Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1845)
- Date
- 1845-07-30
- Page
- Seite 248 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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- 248 - sche Sprache fast verdrängt ist —- rügte, was er nunmehr auf eine so ernste glänzende Weise, mit einem so herzlichen Redenerguß der Gemeinde ans Herz legte. Dem Majoritäts-Beschluß der R.-V. gegenüber, verdient dies um so mehr der allgemeinen Achtung dargelegt zu werden. K— m. Breslau, 20. Jirli. So gern ich Ihnen, geehrter Herr Redakteur, specielle Berichte über die hiesigen Angelegenheiten mitgetheilt hätte, so unmöglich wird es-mir diesmal. Ich muß mit Börne sagen, ich habe nicht immer den Muth und die Kraft nur selbst Qual anzuthun; ich vermag nicht cs über mich zu gewinnet:, die nächste Vergangenheit mir wieder in ihren trüben Einzelnheiten vor die Seele zu führen und mit den wahren aber grellen Farben Ihren: Blatte, wie es desselben würdig ist, wiederzugeben. Es muß Jeden, der nur das Judenthum nicht haßt und verachtet, mit Schmerz erfüllen zu sehen, wie diejenigen, die au der Spitze desselben stehen wollen, zur Zeit der Noth und Gefahr nicht nur es verlassen, sondern sogar verratheu und um ihres Amtes willen bald zu den Feinden bald zu den Freunden herüber und hinüberspringen. Bald will man als älterer Reformator den neu aufgetauchtcn Reformatoren nicht nachftehen, doch hat man den Muth nicht, seine Meinung offen auszusprechen, man bläst sie daher einen: Andern ein, der sie in einem „Aufrufe" der Gemeinde und der Wvlt ausposaunt, läßt demselben das sagen was man gern selbst gesagt hätte und giebt seine Sympathie durch einen schillernden Zeitungsartikel zu erkennen. Wird man aber vorr den Gemäßigteren und von dem redlichen Vorstand, der seine Stellung wahrhaft erkennt, angegriffen, so erklärt man sich misverstanden, und blendet und betäubt mit Phrasen. Bald donnert man von der Kanzel herab , man dürfe nicht zu weit gehen, man müsse das Alte nicht ganz verwerfen, reist man aber zur Räbbiner- Versanunlttng, nimmt man quasi vorr der Gemeinde eine Denkschrift mit, die bekunden soll, wie Gottlob die Gemeinde fortgeschritten sei, und wie hundert und zwanzig Mitglieder über Sabbat- und Speise-Gesetze hinaus find und das Schlachtgeld lieber zu einem edlen Zwecke (etwa für R.-V.) verwenden wollen. Aber so gern ich damit zu Ende sein möchte, so kann ich doch nicht umhin, Ihnen wenigstens ein Kuriosum mitzuthei- Len. Als der Colporteur bei seinem DTinD hy HDD Sei einem Kaufmann um eine Unterschrift bettelte, da erwiederte ihm dieser, er kümmere sich nicht um das Judenthum,'und er möge ihm vom Halse gehen; jener, der selbst Reformator ist, drang in den Kaufmann und sprach im Predigerton, es handele sich um das Wohl des ganzen Judenthumsdieser Verstockte wollte sich aber doch nicht bewegen lassen, bis er endlich auf seine Frage, ob seine Unterschrift ihm, dem Kolporteur materiellen Nutzen bringe,, er die Antwort erhielt, „ja wohl, je mehr Unterschriften ich sammle, desto besser werde ich honorirt", sagte er: „Nun wenn ich Ihnen damit einen Gefallen thue, so bin ich gern bereit zu unterschreiben". Aber genug davon, ich will meinen trüben Bericht durch etwas Angenehmes erheitern. Trotzdem daß durch die hiesigen Wirren manche Gemeinde in unserer Provinz, einen wissenschaftlichen Rabbiner zu wählen abgeschreckt worden, und in der letzter: Zeit selbst hier mancher Gutgesinnte seine frühere Wahl bereute, so erkennen doch dadurch gerade die frommen Gerneinden, daß sie zur Abwehr des Leichtsinnes urrd der Frivolität wissenschaftlicher Männer bedürfen. Und so ist es höchst erfreulich, daß vor eirrigen Wochen bei der Rabbinerwahl in Rosenberg, einer ziemlich starken Gemeinde Oberschlesiens, nur auf akademisch-gebildete Karrdidaterr reflektirt.wurde. Die Wahl siet glücklich auo, sie fiel auf einen jungen Mann, der das Jlldcnthum mit der Muttermilch eingesogen hat, der es von ganzerrr Herzen liebt, und für jedes seiner Interessen mit dem wärmsten Eifer beseelt ist, einen Mann, der reichlich mit jüdischem Wissen ausgestattct, außer den übrigen philosophischen Studien Tüchtiges in einigen semitischen Sprachen leistet. Die Wahl siel auf Herrn Levy, der durch einige Reccnsioncn, die er im Orient lieferte, bekannt ist. Wir wünschen ihm, daß seine Kräfte keinen Widerstand finden mögen, und er ganz nach seiner Ueberzengung und seinem Wünschen wirken könne. Zugleich muß ich Ihnen auch mittheilen, daß Dr. Grä tz sich wieder in Breslau aufhätt, um sein Werk „G n o st icismus und Judenthum" einem großen: Publikum zu übergeben. Der mit schönem Talente begabte und mit tüchtigen: Wissen ausgerüstete Autor liefert durch dieses Werk der fortschreitenden jüdischen Wissenschaft einen bedeutenden Beitrag; e§ wird in demselben manche dunkle Partie im Talmud und der übrigen jüdischen Literntur beleuchtet und der bisher unbekannten Kampf der Juden gegen die Gnostiker klar nachgcwiefen. Möge .dieses Werk die Aufnahme finden', die es verdient, y. Personalchronik und Miseellen. . Bentschen (im GH. Posen). Die jüdische Gemeinde daselbst ist durch eine Feuersbrunst den 7. d. M.. in das größte Elend gerathen und es wäre zu wünschen, daß Rabbiner sich bei ihren Gemeinden für mildthätige Einsammlungen interessiren mögen. Der Rabbiner Puloermach er daselbst, ein guter Kenner des Hebräischen, bietet alles auf, um die Teilnehmer anzuregen. Kro Losch in. Von der neuen Ausgabe des Monorat ha- Maor, mit deutscher Übersetzung die in der hiesiegen sehr Lhatigen Buchdruckerei erscheint, ist bereits das 8. Heft erschienen. Verlag von C. £♦ Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.