Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1845)
- Date
- 1845-08-06
- Page
- Seite 249 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sechster er Q Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von »r. Julius Fürst» Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. JHj 32. _Leipzig, den 6. August _184A. Inhalt. G r o ß b rn t a n i en. London. Empfang des Rabb. Adler. Seine erste Rede. Hoffnungen. London. Die Anstalt Newe Aedek. Die Berliner Aufklarerei. — Deutschland. Würtemberg. Emancipation. Eine Blutbeschuldigung. Ghillany. Nekrolog. Dreieinigkeit. Hamburg. Nekrolog. Frankfurt a. M. Die Verhandlungen der N.-W. Frankels Rede über die Principienfrage. Adlers Schwung. — Hebräische Kirchen ge fange übersetzt von M. Frensdorf. — Personalchronik und Miscellen. Karlsbad. London. Rußland. — LB. d. Or. - Großbritannien. London, 19. Juli. Der bisherige Rabbiner zu Hannover, Dr. Adler, ist mit seiner Frau und fünf junger: Kindern am 7. d. Abends hier glücklich angelangt, wo dieselben von einer Deputation, bestehend aus einigen Vorstehern und Beamten empfangen wurden. Am 9. wurde Dr. A. als Oberrabbiner für alle jüd. Gemeinden des britischen vereinigten Königreichs und Kolonien in folgender Art feierlichst emgeführt: Die hiesige Große Synagoge, geschmackvoll verziert, wurde um 4| Uhr Nachm, geöffnet, und bis 5z Uhr mußten sich alle mit Einlaßkarten versehenen darin versammelt haben. Um diese Zeit wurde der Rabbiner nebst Gemahlin durch eine sehr noble Deputation, bestehend aus dem Baron von Rothschild, Sir Montefiore n. A. in mehren sehr eleganten Equipagen, ltntcr Geläute der Kirchenglockcn, von seiner Wohnung nach dem Gemeinde- Konferenz-Saat (nächst der Synagoge) abgeholt; hier waren die Vorsteher und Repräsentanteil von sämmtlichen Synagogen mit ihren Frauen, so wie auswärtigen Deputirten und Beamten versammelt, welche dem Rabbiner und der Gemahlin vorgestellt wurden. Der Vorsteher E. las und überreichte dem Rabbiner eine Gratulations- Adresse, welche der Rabb. durch eine in englischer Sprache nachgesagte Beantwortung lesend, erwiederte. Sodann setzte sich der Zug zur Synagoge in Bewegung. Der Rabbiner im Ornat und Talit mit einer kleinen sehr kostbar behängten Gesetzrolle im Arm, wurde vom Eingänge, unter einem sehr eleganten neu angefertigten Thronhimmel fiDin, welchen vier Jünglinge trugen, umgeben von den Gästen, bis zur Bundeslade, welche Sir Monteftore öffnete, geführt, während dem der Vorsänger mit 40 Choristen, und einer kleinen Orgel-Begleitung am ton und mp --rn, vp nbp sangen. Der Rabb. dann wurde zu seinem Sitz geführt und nachdem das Rachmittagsgebet verrichtet war, wurde vor: dem Vorsänger ein Segenswunsch 'v und ein hierzu verfaßtes Gebet für den neuen Geistlichen vorgetragen, wobei im Namen der ganzen Gemeinde, 300 -f. für Arme gespendet wurden. Hiernächst betrat der Rabbiner die Kanzel in der Mitte der Synagoge, verrichtete ein Gebet in hebräischer, hielt seine Antrittsrede in rein deutscher, und zuletzt ein Gebet für die Königin, Lords re. in englicher Sprache. In allen drei Sprachen war Einfachheit ohne Wortklauberei, guter Vortrag, angenehmes Organ zu preisen. In England ist nur noch der fremde Accent zu bemerkbar. Als Text wählet der Rabb. v. 7. Kap. 3 aus Zacharia, woraus derselbe seine Pflichten, 1) in Gottes Wege zu wandeln und mit gutem Beispiel voranzngehen, 2) Gotteshäuser zu bewahren, daß kein Aberglaube darin walte, und kein Unterschied zwischen Reich und Arm darin herrsche, 3) die Schul- und Erziehungs-Anstalten zu verbessern, und 4) den Frieden in der Gemeinde zu befördern, herleitete, zeigte auf die Schwierigkeit seines Amtes zu einer Zeit, wo es zwei Parteien gibt, rn^nv, immer vorwärts wollende, oft um der Neuernngssucht-wegen, und 32