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Der Orient · 1845-07-30 · Heft 31 (30.7.1845) · p. Seite 246

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 31 (30.7.1845)
Date
1845-07-30
Page
Seite 246 (sequence 11)
Language
German
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sarne, d. i. eine in Lea Umständen der Gegenwart bedingte Koncession sei, und das Streben also dahin gehen soll, , diese Wachsamkeit überflüssig zu machen, das Hebräische ans dem Gebete ganz zu entfernen. Vergebens war gezeigt worden, wie das Hebräische, dieses durch so viele Jahrtausende geheiligte Alterthum, dem Gebete Weihe und Erhöhung gebe, vergebens darauf hingewiesen, wie die hebräische Sprache als ein th eures Kleinod, da in ihr die heiligen Urkunden .nMergelegt sind, bewahrt werden müsse, bewahrt, daß nicht das Verständniß dieser heiligen Urkunden, wie einst den hellenistischen Juden, uns abhanden komme; vergebens hervorgehoben, wie, schwindet sie aus dem Gebete, sie sich endlich ganz verlieren sie auch aus der Schule verbannt und so abermals ein religiöses Element aus den schon ohnedieß ziemlich gelichteten Bestandtheilen getilgt werde; vergebens wurde appellirt an das religiöse Gefühl (und dieses ist doch bei'm Gebet beachtenswerth!), das durch diese heiligen Töne sich erhöhet, geweckt fühlt; vergebens hervorgehoben, wie grade in dem hebräischen Gebet ein Kennzeichen der Religio ns gemeind e, die die Juden bilden, sich finde, an dem der Jude, unter welchem Himmelsstriche er dem Juden begegne, in ihm den Glcmbensgenossen, Ln seinem Tempel sein Gotteshaus, in seinem Gebete das eigene wiedererkenne; vergebens der Einwucf, daß die Jugend nur mit Widerwillen das Hebräische erlerne, mit den einfachen Worten widerlegt, daß, wenn nicht die Eltern diesen- Widerwillen nähren und wenn die Schule endlich für den Unterricht wirkt, dieses Hinderniß von selbst schwinde, undwurde auch solches an Beispielen nachgcwiesm; Pergebens dargestellt, wie selbst für die weibliche Jugend das Verständniß der hebräischen Gebete, die doch nicht in großer Zahl beibehal.ten werden sollen, erleichtert werden kann; vergebens wurde zum Schlüsse auf die Innigkeit, auf die religiöse Kraft und Weihe des hebräischen Geberes und die Erhebung in ihr hingewiesen : die Majorität der Rab i n er v ersam mlu n g entschied dafür, daß das hebräische Gebet nur rath sam sei, die Aufgabe der Rabbiner, es allmälig ganz zu entfernen. Von einem solchen Beschlüsse weiche ich nicht nur nach einer Verschiedenheit der Ansicht, sondern nach der Verschiedenheit der Tendenz ab.. Dieser Geist, der so viele wichtige Elemente unbeachtet läßt, der das, was in jeder Konfession Gewicht und Kraft hat, das Historische, verdrängt, ist in meinen Augen nicht der der Erhaltung, sondern der der Zerstörung des positiv-historischen Judenthums, das ich der Versammlung laut als das meinige erklärte. Dieser Geist muß nun zugleich den fernern Beschlüssen der Versammlung - jede Gültigkeit in.den Augen Jenes, der sich auf dem positivhistorischen Standpunkte befindet, entziehen, da, wie ich ebenfalls der Versammlung bemerklich machte, es nicht allein auf das Stimmabgeben, sondern -'auf das Motiv der Abstimmung ankomm.e, und nur wer schon vorher mit sich abgeschlossen und blos eine formelle Bestätigung sucht, kann in einer allgemeinen Abstimmung eine scheinbare Beruhigung finden.— Aus diesen Gründen sehe ich mich veranlaßt, lnicht nur gegen obigen Beschluß laut zu protestiren, sondern zugleich zu erklären, daß mein Standpunkt ganz ein anderer als der der Versammlung sei und ich in ihrer Mitte nicht Sitz und Stimme haben kann. Ich drücke aber auch mein Bedauern aus, daß die Versammlung, statt das Ziel, „allgemeines Vertrauen zu erwerben und hierdurch eine Vermittlung herbeizuführrn," im Auge zu behalten, sich von neuem von ihm entfernt und viele Lausende, die ein solcher Beschluß tief verwundet, von sich abgestoßen. Wie sehr ich dieses erwähnte Ziel im Auge hatte, dokumentirt mein Erscheinen bei der Versirmmlung, und ließ den Wunsch, Pas Meinige Zu einer Vermittlung beizutragen und mit Andern mit vereinten Kräften dahin zu arbeiten, daß dieses junge Institut zu einem versöhnenden und die allgemeinen religiösen Interessen vertretenden heranreife, mich über manche Mis Verständnisse, die dieser Schritt Hervorrufen konnte, so wie über manches meinem persönlichen Interesse Widersprechende wegsehen. Diese höhere, heilige Rücksicht veranlaßt .mich, mich von dieser Versammlung loszusagen; wo ein Göttliches, dem unser ganzes Leben angehört, mahnt, wo eine -innere Ueberzeugung ruft, da muß ohne Rücksicht auf Mißdeutung und Unterstellung von Motiven, .Folge geleistet werden. Dem redlichen Manne gehet sein Bewußtsein über Alles; er befragt vor Allem sich, befragt vor Allem seinen innern Richter, und ist er vor diesem gerechtfertigt, findet er hier sein Urtheil bestätigt,, dann geht er fest seinen Weg, treten alle andern Rücksichten vor denen der Religion und der Wahrheit in den Hintergrund. Ich versehe mich zu einem wohll.öblichen Präsidium, daß dieses Schreiben der verehrlichen Versammlung baldigst mitgetheilt und den Protokollen einverlesbt würde. Ich Habe die Ehre, mich mit Hochachtung zu zeichnen, (gezch Oberrabbiner Dr. 3, Fran k e l. Frankfurt a. M., 18. Juli 1845. Frankfurt a. M. 20. Juli. Der ersten Demonstration gegen die Rabbinerversammlung aus ihrer eigenen Mitte ist rasch eine zweite, auf dem Fuße gefolgt. In der gestrigen Sitzung, bei den Verhandlungen über das Quantum der in den Synagogen beizubehaltendm hebräischen Gebe-te und über die Frage, ob die ritualen Vorlesungen aus dem Pentateuch noch ferner in der Ursprache abzuhalten seien, entfielen dem Munde einzelner Mitglieder über Gebet und Bi bel Aeußerungen, die wenn auch zum Theil vorn Präsidenten gerügt, doch wohl geeignet erscheinen möchten, einem Geistlichen die fernere Kollegialität mit dem Plenum der Versammlung sehr zu erschweren. Ein christlicher Geistlicher, der auf der Bank der Zuhörer (es war nur Mne in den Mittelreihen für die Zuhöhrer reservirt geblieben, alle übrigen waren für die Zu Hörerinnen durch das anordne.wde Komite in Beschlag genommen worden!) unser Nachbar war, entsetzte sich bei den Worten Herzfelds aus Bra.rmschweig: daß die Bibel „Zwar Gottes Wort, aber nacht ganz Gottes Wort fei" und bei der Behauptung des Lehrers kJolowicz: was „das Volk" in der Bibel -nicht als Gottes Wort anerkenne, das sei auch nicht Gottes

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