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Der Orient · 1845-08-13 · Heft 33 (13.8.1845) · p. Seite 259

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 33 (13.8.1845)
Date
1845-08-13
Page
Seite 259 (sequence 5)
Language
German
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259 - sein sollten. So z. B. ihre Sittlichkeit, Mäßigkeit und Genügsamkeit. Diese Tugenden waren besonders ihren Rabbinen eigen, und manche der jetzigen jüngeren Rabbinen und Prediger sollten sich ein Beispiel daran nehmen. Sie sollten dem Luxus im Haus und bei ihren Frauen, nicht gleich Anderen stöhnen, nicht zn sehr nach einträglichen Stellen jagen, oder gar durch Wucher- Handel, Spielen an öffentlichen Plätzen u. dgl. Aergerniß geben. Sie könnten sich dann auch unit ihrem Gehalte leichter begnügen, und brauchten nicht für Trauungen, Konfirmationen, Leichenreden re., sich über die gesetzliche Gebühr von den Privaten besonders belohnen zn lassen *). Die Bezahlung entwürdigt schon an und für sich jede religiöse Handlung, das'Annehmen weiterer Belohnung aber hat noch die sehr nachtheitige Folge, daß der Arme sich dabei vom Reichen in den Schatten gestellt und beschämt sieht, was dann manchen redlichen Familienvater verleitet, sich über seine Kräfte anzustrengen, um dm Rabbiner zu befriedigen. — Will man die Religion schön machen, so verhüte man nur, daß sie nicht käuflich werde. 6. OettmgeN/ im Ries (Balern), 30. Juli. Dem hiesigen Herrschaftsgericht liegt gegenwärtig ein Fall zur Untersuchung vor, welcher der Thalmessinger Mädchenraubgeschichte so ziemlich analog ist, und ohne die glücklicherweise bald eingetretene Dazwischenkunft der Betheiligten und der Behörde sicherlich einen gleichen Charakter angenommen und auf gleiche Weise von einer gewissen Partei und ihrem dienstfertigen öffentlichen Organe ausgebeutet worden wäre. Am 22. d. M. verbreitete sich plötzlich in einem Dorfe unweit Nordlingen das Gerücht, ein Jude aus Wallerstein, den man mit Namen nannte, sei auf der Landstraße, von Fremdlingen nach Nördlingen fahrend, an einem siebenjährigen. Christenmädchen vorbeigekommen, habe dasselbe unter dem Vorwand, ihm das erbetene Almosen zu geben, zu sich in den Wagen gehoben, da unter das „Spritzleder" gesteckt und sei dann mit dein Opfer davongeeilt. Eine Freundin des Mädchens, welche die Geraubte, zuerst vermißte und sie von ferne an den Wagen hatte gehen und darauf diesen im Galopp fortfahren sehen, hatte den Lärmen in das Dorf gebracht. Der bezüchtigte Jude, welcher dem Gerüchte zufolge im Augenblicke mit seinem Raube zu Wagen auf der Flucht begriffen sein sollte, hatte das Glück, gerade zur selben Stunde, als die erste Anzeige des angeblich von ihm begangenen Frevels einlief, in dem nämlichen Dorfe anwesend zu sein. Wohl erkennend, um was ') Meiner unmaßgeblichen Separatmeinung nach könnten aber solche Misbräuche, welche den nicht gerade als arm deklarirten Bürgersmann einerseits beschämen, andrerseits brandschatzen, von Seiten des Publikums direkt abgestellt werden, indem die Wohlhabenden — oder doch der wohlwollende und einsichtsvolle Theil derselben — sich solcher prahlerischen und angegebenermaaßen sogar verderblichen Trinkgelder zu geben enth i elten — *6]\NEf''D mw^b ND. Das ist meine Meinung. Der Einsender. es sich da handelte und daß hier der Augenblick alles entscheiden konnte, nahm er eilig ein Fuhrwerk und setzte in Begleitung einiger Personen seinem Doppelgänger nach. Dieser war nach der That fortwährend im Galopp gefahren, so daß sein schwaches Fuhrwerk nicht aushielt und die Deichsel desselben brach. Dem dadurch entstandenen Aufenthalt verdankt man die Habhaftwerdung des Mädcherräubers und die Befreiung der Beute. Ersterer schien es sehr eilig zu haben und bot dem Juden eine namhafte Geldsumme an, wenn er ihn entwischen ließe. Die Gmsdarmerie kam endlich hinzu und der Fremde wurde der Gerechtigkeit überliefert. In dem ersten Verhör gab derselbe sich für einen Juden aus. Nachdem eine nähere Untersuchung diese Angabe als falsch herausgestellt hatte, erklärte der Jnquisit sich für einen Weinreisenden aus Luxemburg, und in der Folge behauptete er, zwar allerdings Weinreisender, aber nicht aus Luxemburg, sondern aus Dettetbach in Unterfranken (nicht weit von Thalmessingen und Eichstädt) zu sein. Das seltsame Verbrechen, die Gegend, wo es begangen worden, und der muthmafiliche Heimathsort des Thäters, der Umstand, daß solches eben jetzt geschah, wo die Lhalmessinger Untersuchung ihrem Ende entgegengeht, und endlich, daß der auf der That Betretene sich fälschlich für einen Juden ausgegeben, was doch unter den gegebenen Verhältnissen seine persönliche Lage aus mannigfachen Ursachen nur verschlimmern konnte, alles dies möchte diese Untersuchung höchst interessant machen, zumal wenn man erwägt, daß die 'beiden gewiffermaaßen konkurrirenden Untersuchungen so manche Jndicien darbieten, welche geeignet erscheinen, den Gerichten und dem Publikum vielfach über die noch im Dunkel schwebenden eigentlichen Motive dieser, sowie noch einiger ähnlichen unerklärlich scheinenden Attentate Licht zu verschaffen und dergleichen in Zukunft zu verhüten. Es wäre noch insbesondere im Interesse der öffentlichen Aufklärung über solche kriminalistische Räthsel, wenn die HH. Verfasser des „Neuen Pitaval" ihr Augenmerk auf die beiden erwähnten Fälle richteten , um seiner Zeit die Ergebnisse ihrer Forschungen der OeffentlichkeiL zu übergeben. (O.P.A.I.) Frankfurt a. M-, 29. Juli. Nachdem die Rabbinerversammlung am 27. d. M. in vertraulicher Sitzung einen für das größere Publikum nicht interessanten Beschluß in Betreff der Frauenbäder gefaßt harte, fand gestern deren Schlußsitzung statt. Die Erwiederung auf die Breslauer Adresse wurde in veränderter Fassung von Philippson verlesen. Es wurde, auf desfalsige Erinnerung Stein's, beschlossen, daß, neben allgemeiner Belobung der Gesinnungen und Bestrebungen der Adressanten, wegen des Tones, worin die Adresse die Rabbinerversammlung anrcdet und in welchem letztere insbesondere, wie Einhorn bemerkte, gewarnt wird, „veraltete Bücher zu sehr zu ihren Führern zu nehmen," auch eine „kleine Mißbilligung" in der Antwort mit einfließen solle. Stein schlug den Passus vor: daß wenn der Versammlung auch das Mißtrauen der Breslauer 33 *

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