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Der Orient · 1845-08-06 · Heft 32 (6.8.1845) · p. Seite 251

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 32 (6.8.1845)
Date
1845-08-06
Page
Seite 251 (sequence 5)
Language
German
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- 252 - -Oettmg'sHem Gebiete geschehennach Dettingen transportiren, wohin auch die Vorsteher der Jsraeliten-Gemeinde abgingen und durch einen Advokaten auf strenge gerichtliche Untersuchung drangen. Der Postverwatter zu Dettingen, Geschäftsfreund des Delinquenten, wollte für ihn mit 10,000 fl. kautioniren, was aber vom Gerichte abgewiesen wurde. Die ärztliche Untersuchung, die das Gericht anordnete, stellte heraus, daß der Angeklagte ein Unb esch niLten er*) war, seine Papiere bezeichneten ihn als einen Weinhändlcr Carl Werner, christlicher Konfession aus Diedenhofen bei Würzburg.' Bein: Verhör sott sich ergeben haben, daß er das Kind, in der Absicht Unzucht mit ihm zu treiben, mitgenommen» Der Pöbel und die gebildete Plebs behauptet immer noch, der Räuber ist Jude und wollte Chriftenbtut. Die Interpretation dieses Falles ist überflüssig. —* In Thalmessingen — Königr. B a i crn — ist der des Kindesraubs und Mordversuchs angeklagte Jude sreigcsprochen und der Ankläger', Vater dcS Kindes, in schwere Haft gebracht. Dies das Jahrhundert der Aufklärung, der Emancipation, des Deutschkatholicismus und der deutsch-jüdischen Kirche? Wenn die Aufklärung im bairischem Volke in dieser Progression fortschreitet, so wird der Hellseher Huber den Juden Baierns ein anderes Horoskop stellen müssen. In Dettingen starb am 12. Juli der Onkel Gabriel R i e ffe r s, PinchaS Jakob Katzenell e n bogen, im 50. Jahre feines Amtes, im 76. seines Lebens — nach 'bi!Dj njnp 'fcer 36.2) Rabbiner in gerader Linie von Saul Wohl, Vater des Mahram Padua abstammend.— Der Verstorbene und fctn Vater faßen ein ganzes Jahrhundert belehrend und unterweisend auf dem Rabbistuhle in Dettingen, ans des Letzten: Leben erzählt der Ritter v. Lang, in seinen Denkwürdigkeiten, schöne Züge. Der Verstorbene hinterläßt keine Söhne; Rabbiner Gabriel Adler aus Oberdorf, sein Schwiegersohn, sprach rührede Worte an seinem Grabe, und wurde nach fromnicr Vater Sitte, nach Dettingen zum nson berufen. Cr hinterläßt eine trauernde Witwe — Frau zweiter Ehe —• mit unversorgter: Kindern. Ist in ihm auch der gegcnwärtig letzte Rabbiner seines Hauses gestorben, so wird sein Brudcrsohn der Mann Gottes, als Kärnpser für Israels Freiheit und Recht, der: Ruhm der Familie in spätere Geschlechter übertragen. Tres fachint Collegium. Drei Würtembergcr, Hr. 1) Ghillany will beweisen, es war ein Jude vom Frankfurter R.-V., zwar erst zwei Jahre alt, aber sehr schnell entwickele. » 2) Nach einem Briefe von Lazarus Riesser, Bruder des Pinchas Katzenellenbogcn, vom Jahre 1821 an die Familie Adler,— seine Verwandten in Schwabach — zahlte die Familie Katzcnellenbogen-Niesser 150 Rabbiner. Kirchenrath Mare r, die Herren Rabbiner L ö w e n g a r d t und G ü l d e n st e i n haben an der Rabbiuer-Versanunlüng Antheil gerlommen, alle drei, wie man sagt, ausVeranlassung ihrer Gemeinden. Glaube es der Jude Apella! Hamburg, 21. Juli. Unsre israelitische Gemeinde hat den Verlust eines Mannes zu beklagen, der jedenfalls zu den uugewöhulichen Erscheinungen gehört. Rabbi Josef Hannover, Ctausrabbiner zu Hamburg, ward gestern, unter Begleitung einer außergewöhnlichen Menge Menschen der Mutter Erde znrückgegcben. Schon als Kind verlor derselbe ein Auge. Er ward früh zum Talmud-Studium herangcbitdet, und zu diesem Zweck nach dem Wolfenbüttel'schen Bet ha-Midrasch geschickt. Dort verbrachte er den ganzen Tag in seinem Beruf; und benutzte noch außerdem die nächtliche Muse zum Selbstunterricht in andern Gegenständen des Wissens. Dadurch schwächte er das gesunde Auge so sehr, das; ihn die besorgten Eltern nach Hause nahmen, wo er auch bald völlig erblindete. Die Hand eines 'betrügerischen Augenarztes verlieh ihm nochmals, für einen Augenblick das Licht der Welt zu schauen, und alsdann für immer in nächtliches Dunkel verhüllt zu bleiben. — Die ersten Tage seines Unglücks verbrachte der verarmte Jüngling unter Jammern und Wehklagen und Verwünschung seines Daseins; aber bald ging ihm ein neues, nie zu erlöschendes Licht auf, das geistige Licht der göttliehen Weisheit belebte das getrübte Gemüth, und mit verdoppelter Kraft ergriff er die Gottessehre in alt ihren tausend Verzweigungen, und warf sich ihr so ganz in die Arme, und ward so von ihr gefesselt, daß er bald das verlorene Licht vergaß. Auch entfuhr ihm nie wieder eine Klage darüber. — Mall glaube aber ja nicht, daß er sich die - toXfc Meisterschaft eines Schass-Polaks, daS AllSwendigwisftlr des ganzen Talmuds aneignete; oder daß er das bändereiche, Werk durch Pilpnl- und Chitnk-Schwindelei zu vergrößern suchte, nichts von all diesem, wodurch die reine Lehre so lauge Jahre entweihet nnb entwürdigt worden; sein einfacher und unverschrobeuer Geist suchte einen viel bessern Weg, die Weisheit der Rabbiner: auszufassen, und erreichte eS auch durch vierzigjähriges Streben dahin zu gelangen, wohin ihm nur wenige zu folgen vermögen, der ganze Tatnrud lag vor seinem Geistesauge hell und klar wie der aufgegaugene Morgen. Selbst solche Abhandlungen, wo das Auge unentbehrlich zu sein scheint, die Traktate Seraim, Erubim und selbst die innere Einrichtung und Größe der drei Tempel waren ihm bis auf den zwölften Theil eines Zolles so klar im Bewußtsein, und kennte er jede Frage darüber so umständlich lösen, als wenn ihn: altes sichtbar vor Augen läge, und er in allen Theileir der Geometrie belvandert wäre. Ganz in seinem Glanzpunkt zeigte er sich ill seinen wöchentlichen Vorträgen über dieMischna. Diese erklärte er nach der weitläufigen Erklärung der 32*

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