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Der Orient · 1845-07-30 · Heft 31 (30.7.1845) · p. Seite 247

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 31 (30.7.1845)
Date
1845-07-30
Page
Seite 247 (sequence 13)
Language
German
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247 Wort und müsse deshalb bei den ritualen Vorlesungen .ausgeschieden werden! Da käme es dann sehr darauf an, welche Klasse sich gerade als das „Volk" betrachtete, und es wäre nicht unmöglich, daß auch einmal gewisses „Volk" das zweite oder gar das vierte Gebot, als von ihm in der Praxis nicht anerkannt, als „nicht göttlich" aus der Bibel gestrichen wissen wollte. Ja, wir vernahmen sogar die Erwähnung „Unsers lieben Herrn Gottes" in einer Weise, die denn doch im Munde eines geweiheten Verkünders des göttlichen Wortes allzu burschikos klingen mochte. Während man bei einer gottesdienstlichen Frage auf Zurückweisung des Gefühls, der „Sentimentalität," wiederholt drang, suchte man, wo nicht die Mitglieder so doch das Auditorium durch Anbringung von allerlei Witzworten zu ^bestechen und so mit den Lachern und Lacherinnen auch die Mehrzahl für sich zu gewinnen. Auch wurde zugleich mit ausdrücklichen Worten ausgesprochen, daß die ganze Verhandlung und resp. der aus ihr hervorgehende Beschluß als zwecklos erscheine, indem das Ganze blos einen Rath abgeben solle, den Geiger sofort erklärte, nur dann befolgen zu wollen, wenn er binnen Jahresfrist nichts Besseres finde. was in grellem Abstich mit dem Komissionsbericht Mairr's steht, welcher, unter Bezugnahme auf die Schriftstelle (Ier. 2, 29): „denn, Juda, die /Anzahl deiner Städte war die Anzahl deiner Götter" es zu den Hauptaufgaben der Rabbiner-Versammlung rechnete, die noch bestehenden kleinen Abweichungen in den Ritualien verschiedener jüdischen Gemeinden zu entfernen. Hirsch aus Luxemburg erklärte, daß es zu solchem „Rath," den ohnehin .seine Gemeinde schwerlich befolgen werde, keiner Rabbinerversammlung bedurft hatte, und Formstecher aus Offenbach äußerte, dieses „bloße Aussprechen" der Versammlung, und zwar in einer Weise, wie sie keiner einzigen der ihm anverkrauten 16 Gemeinden zu genügen vermöge, sei lediglich „in die Luft gesprochen," und er werbt ewig den schonen Vormittag bedauern, den ihm diese Debatte unnütz geraubt — wogegen freilich der Präsident die kurzweilige Anfrage an die Versammlung richtete: ob der Vormittag wirklich als verloren zu betrachten? welche Frage dann mit entschiedener Majorität verneint wurde. Haben wir in dieser, dem Raume dieses Blattes gemäß nur sehr skizzenhaften Beschreibung unserm Lesekreis auch nur ein schwaches Bild der vorgestrigen Debatte vor Augen geführt, so dürfte dieses doch schon genügen, um das nachfolgende Aktenstück zu erklären, welches im Laufe des gestrigen Nachmittags von Seiten eines der eifrigsten Mitglieder der Braunschweiger wie der Frankfurter Versammlung dem Präsidenten der letztern zugegangen: „An ein verehrliches Präsidium der zweiten deutschen Rabbinerversammlung dahier. Der Unterzeichnete, schon Mitglied der vorjährigen, zu Bvaunschweig stattgehabten Rabbincrversanunlung, hatte sich trotz der diesem Institute gewordenen Anfeindungen nicht nur von ihm nicht abgewendet, sondern er hat dasselbe auch an und für sich, wo sich ihm Gelegenheit dazu darbot, mit seinen schwachen Kräften in Schutz genommen. Zuletzt noch hatte er ftiine Sympathien, seine Hoffnungen und Wünsche für dasselbe in die Nummer 27 der „Allg. Ztg. des Iudcnthums" niedergelegtt Desto schmerzlicher, aber unbedingt nothwendig wird sts ihm, sich hiermit von der gegenwärtigen Rabbinerversammlung loszusagen. Sowohl die Art und Weise der heute Vormittag stattgehabten Diskussion und der hierauf erfolgte Beschluß, resp. die Erklärung der Majorität, ifür Annahme des Kommissionsantrags -in Betreff der nur sehr beschrankten Beibehaltung der hebräischen Sprache bei'm Gebet im öffentlichen Gottesdienste, als auch die auf meine Anfrage erhaltene Auskunft, daß dieser Kommissionsantrag auch die gänzliche Weglassung von hochwichtigen Gebetsstücken, wie des zweiten und dritten Stückes von Keriat Schema, mit involvire, widersprechen nach meiner innersten Ueberzeugung dem ausgestellten Grundsätze, daß die Rabbinerversammlung auf dem Boden des positiven historischen Judenthums sich befinde. Ich trenne mich daher von ihr, zwar mit aufrichtigem Schmerze und mit tiefem Kummer, aber im Bewußtsein treuer Pflichterfüllung gegen Gott, gegen den Glauben und gegen Israel. Ich ersuche ein verehrliches Präsidium, dieses Schreiben der geehrten Rabbinerversammlung in deren nächster Sitzung mitzutheilen und zu den Akten zu nehmen. Frankfurt, 18. Jull 1845. Leopold Schott, Rabbiner aus Randegg. Frankfurt a. M., 20. Juli. Heute wurde die Messtasfrage iu der R.-V. zur Diskussion gebracht, aber solche noch nicht geschlossen. Alle Redner sprachen gegen die gewöhnliche Form in den Gebeten und gegen die Opfer, für diese nur Treuenfcls. — Die Vertreter der gemäßigten konscrv. Partei, bestehend ans Hrru Dr. Frankel, Hrn. L. Schott sind bereits aus der Versammlung getreten und das Motiv des Austritts ist von Beiden genügend gerechtfertigt. 28er die frivole Haltung und das altjüdische Witzeln, das rücksichtslose Losstürmen auf alles Ehrwürdige allgehört, wer die burschikosen 28itze des Hamburger Predigers, die trivialen, auf dem Trödelmarkt oder in den Schenkel: gebrauchten Ausdrücke aus dem Munde eines Kirchemaths nud Rabbiners in einer R.-V. belachen gesehen hat; wer die seichte Begründung eines Dr. Hcrzfetd, die biblische Kritik eines Jolowicz, sich so zu Herzen nahm, wie es bei ctncin großen Theit der Zuhörer statt fand, der kann es wahrlich den Erwähnten nicht verargen, eine Versammlung verlassen zu haben, die einer Rabb.-Versammlung so wenig elltspricht. R. Stein hat sowohl durch sein geschicktes Resnme und abgegebenes Votum für die objektive Nothwcndigkeit des hebr. Gebets, als auch durch seine gestrige Predigt in der Syn., sich die Herzen Vieler erworben, die bis jetzt den Grad ihrer Achtung nach den Früchten seines allerdings beschrällkten28irkungskrelscs zu bemessen pflegen. Man vermißte bisher, daß er noch nie den Krebsschaden deutscher Schulen -— ans denen diehebrcii-

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