Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1845)
- Date
- 1845-07-30
- Page
- Seite 245 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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245 Lügt und verläumdet man in der deutschen Sprache, so ist die deutsche Sp. unheilig, dasselbe Verhältmß findet in der Hebr. statt. Lobt man Gott in der deutschen, so ist die deutsche heilig. Man behauptet die heilige Sprache sei in Gefahr und bringt einen Beweis aus Philo, aber in Philo ist noch eine größere Religiosität als in mancher rDDD, wie z. B. n$nn. Wo wird noch griechisch, wo lateinisch gebetet? Man behauptet, wir haben Meisterwerke, die sich nicht wiedergeben lassen, aber das Werk schafft der Sprache, nicht die Sprache dem Werk den Ruhm. Man hat sie als einheitliches Band für nothwendig gehalten, aber die Sprache giebt nicht dem Volke, wohl aber das Volk der Sprache Einheit. Er findet, daß zu allen Zeiten eine Hierarchie bestanden. Bestehen ja jetzt noch viele Gebote für die Priester. Spricht sich gegen die Formel rmnyn nwm aus. Hältdas Hebräische für den Krebsschaden der Werkheiligkeit, weil man Werke derHeitigkeit durch dieselbe glaubt verrichtet zu haben. Keine Sentimalität! Weg mit der hebr. Sprache! Diejenigen, welche sich die Frommen nennen, haben blos den TiNDH mtf» und nicht die heilige Schrift. — Der Aberglaube, daß die Sprache selbst heilig sei, dauert heute noch fort und von dem Tage all, wo diesem widersprochen wird, wird die heilige Schrift mehr Eingang finden. — Behauptet die Sprache sei arm an Konjunktionen, sie sei todt und abgestorben für uns. Beruft sich auf die Synagoge selbst. und wnp, die Hauptmomente im Gebete — sein auf Chaldciisch abgefaßt. Reis stimmt dagegen, und schließt sich Frankel an. Protestirt gegen Cahn. Der Gottesdienst solle und müsse für alle sein. Gegen den Beweis von den chaldäifchen Gebetstücken macht er geltend, daß nur vor: der rwip in NH) die Rede fein könne, wo sich aber das Hebr. auch fände. (Fortsetzung folgt.) Frankfurt K. M. 19. Juli. Indem wir uns Vorbehalten, auf die Verhandlungen und Beschlüsse der in diesem Augenblicke dahier in Thätigkeit begriffenen Rabbinerversammlung in einer Reihe übersichtlicher Artikel zurückzukommen, können wir doch nicht umhin, diese unsere Relation durch vorläufige Mittheilung des Wichtigsten, was sich bisher im Schooße der Versammlung zugetragen, zu antipiciren. Die erste der sechs den Kultus betreffenden Fragen, die Beibehaltung oder Abschaffung des hebräischen Elements in dm jüdischen Gebeten, war der Versammlung in folgender Fassung vorgelegt worden: 1) Ist es objektiv-gesetzlich nothwendig, daß im israelitischen Gottesdienste Hebräisches beigehalten werde? Diese Frage wurde mit überwiegender Mehrheit verneint. 2) Ist die Beibehaltung aus andern als positiv-gesetzlichen Gründen nothwendig? — in welchem Falle die Rabbiner auf die allmälige Wiederbelebung des Sinnes für die hebräische Sprache und des Verständnisses derselben hinzuwirken hätten. — Diese Frage wurde ebenfalls mit einer Majorität von 15 gegen 12 Stimmen verneint. Alsdann wurde 3) darüber abgestimmt, ob die Beibehaltung des Hebräischen dennoch unter obwaltenden Verhältnissen „rathsam" erscheine? — in welchem Falle zwar das Hebräische noch zumTheil beizubehalten, jedoch von den Rabbinern dahin zu streben sei, die Umstände, welche der Abschaffung des Hebräischen dermalen noch im Wege stehen, zu entfernen. Diese Frage wurde ohne Debatte in motivirter Abstimmung mit großer Majorität bejaht. In der jüngsten Sitzung wurde darüber verhandle und abgestimmt: 4) in wie weit das Hebräische in der jüdischen Liturgie noch als rathsam zu erachten sei? Es wurde mit 18 gegen 12 Stimmen ein Kommisionsantrag angenommen, welcher eine gewisse Mischung verschiedener hebräischen und deutschen Gebetstücke bei der von her Versammlung angeordnenden Abfassung einer neuen israelitischen Agende als Leitfaden empfiehlt. In der Sitzung, in welcher letzteres Resultat erfolgte, wurde das Haupt der gemäßigtkonservativen Richtung, Dr. Z. Frankel vermißt. Gegen den Schluß der Sitzung erhielt der Präsident der Versammlung, Rabbiner Stein, von Seiten des Dr. Frankel folgendesSchreiben, worin dieser ihm sein Ausschneiden offmell anzeigt und motivirt: „An das wohllöbliche Präsidium der zweiten Rabbinerversammlung zu Frankfurt a. M. — Die Erhaltung des Judentums ist das innerste Element meines Lebens und das Ziel aller meiner Bestrebungen, dem ich von meiner Seite jedes Opfer zu bringen bereit bin, so wie ich von der andern mich mit Tendenzen, die das Gegentheil herbeiführen, in einem nie auszugleichenden Widerspruche befinde. Ich brachte ischon in der zweiten Sitzung (den 17. d. M.) die Principienfrage zur Sprache, damit man sich unter einander verständige und über den Geist der Versammlung zur Klarheit komme; doch wurde auf diesen Punkt nicht naher eingegangen. Die gestrige Sitzung führte zu einem Resultate, dessen ich nur mit Kummer gedenken kann; nur mit tiefem Schmerze rufeich mir zurück, daß in einer Rabbinerversammlung eine Frage zur Abstimmung kommen konnte, eine Frage sogar durchfiel, die einen mit den religiösen Interessen des Judenthums auf's innigste verwachsenen Gegenstand behandelte und von den Religionsführern des Volkes doch zumeist in Schutz genommen werden mußte. Die Frage: „ob, wenn auch keine gesetzliche, doch eine objektive, d. i. eine aus dem religiösen Moment hervorgehende Nothwendigkeit zur Beibehaltung des hebräischen Elements bei'm Gebete sich finde," wurde, als man die praktische Seite einer derartigen Erörterung in Frage stellte, dahin erklärt, daß es sich hier darum handle, ob die Rabbiner streben sollen, daß, was für jetzt — nach der Beratung hierüber — noch Hebräisches im Gebete beibehalten werden wird (denn daß auch deutsche Gebete ausgenommen und sie einen Bestandtheil des Gottesdienstes ausmachen sollen, hierüber hatte man sich von allen Seiten einverstanden erklärt) zu bewahren, dem Hebräischen sein Recht hier einzuräumen sei, oder ob die Beibehaltung nur eine rath-