebenmenscheu im Allgemeinen und zum Staate kund zu geben hat. (Dieses alles mit Belegen aus der heiligen Schrift und aus dem Talmud.) Die Einheit im Staate ist seine Stütze, stille Kraft und seine Macht nach außen wie nach innew, durch Einheit mtt kann" er zur höchsten Btüthe gelangen, allen Gefahren Trotz bieten, besonders ist der Jöraelit auf Einheit hingewiesen, sowohl in seinen religiösen wie in seinem sittlichen tmb politischen Leben. Einheit ist der Stempel Israels. (Mit Bibel- und Talmudstellen belegt.) Nach beendigtem Bortrage folgte ein Gebet für die Landesobrigkeit, für die Behörden und Bürger, für die Schulen Ulld für die Jugend (die wirklich noch vieles zu wünschen übrig läßt), für Kranke und Leidende. Die Predigt gefiel dem versammelten Publikum sehr, der schwarzen Kutte kein edles Herz schlagen könnte. — Wie dem auch sei, ist dies von Seiten unserer Gemeinde ein unverzeihlicher Fehler, denn durch die falsche aber dennoch übliche Benennung „polnischer Jude" als Etwas sich Jsolirendes und Ausschließendes wird die Kluft, die zwischen uns und den uncivilisi'rten obwaltet noch immer weiter und weiter, da es vielmehr unser gemeinschaftliches Interesse erfordert, sich unfern armen auch in der Bildung nicht vorgerückten Glaubensgenossen wo möglich zu nähern, um ihnen die Frucht vom Baume der Erkenntnis; angedeihen zu lassen. — Referent hat auch schon in seinem bei Gelegenheit des zum Glücke vereitelten Attentats aus die Person Sr. Maj. des Königs von Preußen, in dem im jüdischen neuen Bethause gehaltenen Vortrage, auf diesen Gegenstand hingewiestn. — hauptsächlich aber muß ich dem Hr. Brück zugestehen, daß er das Publikum richtig aufgefaßt und bemtheilt hat. Der Vortrag wurde in einer einfachen, schlichten aber kernigen und kräftigen Sprache, die allen Zuhörern zugänglich war, er wirkte daher auch aus den minder gebildeten Theil der Versammlung erbauend, die auch aus vielen nicht zm Gemeinde gehörender: Personen bestand. Der Vortrag war deutlich, klar, einfach und bündig, Eigenschaften die einer Predigt nur zum Lobe gereichen können. Die Gemeinde wünscht (wie es scheint) ihn als Prediger aufzunehmen (eine schwere Sache' freilich, indem die Zahl der zrun neuen jüdischen Bethanse gehörenden gering ist, und selbe mit schwerer Mühe und wahrer Anfopferuug fctmu die Kosten, die sie bis jetzt zu bestreiten hatten, zu erschwingen im Stande sind). Der einzige Weg, der einzuschlagen wäre, würde wohl sein, sich an die Landeöobrigkeit bittend zu wenden, vielleicht würde diese etwas zum Nutzen und Wohte der neuen Gemeinde thun, was sich um so eher erwarten läßt, da die Regierung jeden trenn auch den geringsten geistigen Fortschritt der Inden mit Wohlwollen gnädig aufnimmt, und ohne nach Kräften zu tmterstntzen gewiß nicht unterlassen wird. UebrigenS würde der Gemeinde ein Religionslehrer vom Berufe Noth thun, denn die Heranwachsenden jungen Sprösslinge derselben wissen kaum Etwas von Religion, Moral, das ganze Studium des hebräischen Wissens besteht lediglich nur tu der Uebersetzung der heiligen Schrift.. Die Zukunft wird lehren, ob Hr. Brück seiner Stellung entsprechend wirken wird, Krakau würde in Polen und Galizien die dritte Stadt sein, die dem Fortschritte huldigt; denn in Warschau hält schon seit einigen Jahren Hr. Dr. Goldschmidt religiöse Vorträge, und Lemberg hat in der Neuzeit eine glänzende Acguisition an Hrn. Kohn gemacht, der seinem Berufe gewachsen ist. Jedenfalls sind deutsche Predigten in Polen (meiner Ansicht nach) etwas unnatürliches, nicht aus der Natur der Dinge hervorgcheudeö, der Prediger in Polen sollte zwar deutsch aber auch polnisch das Wort Gottes verkünden können. Dadurch würde man die Landessprache mit mehr Eifer pflegen, die Vorliebe zu den fremden Sprachen aber würde bedeutend abnehmen. Schon dies wäre ein bedeutender Gewinn. Aber wann kommt sie, die liebe Zeit?! Dr. Warschauer. Qberschlssische Schrtlzufiände. Wenn der nahrungetose Zustand, in den voriges Jahr die jüdischen Schanker Oberschlesiens durch die Enthaltsamskeits-