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Der Orient · 1845-07-30 · Heft 31 (30.7.1845) · p. Seite 244

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 31 (30.7.1845)
Date
1845-07-30
Page
Seite 244 (sequence 7)
Language
German
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Let, wollen wir beitragen, daß die Erinnerungen stets mehr verlöschen? — Wenn von einer andern Seite gegen die Behauptung, daß wenn die hebräische Sprache in Vergessenheit gerathe, im Judenthum Priester und Laien anfkommen werden, entgegengestellt wurde, daß dieses nur ein Zmückkehren auf frühere Zustände wäre, wo, wie die Schrift sagt, es Priester — im Tempel — und Laien gab, so kann der Redner sein Befremden nicht unterdrücken, daß man, obschon Fortschritt und Entwickelung unaufhörlich im Munde getragen wird, auf diese frühern Zustände appellire. Ist doch dies ein hoher Sieg des Jndenthums, daß in ihm zeitlich das Wissen und Erkennen zum Durchbruche kam und allgemeines Eigenthum wurde. Samuel errichtete Prophetenschulen und hat sogar der Hierarchie vorgebeugt; der Psalmist sagt daher flöten WrDD pnw WD W WipD, und mit Recht bemerken unsere Weisen hierzu pHNl MO uto bipw, denn durch Samuel war jede Bevorzugung einer Klasse oder eines Standes aufgehoben. Wolle man aber auf die frühern Zustände zurückgehen, warum wird von der andern Seite gegen die D^DDID Einspruch erhoben? So müssen wir doch gerade Opfer, Weihrauch, Altar re. haben. Der Redner kommt nochnrals darauf zurück, wie durch das Aufgeben der hebr. Sprache die h. Schrift selbst uns abhanden kommt, weiset dieses an hellenistischen Juden nach, die ste endlich ganz verloren und in einer andern Religion aufgingen. Er erwähnt endlich, daß die hebr. Sprache durch ihre Ehrwürdigkeit, durch das Andenken, daß in ihr die Offenbarung enthalten, in ihr Gott mit unfern Vätern gesprochen, für uns heilige Klänge haben, die in unser Herz anschtagen, und aus ihm höhere Töne entlocken. Wir haben keinen äußern sinnlichen Kultus, wir haben nicht Kirchenmusik, auch haben wir nicht durch das Auge auf das Innere einwirkende bildliche Denkmäler. Die hebr. Sprache erweckt uns zu Andacht, versetzt uns in eine höhere Stimmung, mahnt uns, daß wir von dem äußern Alltäglichen uns abwenden, und in eine höhere Berührung mit dem höchsten Wefen kommen. Die h. Spr. ist das Instrument, daS wie den Propheten, der da sprach 'h inp, zu höherm Aufschwünge begeistert. Sie muß aus diesen und noch vielen andern Rücksichten erhalten, bewahrt, geschützt und gerettet werden. Sie ist unser Erbtheil, unser Heiügthmn, unser hohes Denkmal, unser theueres Kleinod, sie soll uns verbleiben, liegt in ihrer Haltung eine objektive Nothwendigkeit? Salomon citirt eine Stelle aus dem D'DU2) N"M: Warum entstehen so viele Streitigkeiten unter den Menschen? Weil einer den Andern nicht versteht. So habe F. den Redner vor ihm nicht verstanden. Er stellt nicht in Abrede, daß die hebr. Sprache Wahrheiten enthalte, daß sie religiöses Element sei, aber was kann es helfen, wenn man sie nicht versteht und dies sei der Fall. Die Gemeinden lassen sich nicht mehr auf dieselbe zurückweisen, wie es crus den Adressen hervorgeht. Viele die Hebräisch beten, deren Tagewerk gleichsam von zwei Engeln bewacht liegen, sind keineswegs moralisch. Jolowitz. Es sei auf yox populi unb salus puplica Rücksicht zu nehmen. Das uns Bleibende müsse entscheiden. Die Katholieität und Konformität der Rel. könne nicht darunter leiden. Mayer. Man müsse das Hebr. wegen der Schule so viel als'mögtich meiden; die Schulen sind Anstalten des Staates, der Staat will den Israeliten zum Bürger haben. Er spricht von Dorfschulen, wo die Kinder christliche Schulen besuchen müssen; sie kommen dann ermüdet und ermattet zu den: Religionslehrer. Der Staat stellt Anforderungen an die,Schule, die unmöglich Unit Beibehaltung des Unterrichts im Hebräischen befriedigt werden können. Die Schule zu Frankfurt könne als Beweis dienen, sie sei eine der besten, habe die tüchtigster: Lehrer und sie habe es nicht vermocht, Schiller soweit im Hebräischen zu bringen, daß sie dasselbe verstanden. Man habe die schönere Hälfte der Gemeinde außer Acht gelassen und die religiöse Emancipation der Frauen sei um so nothwendiger, als ihr Einfluß auf die Erziehung so bedeutend sei. Die hebräische Spr. wäre immer nur bei Wenigen Muttersprache; für die Frauen gab es deutsche nttfin, als man es noch für eine Sünde hielt hebräisch zu beten. Nur Eins spräche für das Hebr., daß es ein nationales Band fei und darum solle yDt# beibehalten werden. (Philippson's schöne Rede werden wir später nachtragen.) Cahn: Er danke Gott, daß einstimmig ausgesprochen sei, die hebr. Seite sei gesetzlich nicht nothwendig, es könne dermalen noch nicht ausgeführt werden, aber es muß ein Ideal sein. Er könne nicht begreifen, daß die Sprache ein religiöses Element sein solle. Die Masse verstehe nicht einmal hürw* yüttt* Gegen Frankens Bemerkung ,,Gott" sei nicht gleich „'»ritt" müsse er protestiren. In der vorigen Versammlung sei allgemein der Wunsch ausgesprochen, daß die Eide nur mit dem Namen Gott abgchalten werden sollen; cs empöre ihn, ihn mit \n^ den Vorzug gegeben zu sehen, und F., der selbst ein Werk über den Eid geschrieben, sollte doch diese Ansicht theilen. Er stimme F. bei, daß nicht ein Zeichen nach dem andern herausgerisseu werden dürfe, aber man möge dann einmal bestimmen was ein religiöses Moment sei. — Wir reden nicht für unsere Ehre, wir dürfen uns nichts zu Gute thun, daß wir Rabbiner sind mnan dwuj 'n Dy b |rv> no. — Die Priester waren nie Lehrer, sondern nur Opfer er gewesen. Adler. Wir sind nicht da, um uns sentimental zu stimmen, die Sitzung erinnere an das Losreißen des Sohnes -aus den Armen der Mutter, wo es ebenfalls Thränen giebt. Man spricht von Heiligkeit, aber eine Sprache kann nicht minder heilig sein als die andere.

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