Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1845)
- Date
- 1845-08-13
- Page
- Seite 258 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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258 - lömtciur gtix^crau^vctttni^ gc^oacricin k er hat zu seiner Vertheidigüug die 'Taktik ergriffen, daß' er die Kompetenz des österreichischen Konsuls anficht, indem er unter d er mit der notorischen Thatsache im Widerspruch stehendeir Behaliptung, Turqüeman sei erst nach .der Einwanderung seiner Eltern in Jerusalem geboren, demselben die Eigenschaft eines österreichischen Unterthcmen streitig macht — welche Eiicrede er wohl dadurch vorbereitete, daß er bei der auf sein Geheiß, geschehenen Arrestation T?s dessen von dem österreichischen Konsulat in Tunis ausgesertigten Paß in Stucke riß. Allein es ist nunmehr bereits ermittelt, daß diese so vernichtete Urkunde gegxn Deponirung eines ältern, von der Polizeibehörde in Ragusa ausgestellten Passes ausgefertigt worden, welcher letztere sich noch in der Kanzlei des Konsulats in Tlnns befinden soll und zur nähern Aufklärung der Sache bereits von dort hierher reklamirt worden ist. Eine strengere Untersuchung gegen Pinsker dürfte wohl zur Entdeckung mancher schreienden Mißbrauche und zur Abhilfe vieler dringenden Klagen führen. (O.P.A.Z.) Deutschland. Hannover,. 1. Aug. Die Saale, welche nach den Korrespondenzen von dort Ln einem andern jüdischen Blatte zu urtheilen, ein sehr schmutziges Wasser mit sich führen muß, scheint seit einiger Zeit durch irgend ein Purifikationsmittel gereinigt worden zu sein,.wenn wir nicht vielmehr mit Nächstem eine durch die lange Anhäufung vergrößerte Masse von Schmutz zn -erwarten haben. Glücklicher Weise jedoch erreicht, nicht jeder Wurf sein Ziel, und besonders im Reiche des Geistes fällt jeder ungerechte und verläumderLsche Angriff auf den zurück, von dem er ausgegangen. So verhält es sich auch mit der gehässigen Jusimlation, als habe man, um den Dr. A d (er wegen, dessen Mitnnterzeichnung des Protestes gegen die sogenannte Rabbnrerversammlung zn bestrafen, in der Nabbinerwahl Hieselbst drei Freunde oder Anhänger dieser Versammlung gewählt. Zur Widerlegung dieser falschen Unterstellung mag die Darlegung der Gesinnung unsrer Gemeinde dienen, welche sich in der Absendung einer mit sehr zahlreichen Unterschriften versehenen Dankadresse an Dr. Frankel in Dresden klar genug ausspricht. Man sieht daraus, daß man sich hier uicht durch hochtönende Worte blenden läßt, und daß die Intelligenz im Judenthume, deren Sympathien die sog. R.-V. (Rabblnerversammtnngerl sive Reform- Vereine) für sich zu haben meinen, die Spreu vomWalzen wohl zu unterscheiden weiß. — Der Wortlaut der Adresse ist folgender: Sr. Hochwürdeu Herrn Dr. Frankel, Oberrabbiner zu Dresden. In einer Zeit, wo in allen Konsessiouen und namentlich im Jildenthum an den heiligsten Satzungen so gewaltsam gerüttelt "wird, wo unter dem gleißenden Deckmantel der Aufklärung von unserm uralten bewährten Glauben ein Stück nach dem andern/losgerissen werden soll, ist es wahrlich kein kleines Verdienst, dem reißenden Strome des Fortschritts eitlen heilsamen Damm entgegen zu setzen und der ZerstörungSwulth, die ein Gebäude von leeren Floskeln auf den Trümmern unsrer göttlichen Religion errichten will, Einhalt zu thttn. Die-waren es, geehrter(Herr Oberrabbiner, der den Kampf mit.dm vernichtenden Elementen mnthig Unternahm, der den Streit zwischen Lehre und Leben auf ruhigem, religionsgesetzlich em Wege zu vermitteln gestrebt -und das Panier des-wahren Glaubens unerschrocken, trotz Schmähungen und Anfeindungen, durch Schrift und Rede vertheidigt. Diesem Ihren ©trcGen ^atcn ®ic aber durch Ihren letzten muthigen Schritt, durch Ihren Austritt » aus der Rabbinerversammlung, die Krone aufgesetzt, und wir können es uns nicht versagen, Ihnen unsre Sympathien für ein solches kräftiges Auftreten auszudrücken. Wir sagen mit Ihnen, daß ohne unsre heilige, göttliche Sprache,- das religiöse Band unsrer Glattbensgenossmschäft, kein jüdischer Gottesdienst stattfinden kann, und sprechen es mit Ihnen aus, daß der Geist, der sich in der Versammlung kund gethan, nicht der der Erhaltung, sondern nur der Zerstörung, des Judenthums sei. Nehmen Sie darum unfern. innigsten, herzlichsten Danb für Ihre ftelmnthLge Erklärung! Nehmen Sie ihn an als Ermuthigung auf Ihrer mühevollen Laufbahn! Nehmen Sie ihn auf als ein Zeichen, daß noch Viele sich um Ihr Panier schaaren, die von dem Wunsche beseelt sind, daß Gott Sie dein Judenthume noch lange erhalten möge , dem wahren Judenthume, das, seinen Feinden zum Trotz, seine hohe Bedeutung in der Weltgeschichte niemals verlieren und darum ewig unversehrt bestehen wird. Hannover, 1. August 1845. (Folgen die Unterschriften.) FrarrPfurt a. M., 6. Ang. Wenn man in jetziger Zeit die Gebrechen und Mißbräuche, die sich im Laufe der Jahrhunderte inr Judenthmn gebildet haben, aufdeckt, und auf deren Abstellung hinarbeitet, so ist das ohne Zweifel sehr lobenswerth, dein: es ist hohe Zeit dazu. Wie zweckmäßig, ja nothwendig ist nicht die Einführung deutscher Gebete in unseren Gottesdienst. Dies wird übrigens nicht grade leicht sein, und das von der Rabbillerversanlmlnng künftig abzufassende neue Gebetbuch wird nicht ,,schon Wurzel fassen, bevor es noch erschienen" wie Hr. Rabb. Stein in seinem ,,Nesnme^^ sagte, denn heutzutage geschehen keine solche' Wunder mehr. — Während man aber au Verbesserungen denkt, möge man auch nicht .ungerecht gegen die Alten sein. Sie 'besaßen manche Tugend, auf die ihre Nachkommen stelz sein dürfen, welche .diese sich zu erhalten wohl bestrebt