Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1845)
- Date
- 1845-08-13
- Page
- Seite 260 (sequence 7)
- Language
- German
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schmerzlich sei, sie sich doch nicht abhalten lassen werde, fest und sicher auf dem betretenen HZege fortzuschreiten re. Philipp son bestieg darauf abermals die Rednerbühne, um seinen Antrag in Betreff der Errichtung-einer jüdischen Fakultät in einer meisterhaft ausgeführten Darstellung zu begründen. Da in Deutschland die meisten Lalmudschulen eingegangen und die heutigen Rabbiner nicht gleich ihren Vorgängern einen Kreis von Lalmudschülern um sich sammelten, so sei die Einrichtung eines „Instituts für jüdische Theologen" um so nothwendiger, als die letztern bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge auch ssn andern Zweigen der Theologie, als Exegese, Homiletik rc. von christlichen Pcofefforen Unterricht nehmen müßten. (Wir können indeß unfern Zweifel gegen die Ansicht nicht unterdrücken, als ob dies als ein Nachtheil zu betrachten wäre und die jüdischen Theologen nicht geräde hierdurch einer Einseitigkeit entgingen, die in einem Talm udcursus schwerlich ihr Aequivalent erhalten dürfte.) Was der jüdische Lheolog auf deutschen Universitäten lerne, das brauche er nicht, und was er brauche, das lerne er nicht. Naiv genug liegt in diesem antithetischen Satze das Geständniß ausgesprochen, daß die heutigen jüdischen Theologen zwar so Manches wüßten, was sie ni ch L brauchen, dagegen aber das ihnen Nöthige nicht erlernt hätten! Wir nwgen das n i ch t behaupten; allein wenn die heutigen Universitätsstudien für die Ausbildung vonRabbinen wirklich so unzureichend und unzweckmäßig wären, wie .da behauptet wird, dann wäre denn doch der daraus unmittelbar hervorgehenden Schlußfolge schwerlich auszuweichen!) Es wurde beschlossen, daß die Versammlung ihr lebhaftes Interesse an der Errichtung einer oder mehrerer jüdisch-theologischen Fakultäten in Deutschland an den Tag lege; man solle eine Kommission von fünf Mitgliedern aus der Mitte der Versammlung ernennen, welche sich demnächst mit. ängegesehenen Laien in Verbindung setzen würde, um die nöthigen Geldmittel zur Ausführung des Vorhabens mittels freiwilliger Beiträge Herbeizuschaffm rc. Heß wollte nicht, daß man überall zu dem gedachten Zwecke die Gemeindevorsteher bei ziehe, indem alsdann leicht Männer einwirken könnten, die nicht von der Richtung der Versammlung seien. Adler aus Alzei erwiederte jedoch,' daß die Fakultäten nicht im Interesse einer einseitigen Richtung begründet werden sollen. Es wurde darauf auf den Vorschlag Stein's, gegen die Ansicht Hirsch's, Holdheim's und Salomon'is, beschlossen, daß die Frage wegen Einführung zeitgemäßerer Trauergebräuche in diesem Jahre nicht mehr zur Berathung kommen solle. Ferner sollen die in diesem Jahre gleichfalls nicht zur Verhandlung gekommenen Ausschußanträge, als: die Einführung einer neuen Agende, der Unterrichtsplan, die Fragen in Betreff des Fahrens auf Eisenbahnen am Sabbat, des Genusses von Hülsenfrüchten am Pesachfeste, der Abschaffung einiger abergläubischen Mißbräuche, der Sektion jüdischer Leichen und der noch üblichen levitifchen Priestergaben, einer nochmaligen Prüfung unterworfen und in einer spätern Session berathen werden. Dasselbe wurde in Betreff der Abschaffung dreier, von der Belagerung Jerusalems und - dem Untergange der jüdischen Selbstständigkeit herrührenden Fasttage (der Fasttag der Zer< störung-Jerusalems soll beibehalten werden), 'so wie hinsichtlich der beantragten Aufhebung der von den außerpalästinensischm Juden bisher gefeierten, nichtbiblischen. zweiten Feiertags beschlossen; für die erftere Frage .soll keine,besondere Kommission ernannt, ' die letztere der Sabbatkommission überwiesen werden. — Unter den. verschiedenen Förmlichkeitsbeschlüssen, welche hierauf folgten, nahm der über das für die Rabbinerversammlung anzuschaffende Siegel durch die Debatte, die sich daran knüpftenoch ein besonderes Interesse iu Anspruch. Es fragte sich nämlich, iob. die Umschrift des Siegels lamen sollte: „Deutsche .Rabbinerversamml u n g," was eine sich in Deutschland zusammensindende Ver- ' sammlung von Rabbinern bezeichne, oder ob sie „Rahbinerversammlung Deutschland's," „Versammlung der Rabbiner Deutschlands" heißen solle, was die außerdeutschen'ausschließe (was aber auch voraussetzen würde,' daß die sämmt Lichen Rabbiner Deutschland's sich daran betheiligten, welches bekanntlich keineswegs der/Fall ist, indem die Juden mancher deutschen Staaten, z. B. Oesterreich's, Bayern's, Sachsens, Hannover'src. darin bisher nicht vertreten waren. Ei nh orn, H eß, Salomon und H o ldh ei m sprachen sich sehr entschieden und kräftig für die formelle Ausschließung nicht deutscher Elemente aus. Im nächsten Jahre sei, besonders in der Nähe Polen's an dem Zusammenkunftsort (Breslau), mit Grund zu befürchten, daß die Versammlung, d.h. deren dießjährige Majorität und Richtung, durch die, Betheiligung einer großen Anzahl polnischer Rabbiner „erdrückt" und das Institut „gesprengt" würde. Diese Furcht theilte. sich noch mehrermMilgliedern mit. Lreuenfels meinte mit noch Einigen, das Prädikat „deutsch" und selbst die Nennung des Namens unseres Vaterlands auf.dem Siegel gewährten durchaus keine Sicherheit gegen das Hereinbrechen einer solchen Gefahr, indem es ja auch in Deutschland noch soviel Rabbiner gebe, die eine dem Geiste dieser Versammlung entgegengesetzte Tendenz verfolgten und die Protestation der 116 gegen die Rabbinerversarnmlung mitunterzeichnet hätten. Der Präsident machte der Versammlung bemerklich,. daß die Religion kein Vaterland kenne mnd es nur zu wünschen sei, daß die Versammlung ihre Wirksamkeit auch über die Grenzen Deutschland's ausdehne. Ja, er fürchte nicht allein die Männer der andern Richtung nicht, sondern er w ü n s ch e sogar deren Betheiligung an den spätern Versammlungen, damit die verschiedenen Richtungen und Ansichten sich näher kommen und gegen seitig belehren und ausgleichen möchten. Geiger ermahnte die Versammlung, die sich bisher so unerschrocken benommen, sich nicht am Schluffe noch von eitler Furcht bewältigen zu lassen. Er kenne die polnischen Rabbiner aus näherer Beobachtung als seine Kollegen, und ex gebe der Versammlung sein Wort,