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Der Orient · 1845-08-20 · Heft 34 (20.8.1845) · p. Seite 266

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 34 (20.8.1845)
Date
1845-08-20
Page
Seite 266 (sequence 3)
Language
German
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- 266 - Oettr ttgen> im Ries, ftss.- August. DieMntersuchullg gegen Caspar Wern ''Weinreisenden' auS Deltelbach, wegen Entführung eines siebenjährigen Mädchens auf offener Straße unweit Fremdingen^ wird fortwährend durch das hiesige.Stadt- und Herrschaftögericht mit unausgesetzter Thätigkeit, und zunächst dahin betrieben, den Ort oder die Gegend zu ermitteln , wo der Jnguisit sich zwischen dem 20. rurd 30. April d. I., als zu. der Zeit, wo der angeblich durch einen-Juden ans Thalmessingen.verübte ähnliche Kinderraub geschehen sein soll, befunden hat. Mehrere Tage hindurch schwebten in Folgeder noch unerklärten That Wcrner's die Israeliten hiesiger Stadt und Umgegend Ln großer Gefahr, ein Opfer des Votksaberglaubens zuwerden, drr durch einen sie bezue^tigenden —übrigens seitdem bereits widerrufenen -- Artikel in einem Augsburger Lokalhlatt.e bis zum Acußersten angeregt worden - war, ,.so daß das Gericht sich veranlaßt fand, die nachfolgende öffentliche Bekanntmachung sowohl in dem hiesigen „Wochenblatt^ als auch an die sämmtlichen Ortsvorstände der Umgegend zu erlassen: „Aus gegründeter Vera nla ffu ug wird hiermit öffentlich bekannt gemacht, daß der. junge Mann, der am 21. d. M. zuFremdingen ein Kind mit sich fortnahm, kein Jude ist, sondern, sich zur christlichen Religion bekennt. Dadurch werden nun die verläumderischen und boshaften. Gerüchte bezüglich der Israeliten zernichtet und alle etwaige. Bekanntmachungen in öffentlichen...Blättern und Zeitungen .'im bemerkten '.Begriffe hiernach berichtigt. — Die Gemeindevorsteher werden , strengstens angewiesen, dieses in ihren Gemeiilden öffentlich zu publiciren und dabei die Einwohner zur Ruhe..und Ordnung mit Ernst und Nachdruck zu ermahnen. Zum Beweis der richtigen Zustellung hat sich ein jeder,Gemeindevorsteher eigenhändig zu unterzeichnen. O e t t i n g e n, 28. Juli 1845. Justizrath. Banr. Bauer, coli.'' In einer von dem Advokaten Dr. Braun meisterhaft abgefaßten Eingabe hat der hiesige israelitische Kultusvorstand das Gericht, um strenge Untersuchung des Vorfalls sowie um.Schutz für Personen und Eigenthum.der diesseitigen Juden dringend angegangen, und sind auch in dieser Beziehung energische und zweckdienliche Maaßregetn ergriffen worden. Auch gegen den Redakteur des gedachten Augsburger Lokalblattes sind gerichtliche Schritte eingeleitet. Frankfurt n. Wt., Ende^ Juli. Es muß um so mehr bedauert werden, daß in Folge hohen Verbotes die baierischen Rabbiner nicht her zur.Rabainer-Versammlnug komnrcn durften, da —« einem sehr glaubwürdigen Gerüchte nach — von ihnen folgende, sehr wichtige Anträge gemacht worden sein sollten. ■' 1) Das Gebet am Pesachabeud Christenblut zu triuken — dessen religiöse NothWendigkeit für Juden das berühmte Buch des unsterblichen Dr. Ghillany so unzweifelhaft macht — für Baiern einstweilen zu Pffpendirpn: dg. der^orfzeitüngs-Redakteur ffetzt -zü Hhr aüfpaßt. Dieser fromme, menschenfreundliche Priester übt nämlich seine Christenliebe so weit, daß er selbst katholische Kinder nicht von jüdischen Mäulern fressen lassen.will. r 2) Baierisch Bier nicht allein am Pessach. zu erlauben, sondern sogar zum Seder anzuordnen; zur Erinnerung an Baiern, wie die bittern Kräuter zur Erinnerung an Egypten dienen. 3) .Das hebräische Gebet für Baiern..noch zu lassen.. Es ist denbaierischen Juden nämlich verboten worden, für die glückliche Entbindung der Kronprillzesfln zlr beten. -Obgleich sie nun, auS Anhänglichkeit für die hohe WgU^-^leS..Worhot übertreten wollen, fürchten sie doch, bei deutschem Gebete die Denunciation. Bei hebräischen Gebeten sind diese aber nicht zu fürchten, dcr selbst der berühmt^ Gelehrte, Herr Dr. Ghillany.-.das Hebräische nur so weit versteht, als es ihm übersetzt wird. Ueberhaupt wird das Studium des Hebräischen jetzt in Baiern nicht sehr betrieben; das Griechische macht ihnen schon Schwierigkeit genug. .. . ... 4) Falls Antrag 3 nicht durchgeht , und die siraffälligen Nabbiner zur -„knieenden Abbitte vor dem Bildnisse. Sr. Majestät des Königs" verurtheilt werden sollten, für selbe das Gebet im Dekalog: „Du sollst keine fremden Götter haben vor mir", aufznheben; ebenso 5) mit dem: „Du sollst, dir kein Abbild machen", zu verfahren, für den Fall, daß ein baierischer Jude — d. h. sein Standbild —in die Wallhalla kommensollte; endlich ' 6) Auch den nach Amerika auswcmdernden baierischen Inden den Eid abzunehmen, daß die zweiten und uachgeborneü Söhne ohne die dazu nöthige hohe Esianbniß nicht Heftathen und so einen Beweis ihrer. Loyalität geben werden. — . Wie man vermnthet, hätte der letzte Antrag besonders Anktang bei vielen der anwesenden Rabbiner gesunden; nur wäre von . Einem dabei, auf die Unzulänglichkeit des jüdischen Eides hingewiesen worden. Derselbe soll auch Willens sein, — da Pfefferkorn und Eisenmenger, die er genugsam ausgebeutet, leider tobt sind — sich mit Dr. Ghillany und dem DorfzeilungS-Redakteur — über eine neue Formet des Judcneides zu vereinigen. Herr Professor Erdmann — ja wohl! Erdmann! — dürfte diese Zeilen, falls sie das Glück haben ffollten,- ihm 'zu Gesicht zu kommen, gewiß für ein Produkt „jüdelnden Humors" halten;' leider aber ist es bitterer, trauriger Ernst. — Wir niüffcn daher unsre Glaubensgenossen in Baiern dringend bitten, die daselbst jetzt wieder häufig austauchenden Gerüchte von Kinderraub und Mord durch Juden, nach Möglichkeit zu veröffentlichen „ uild in ihrer Nichtigkeit und Nichtswürdigkeit nachzuweisen. Bis jetzt ist man dabei ziemlich nach-

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