Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1845)
- Date
- 1845-08-20
- Page
- Seite 265 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sechster Jahrgang. Berichte, Studien und Kritiken .... für Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. Br. J«tLrrs Fürst. Wische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zweiBogen, und'zwar an jedem Dienstag regelmäßig. 34» Leipzig, den 20. August 1848» Inh alt. D eutschland. Hamburg. Nekrolog Wergeland's. D ettingen. Die Untersuchung des Kinderraubes. Frankfurt a. M. Anträge der baierschen Rabbiner. Die Vlutbeschuldigung. Frankfurt a. M. Die Verhandlungen der R.-V. — Freistaat Krakau. Krakau. -Brück als Prediger. Deutsch, jüdisch und polnisch. — Ob er schlesische Schulzuftände. — Personalchronik und Miscellen. Feuer. Auszeichnung.'Jerusalem. Lilienthal. Rabbiner-Siegel Rapaport. London. Vermischtes. — LB. d. Or. Deutschland. Hamburg, 28. Juli. (Nekrolog.) Unserem Grundsätze getreu, nicht blos jüdischen Notabilitäteu einen tiefgefühlten Nachruf zu widmen , sondern auch denjenigen Christen, die sich der Sache der Juden in Wort, Schrift und Thai angenommen, den Tribut unserer Anerkennung zu zollen, erfüllen wir.heute eine heilige Pflicht, indem wir die Leser des Orient an ein noch frisches Grab führen, damit sie mit uns einen theuern Entschlafenen beweinen und ehren mögen. Doch nur im Geiste können wir dahin wallen; denn noch ist das Land, in dem der Selige gewirkt, den Juden verschlossen, wenn sie nicht etwa das Glück haben, Portugiesischer Abkunft zu sein oder sich des energischen Schutzes dep Holland. Regierung zu erfreuen. Das Land mm, von dem ich rede, ist Norwegen und der Heimgegangene kein Anderer als Henr ik (Heinrich) Mergel an d. Nach langer, schmerzhafter Krankheit schied er.in der Nacht vom 11. zum 12. Juli aus dieser Welt. Erst 38 Jahre war er alt, als sich sein Körper von seiner Seele trennte. Am 17. Juli ward er begraben. Trauerflaggcn wehten und ein ungeheures Leichengefolge geleitete seine irdische Hülle zu Grabe. Er war, trotz mancher Schwächen, ein edler, treuer Sohn seines Vaterlandes, mit dessen Grundgesetz er sich viel beschäftigt hat. Wenn indessen das norwegische Volk in ihm seinen vorzüglichsten Dichter (er war Lyriker und Dramatiker) und einen trefflichen Redner (im Storthing und außerhalb desselben), so wie einen eleganten Geschichtschreiber preist und beklagt, so ist cs an uns Juden, hauptsächlich der Theilnahme zu gedenken, die er für die Ausmerzung des §. 2 der norweg. Konstitution, als einer Schmach des Jahrhunderts, eines Majestätsverbrechens gegen die Toleranz, hegte und beurkundete. Er war es, der 1842 die Motion zur Auslassung dieses Paragraphen im Storthing stellte, und wenn er auch, von dem Sorenschreiber (Amtmann) S örensen kräftig unterstützt, nur die entschiedene einfache, aber keine Zweidrittheil - Majorität erlangen konnte, so strahlt doch sein Verdienst um diese Angelegenheit in unvergänglichem Glanze. Durch die Bekanntschaft mit Herrn Dr. Steinheim in Altona wurde ihm wohl manches Detail der jüdischen Zustände in Europa zugänglicher. Namentlich suchte er durch seine poetischen Gaben im Interesse seiner Schützlinge zu wirken und es wäre wohl der Mühe werth, seine auf diesen Gegenstand bezüglichen Gedichte (der Jude und die Jüdin) in's Deutsche zu übertragen. Besondere Aufmerksamkeit schenkte er auch deutschen Bestrebungen in Christiania, so der Gesellschaft Germania, wie er denn auch einzelne Lieder von Hoffmann von Fallersleben ins Norwegische übertragen hat. — Mögen die Wünsche, die Wergetand so oft in seinen letzten Lebensjahren ausgesprochen, in Erfüllung gehen, möge Norwegen als Land der Freiheit blühen und Sörcnstn, als Erbe von Wergeland's Aufgabe, dessen Grundgesetz von einem Makel reinigen, der noch an ihm haftet, von dem Privilegium der herrschenden, d. h. jedes andere Bekenntniß 'ansschließendcn Religion. 34