Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1845)
- Date
- 1845-08-06
- Page
- Seite 255 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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255 Bleibenden heranreist. Und nur die Reform auf positivem Boden, wo das Vorhergehende und Vorliegende besonnen geprüft und darauf fortgebaut wird, nimmt die Wissenschaft zur Unterlage; sie geht langsam, aber den Boden den sie gewonnen, der gehört ihr ganz, kann ihr nie mehr entrissen werden und so gelangt sie an ihrZiel. Die reine rationelle Reform entbehrt diese Stütze, und wie wenig ist ihr eine Dauer zu verbürgen. — Reform auf historischem und wissenschaftlichem Princip ist unsere Aufgabe; und wenn ich meine Herren noch auf einige Augenblicke Ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nehme und einen mit Obigen aufs innigste verbundenen Punkt berühre, so wird auch hier die Wichtigkeit des Antrages mich genügend rechtfertigen. Wissenschaft ist das Princcp des Iudenthums und muß die Reform begleiten, der Jude ist gewöhnt zu denken, und nimmt, so nicht seine Anfrage nur formeln ist und er nicht zuvor mit sich abgeschlossen ein bloses Wollen, einen unmotivirten Ausspruch, möge er auch noch von so vielen ausgehen, keineswegs .als Autorität an. Das Judenthum hat wie allgemein anerkannt wird keine Hierarchie; seine Weisen und Gelehrten erkennen und sprechen aus. Diese Weisen und Gelehrten beschranken sich nicht — wobei wohl von keiner Verletzung die Rede sein kann, auf unfern Kreis allein; es giebt außerhalb desselben viele Männer, die ihr zur Zierde gereichen würden; es giebt Männer, die entweder durch Umstände oder durch die Statuten der R. -V. verhindert, an derselben nicht Theil nehmen können. Ich will nicht die Frage, ob nicht gegen das Ausschließen n icht beamteter jüdischer Gelehrten manches aus dem Princip des Judenthums selbst spreche, nochmals anregen, aber daß sie moralisch Sitz und Stimme haben, daß wenn für das Allgemeine beschlossen wird, sie gehört werden sollen, werden müssen, dürfte wie ich glaube kaum in Abrede zu stellen sein. Und sollen wir im Interesse der Wahrheit übersehen, wie einflußreich ein solches Kundthun der in die Versammlung nicht Zutritt findenden Gelehrten sein müßte, wie sie selbst in den die.Versammlung Besuchenden manche neue Idee anregen, manche neue Auffassung erwecken, manchen neuen Gesichtspunkt eröffnen werde? War es doch so von jeher in Israel, man hörte gern Andere, setzte sich mit ihnen in Verbindung, verlangte ihr Gutachten ehe man beschloß. Dieses Produkt ging aus dem tiefen Ernst des Glaubens hervor; ich brauche nur zu erinnern an rr6y ibyi '"DD ybnm nsyyo nrpnn rpob) rurpn D&n iroyn, cm nV über rmiy u. dgl. m., woüber Wichtiges, und mitunter auch über minder Wichtiges man sich gern mit Andern besprach. Und dürfen wir einen solchen heiligen Ernst zurückstehen? Sollen unsere Berathungen sich mit Recht Vertrauen erwerben, sollen unsere Beschlüsse eine innere Berechtigung haben, so muß die Wissenschaft allenthalben zu Rathe gezogen werden. — Es darf über keinen Antrag verhandelt werden, der nicht zuerst einer Kommission übergeben wurde, die einen gründlichen wissenschaftlichen Bericht darüber abstattet, der den Mitgliedern vor der Verhandlung zur Prüfung übergeben wird; es darf aber auch über keinen Gegenstand einen Beschluß gefaßt werden, der nicht durch die öffentlichen jüdischen Organe den gesammtm Gelehrten Israels zur Prüfung vorgetegt wird. Auf die fernern Einzelheiten kann ich jetzt nicht weiter eingehen, doch will ich in wenigen Worten noch folgendes hinzufügem Die Wunden Israels werden, glauben Sie mir, von Vielen, die auch nicht Theil an der Versammlung nehmen, tief gefühlt. Eine vermittelnde Versöhnung zu Stande zu bringen, muß unser alleiniges Ziel sein, und dieses ist es auch, was in mir den Entschluß hier zu erscheinen hervorgebracht. Lassen Sie uns von der Vergangenheit schweigen; aber daß m der vorigen Versammlung manches verfehlt wurde, wurde von vielen Seiten eingestanden. Lassen Sie uns dahin streben, daß uns diesmal kein Vorwurf treffe und sich viele mit uns vereinigen, viele den frommen heiligen Willen in uns erkennen. So wollen wir wirken zum Gedeihen des Judenthums, zur Befestigung des Glaubens. Vermittelung, Versöhnung sei unser Losungswort und was wir vornehmen und verbessern, wird allgemein Eingang finden, undso erfüllen wir unseren hohen heiligen Beruf. Der Präs.: Hinsichtlich des Princips sind wir wohl alle einverstanden — (Von vielen Seiten, ja, alle), was die Wissenschaft betrifft, so hange es von der Versammlung ab, falls sie hierauf eingehe, die Gelehrten zu bestimmen, deren Kenntnisse man zu Rathe ziehen soll. — Adler: Wo sind denn noch solche? (Allgemeine Indignation.) (Fortsetzung folgt.) Hebräische Kirchengefange übersetzt von Mantz Frensdorfs. Lechcr Dodl. O komm, mein Freund, der Braut entgegen, Die Sabbatfeier laßt uns hegen! ,,Meinen Ruhtag heilig haltet", Ist des Einzigen Geheiß; Dessen Namen einig schaltet, 2hm zu Ruhm und Lob und Preis. Laßt uns freudig ihn empfangen, Ihm entquillt des Segens viel, Seiner Krone herrlich Prangen Ist der Werke schönstes Ziel. Gottesstadt! In Glanzeshülle Aus dem Schutt erhebe dich! Groß war deiner Leiden Fülle, Deiner nun erbarmt er sich.