Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1845-08-06 · 32 (6.8.1845) · p. Spalte 501-502

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
32 (6.8.1845)
Date
1845-08-06
Page
Spalte 501-502 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9897698-9897733--4137-3531506
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

501 Literaturberichte. Jesod 'Olam. Chrestomathie von Corvv 502 des Tages, haben mehr als 39 Geißelhiebe von den Feinden des Judenthums empfangen, und ich will hier darum dagegen schweigen, da die Schaustellung beider, der Pietät und desjKampfes, auch wir tadeln müssen; die eigentliche Abhandlung möge also das Blatt der Liebe sein, das die andern Fehler deckt. Die Abhandlung selbst ist mit historischer Sachkenntnis mit ungemeiner Belesenheit abgefaßt; aber sie läßt dem Leser ein Unbehagliches Gefühl zurück. Es mag etwas Unbehagliches haben, eine Abhandlung mit vielem Wissen ausgestattet zu lesen, deren Resultat ein negatives ist, d. h. daß der Gegenstand der Abhandlung nicht existirt; ,und dazu kommt noch die überreiche Citatenhäufung, welche die Leser ermüden. In einer besondern Schrift verlangt man in der Regel etwas Positives zu erhalten, das Gebiet der jüdischen Geschichte ist auch wahrlich noch nicht so erschöpft, daß man zu Objekten greifen muß, die-nicht existirt, und wenn dergleichen Abhandlungen wohl in kritischen Zeitschriften am Platze sind, so darf man sich doch nicht wundern, wenn das Publikum in besondern Schriften nicht günstig dieselben aufnimmt. — Nun will ich noch ewige kurze Nachrichten literarischer Art mittheilen. Die in diesem Blatte angekündete Herausgabe des Jesod Dl am von Bert Goldberg wird nach einer Handschrift in ,4 Heften erscheinen. Da der Herausgeber die Verhältnisse, die zwischen Herausgeber und Publikum herrschen, kaum zu begreifen scheint, so müssen wir ihm folgenden Vorschlag machen, wobei so wohl er als auch das Publikum befriedigt sein mögen. Der neue Jesod 'Olam möge durch eine gute Biographie I. Israeli's, in''der Weise der Biographien Rapaport's, bis aus 40 Bogen ausgedehnt werden, da das Manuskript selbst schon an 36 Bogen ausmachen. Hr. Goldberg gebe also jedes Heft, a 10 Bogen, mit den gehörigen Tabellen und Zeichnungen, die in Berlin, wo auch der Druck und das Papier sehr gut ausfallen können, für 1 Thlr. netto, was billig genug ist, und wobei das Publikum gewiß nicht klagen wird, daß der Preis zu theuer. Die Herausgabe in Heften wird Hrn. G. die Edition möglich machen.-— Von Dav. Cassel erscheint eine neue Ausgabe eines alten literaturgeschichtlichen Werkes bei Asher nämlich des Kore ha-Dorot; in jedem Falle wird es eine erfreuliche" Gabe für die Freunde der jüdischen Literatur sein.— Das große Werk vonDr. Zuns, der sich wie ein echter Weiser von dem sich überstürzendem Treiben der Gegenwart fern hält, schreitet, so viel ich vernommen, seiner Vollendung entgegen; man kann es wohl Voraussagen, daß dieses Werk eine bedeutende Lücke in der jüdischen Literaturgeschichte ausfüllen wird. — Durch die Asher'sche Buchhandlung vermittelt, hat Dr. Goldenthal in Leipzig einen Index zu dem Katalog, der Oppenheimer'schen Bibliothek, ich glaube für die Oxforder Universität, angefertigt, der demnächst ausgcgeben werden soll. Hr. G. ist derMann, von dem man die Genauigkeit, die zu einer solchen Arbeit gehört, erwarten darf. — Den Schluß meines diesmaligen Berichtes möge nun noch die Erwähnung eines Buches machen, dessen Autor dermalen zwar nicht zu den Judei, selbst aber zur jüdischen Literatur gehört, so gering und unbedeutend auch der Gewinn sein mag, den die Wissenschaft daraus zu ziehen im Stande ist. Ich meine das Buch: Chrestomathialitabbinica sive libri quatuor, complectens analecta 6 rerum scriptoribus, cosmograpliis, grammaticis, exegetis, p h i I o s ophis, cabbalistis et poetis, partim e co d i* c i b u $ s u m t a , cum versione 1 a t i n a e t y i t i s s c r i p t o r u m. Auctore Dr. C, J. Corve. Pars prima. Berlin, 1844. 8. G u st. Be thge. Der pseudonyme Hr. Dr. Corve hat bei Gelegenheit der Blutbeschuldigung bereits eine Brochure herausgegeben, die beifällig ausgenommen wurde; ein minder günstiges Prognostiken kann man seiner hier mitgetheilten rabbinischen Chrestomathie stellen, da sie sichtlich bei einem nur einiger Maaßen angewendten Fleiße besser hätte ausfallen müssen. Das erste der 4 Bücher umfaßt geschichtliche und kosmographische Proben (Specimina), als aus Schebet Jehuda des Salomo b«, I eh u d a Vir g a, aus Jg geret Or ch o t 'OlamdesAbr a hamP er iso l; der zweite grammatische, lexikographische und exegetische Proben, aus dem Bachur des Elia b. Ascher h a - L e v i, aus dem M i ch l o l des.D a v i d K i m ch i, aus desselben Kommentar zu dem Psalter, aus dem Mosnajim des Abraham den M e i r I b n E s r a und aus dessen Psalmenkommentar, aus dem Lexikon des Menachem ben Seruk, aus Meor Euajim des 'Asarja de Rossi (über die hebräische Metrik), gezogen. Das dritte Buch enthält Proben von philosophischen und kabbalistischen Schriften, nämlich aus dem More N e b u ch i m des M u s aM a i m u n iu. aus dessen Sendschreiben an die Weisen zu Marseille, aus dem Kusari des Je h uda ha - Lewi und Kabb alistik aus Tikkune So har. Das vierte Buch giebt Proben aus Gedichten, Reden und Novellen, als Jbn-Esra's Gedicht über das Schachspiel, aus Charisi's Tachkemom, Epigramme von MosesJbnEsra nach Dukes, aus dem M el iz o t Jeschurun von Löwisohn. Betrachten wir Anlage und Inhalt diestr Blumenlese, so kann man wohl das Unternehmen des Sammlers gewieß nur billigen, und daß dergleichen Blumenlesen für christliche Freunde des Neuhebräischen wie für junge dem Hebräischen entfremdete Israeliten nicht überflüssig sind, wird Jeder zugeben, der einen Blick aus unsere Zustände geworfen. Und dennoch scheint das Buch unfruchtbar, wie ich bereits angedeutet! Die lateinische Uebersetzung der Stücke, aus den verschiedensten Zeiten und von den verschiedensten Personen herstammend, ist durch die erwähnte Mannigfaltigkeit unerquicklich und durch typographische Fehler unerfreulich, und in den hebräischen Originalstücken verscheucht die Inkorrektheit den beabsichtigten Zweck. Wenn der Vers, wirklich eine Pars secuncla ediren will, so möchten wir ihm rathen, die lateinische Uebersctzung mit einer deutschen zu vertauschen und dann auf den Text selbst eine größere Aufmerksamkeit zu verwenden. Wien, 22. Juli. So eben ist hier eine italienische Uebersetzung des Psalters, mit Text und Inhaltsangabe, in 32*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.