Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1845)
- Date
- 1845-08-06
- Page
- Seite 256 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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256 Auf mein Volk! froh dich ermanne, Kleide dich in Schmuck und Pracht! Durch Jsai's Sohn wird aus dem Banne Bald Erlösung dir gebracht. Aus erwach', erwache wieder! Sieh, es strahlt dein Morgenrot!)! Auf erwache, sing' ihm Lieder! Sieh, es zeigt sich dir dein Gott! Warum willst du ferner trauern? Warum ist dein Haupt gebeugt? Sieh, der Druck kann nicht mehr dauern, Zion aus dem Schutte steigt. Von des Feindes Joch befreiet, Seinen Untergang ihr schaut, Und dein Gott sich deiner freuet, Wie der Bräutigam der Braut. Rechts und links wirst du dich breiten, Hoch lobpreise Gott, den Herrn! Des Erlösers schöne Zeiten, Ihre Lust ist nicht mehr fern. /Heißen wird dich froh willkommen, Ruhe! Preisen wir dich laut! In der Mitte gläubiger Frommen Sei gegrüßt! Willkommen Braut! (Das Sylbenmaß folgender beiden Übersetzungen ist nach den in der Synagoge zu Hannover üblichen Choralmelodien eingerichtet.) cb)y mrvDi’n Heut' an dem Schöpfungstag der Welt, Da werden vor's Gericht gestellt Die Wesen all' in Gottes Reich, Wohl Kindern, oder Knechten gleich. Wenn Kindern gleich — in deinen Armen Dann heg' uns, Vater, mit Erbarmen! Gleich Knechten aber — in Geduld Wir harren, Herr, auf deine Huld, Bis du uns deine Gnade schenkst Und unser Recht zum Lichte lenkst Du Mächtiger, Hochheiliger! Ach unser heißes Flehn Allgnädig, Herr, erhör', Der du in deinen Höh'n Erhaben thronst und hehr! Der du nun merkst und hörst Auf den Posaunenschall, O daß du gnädig wärst, Mit deiner Güte all' Und mit Begnadigung Nähmst unsre Huldigung. Hannover, 21. Juli 1845. Personalchronik und Miseellen. Jüdisches Hospital in Karlsbad. Zum Bau desselben sind bereits (laut dem neuesten Prospektus) 7022 Gulden CM. kollectirt worden. Ein sehr geeigneter Platz ist bereits erworben, und der Bau soll noch dieses Jahr beginnen, damit das Haus schon im nächsten Jahre zur Aufnahme der Kranken tauglich ist. So sehr auch der löbliche Zweck dieses Unternehmens und die Bemühungen des verehrlichen Komite's um dasselbe anzuerkennen ist, so will es uns doch bedünken, als wenn man zu viel Gewicht auf die Errichtung des Hospitat's, und geringeres auf das damit verbundene Bethaus legte. Die Kranken hätten doch wohl am Ende im christlichen Fremden-Hospital Aufnahme gefunden, wenn man die geeigneten Wege eingeschlagen und dadurch einer gewissen Gehässigkeit vorgebeugt hätte, während das Bethaus ein allgemein gefühltes Bedürsniß war. Doch möge das verehrliche Konnte dies keineswegs als Vorwurf ansehen, wir hoffen vielmehr von den erleuchteten Männern desselben , daß die innere Einrichtung des Gotteshauses den Bedürfnissen der Zeit entsprechen werden, zumal derOrtsra'bbiner, Herr Kreisrabbiner Sachs, gewiß jeder zweckmäßigen Einrichtung förderlich sein wird. * * * Zur Emancipatiö ns frage. Auch die erste Kammer der würtemb. Stände — die nur sehr selten den Beschlüssen der zweiten pure ihre Zustimmung geübt, har den Antrag auf eine vollständigere Judenemancipation angenommen. — Auf dem jüd. Kasino in Mainz wurden die Abgeordneten der Stadt wegen ihres Votums in der Judenangelenheit (Edikt von 1808 rc.) am 13. Juli festlich bewirthet. Die Debatte, die der am 17» Juli d. I. stattgefundenen zweiten Verlesung der Judenbill im engl. Parlamente vorangina, war eine der interessantesten der letzten Zeit. Auf die Verlesung trug Peel selbst an; als Gegner trat der nie fehlende Sir Robert Jnglis und ein Herr Plumptre, fanatische Zionswächter des christlichen Staates und der alleinseligmachenden englischen Hochkirche, auf. Sie wurden am kräftigsten von Sir John Ruffel bekämpft, der auch jede weitergehendeMaaßregel zu unterstützen versprach und schon jetzt den Juden den Sitz im Parlamente rechtlich) zusprach. Nach einigen andern Bemerkungen erklärte sich eine sehr starke Majorität ,(91 gegen 11 Stimmen) für die zweite Verlesung der vorgeschlagenen Kommunalbill. Geadelte Gelehrte. Die kürzlich vom Kaiser von Rußland zu einer Berathung über jüdische Zustände berufenen jüdischen Gelehrten sind sämmtlich in den Adelsstand erhoben worden. — Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.