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Der Orient · 1845-08-06 · Heft 32 (6.8.1845) · p. Seite 250

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 32 (6.8.1845)
Date
1845-08-06
Page
Seite 250 (sequence 3)
Language
German
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251 die alles Alte, wenn es auch weiter nichts als daD Verjährungsrecht, für sich' hatbeibehalten wollen, nud'siprach die Hoffnung aus, daß wenn er erst das Wertraum sich erworben haben wird, der Schluß des Textes DnEtyn P D *> 'Db n ß .. i? ^nrül in Erfüllung kommen wird, bat aber, daß man ihn nichtmitdem pntt rjDD, der gleich zu blühen anfing, vergleichen möge, er brauche Zeit, und hoffe, es wird jeder Einsichtsvolle gerne eine langsame feste Verbesserung, gegen eine rasche übereilte vorziehen. . Das Abendgebet beschloß die Feierlichkeit, der Rabb. begab sich wieder nach dem Saal, wo ersieh mit der Gesellschaft unterhielt und Erfrischungen zu sich nahm, und um 9-| Uhr kehrte derselbe wieder unter Glockengeläute nach seiner Wohnung zurück. Mehre sehr hohe christliche Familien waren bei Altem gegenwärtig. Man ist vorläufig mit der getroffenen Wahl sehr zufrieden. Es ist sehr erfreulich, daß der Rabb. sich sogleich die allgemeine Gunst und Achtung erworben, dadurch wird cS ihm leichter werden viel Gutes wieder zu säen, und es sott mich freuen, öfterer Veranlassung zu finden, Ihnen Thatsachen mittheilen zu können. Für die kurze Zeit von acht Tagen ist cs genug, daß die unwissenden Frömmler sehen, daß ein langer Bart nicht zum Rabbiner nöthig sei, und daß der Rabb. eben so rasch wie jeder Andere die yw sagen kann, daß die Zwischenpause des Wartens wcgfällt, daß man wnp nicht zu Hüpfen, das min *"iDD nicht zu küssen, und bei m&56 ipy nicht zu spuken braucht. — G. London/ im Juli. (V er spät et.) Im Mai war wiederum wie alljährlich ein großes Mittagsmat für die jüdische Waisen- und ArbeitS-Anstatt pm nu, wo nun der Herzog von Cambridge, die Stelle seines hochselig. Bruders Herzog von Sussex vertretend, präsidirte. Es versammelten sieh einige hundert Personen, worunter von der höchsten Nobilität, Parlaments-Mitglieder re. sich einfanden. Ob scholl alles wie sich von selbst versteht streng nm zubereitet wird, fehlt es doch nicht au den besten Leckerbissen und noch weniger an Eleganz. Nachdem der Vorsänger [in, das Tischgebet taut verrichtet, wurden wie gewöhnlich die Toaste ausgebracht, sodann wurde die Subskriptionsliste verlesen, welche circa 1930 £. betrug. Hierauf sagte der Herzog von Cambridge, er schlage vor, daß die Damen besonders subfkribiren mögen, und unterschrieb für /die Edle Herzogin 10 S-*, sein Beispiel konnte nicht ohne Erfolg bleiben, und so stieg die Einnahme um einige Hunderte. — Anmerkung. Bei der Berliner Gesellschaft der Freunde, wo schon seit30 Jahren nnkoscher gespeist wird, wo man kein Tischgebet verrichten kann, hat bis jetzt noch nicht einmal ein christlicher Bürger sich gemeldet, Mitglied werden zu wollen; die Gesellschaft setzt einen Werth darauf, wenn bei ihren großen Diners, ein Schauspieler sich herablaßt mit ihnen zu speisen. Hier essen die ersten Lords, Minister und Herzoge, sogar die' konigl. Prinzen koscher,' tragen als Mitglieder bei und zollen den Juden wegen Beobachtung ihrer Religion alle Achtung. Währendem man in Berlin die Inden nicht zum Nachtwächter zulassen möchte, bekleiden solche hier beinahe die größten Ehrenstellen, so ist Sir Isaak L. Goldschmidt unlängst zum Lord-Leutnant ernannt worden, ein Amt, welches dem Rang eines Prcuß. Regierungs-Präsidenten nicht nachsteht. — Ein schlagender Beweis, daß Synoden und Hasenbraten die Emaneipation nicht befördern. Der wohtthätige Sir Moses Montcfiore läßt nun drei ans Jerusalem hcrgekommene Männer in einer Fabrikstadt in Baumwollspinnen und Weberei unterrichten, sorgt für - den Unterhalt und bezahlt hohes Lehrlohn, beabsichtigt sodann Maschinen hinznschicken, um seine armen und gedrückten Glanbensbrüder durch Gewerb- Betriebsamkeit zu unterstützen und zu bessern. An roher Baumwolle fehlt es dort nicht, und eS kann vielleicht mit der Zeit ein wichtiges Unternehmen werden. G. Deutschland. Würtemberg, Ende Juli. Von Würtemberg weiß ich Ihnen diesmal nur weniges, aber Erfreuliches mitzutheilen. Die Kammer der Standesherrn ist den Beschlüssen der zweiten Kammer für völlige Emaneipation der Israeliten beigetreten; auch die Regierung wird den Akt der Gerechtigkeit beschleunigen und den Gesetzentwurf bald cinbringen. Man erzählt sich von unsrem Könige die Anekdote, daß er, als die Sache der Juden an die Tagesordnung kam, gegen einen hohen Staatsbeamten, geäußert haben soll : „hierin wird cS doch keine Opposition geben"! Im bairischen RieS hat sich neulichst ein sehr interessanter Fall zugetragen. Ghillany wird eine Broschüre darüber, mtt dem Motto, ,,thnt nichts, der Jude wird verbrannt" schreiben. Am 21. d. M. fuhr ein Reisender von Waüerstein nach Dettingen, in Wcndingen nahm er ein achtjähriges Mädchen von der Straße und versteckte cs im Wagen; doch einige Bauersleute, die es sahen, riefen den Vater des Kindes bei, verfolgten den Räuber mit dem Geschrei „ein Jude habe ein Kind gestohlen"; sie holten den Reisenden bald ein und dieser gab dem Vater das. Kind, mit einer Zehngulden-Rotle zurück. Herr Rafael Einsing, ein Jude aus Wallerstein, that Einsprache und verlangte, daß der Bauer daS Geld nicht annähme nub den Fall der Polizei anzeige; der Reisende aber fuhr eilends davon und der Pöbel war schon geneigt seine kannibalische Wuth gegen die Juden zu wenden, als in Markdoffingen, wohin Herr Einsing dem Gefährte gefolgt war, eine Achse am Wagen deS Reisenden brach und dieser von der Polizei ergriffen und nach Wallerstein zurückgebracht wurde. DaS Wallcrsteiner Gericht ließ den Kindesränbcr, weit die Unthat ans

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