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Der Orient · 1845-07-30 · Heft 31 (30.7.1845) · p. Seite 243

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 31 (30.7.1845)
Date
1845-07-30
Page
Seite 243 (sequence 5)
Language
German
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Wissenschaft die Nothwendigkeit behaupten können^ Die erste Frage wurde mit bedeutender Majorität verneint. Hierauf wurde zur.Diskussion der zweiten Frage geschritten. H ir sch will, die hebräischen Gebete sollen, um die -hebräische Sprache nicht zu verdrängen, beibehalten werden. Zur Kenntniß der Schrift sei das Hebr. nothwendig. Die Uebersetzungen seien mangelhaft. Würde die h. Sprache aus dem Gotteshause verwiesen, so würde sie auch aus der Schule verdrängt. Holdheim glaubt, daß die Sprache als Erhaltung des Judenthttms ein Gesetz hätte Hervorrufen müssen. Die Kommission habe übrigens das Hebräische beibehatten. Die Befürchtung für den Untergang des Judenthums durch Verdrängung der Sprache sei nicht vorhanden. In den Schulen soll sie allerdings bnbehaltelr werden. Herzfeld will die Beibehaltung beider Sprachen; dasGemüth wolle etwas Durckeles nicht Verstandenes. Wechsler wi-lt, daß man die Zukunft nicht auf Kosten der Gegenwart hervorhebe, nicht für unsere Kinder sei allein Rücksicht zu nehmen, auch für die Gegenwart müsse gesorgt werden. Geiger will eine Verletzung der wahren Religion darill finden, -wenn man behauptete, sie wäre üt Gefahr, wenn man nicht in hebr. Sprache betet. Die Sprache sei gerade das Nationale und habe nur als solche Giltigkeit. 3. Sitzung am 17- Iuli. Die Diskussion' wird fortgesetzt. Frankel mtgegnete auf die gestrige Aeußerung Geiger's. Fr au k e l will vor Allem aufmerksam machen, daß Gciger's Schlußworte, das Drängen allf das Hebräische gebe Veranlassung zllnr Schlüsse auf Nationalität etwas enthalten, was durchaus nicht hierher gehöre und vorsichtig vermieden werden soll. Es würde überhaupt von mancheu Seiten die Klage vernommeu, daß das Verlangen nach Reformen auch zum Theil aus dem Wunsche nach C'mancipatien hervorgehe rrnd auf sie eillwirke. Cr wolle hier nicht untersuchen, wie. weit diese Klage gegründet sei; doch müsse es nur als schädlich angesehen werden, wenn mau bei religiösen Fragen zllgteich geneigt sei, das Nationale herkeiznziehen und an diesem jene abzuwägen. Das Religiöse müßte uns ein lebendiges sein, dem manche Opfer zu bringen oder einen Schein, u-ud hier nur einen entfernten Schein, auf sich zu ziehen um« nicht scheuen dürfe. Wenn wir das Hebräische mit aller Kraft beizubehalten wünschen, so läge ihm eine auch nur im Entferntesten', mit der Vaterlandsliebe kollidirende Nationalität nicht zil Grunde. Sehen wir hin aus unsere französischen und holländischen GkaübenSbrüder, die völlig emancipirt, und das Hebräische festhatten. Sehen wir hin, wird ihnen nicht das Zeugniß der treuesten Anhänglichkeit all ihr Vaterland allenthalben gegeben? Der Redner fühle sich daher veranlaßt, die.Versammlung ausiuerksam zu machen allf DD'HTD Dfiin EPS3PU Die Verhandluugetl sind öffentlich und wolle rnau auch der Oeffentlichkeit ihre Nützlichkeit nicht äbsprecheu, so muß doch jede Gelegenheit zu Misverständniffcn vernlieden werden. Es wird auch hier über die Messias- und die Erlösungsfrage verhandelt werden, und der Punkt der Nationalität hier eine große Rolle spielen re. Wenn nun diese so scharf hervorgehoben wird, wird dann nicht daraus erklärt werden, daß jene, die im Gebete Messias unb die Erlösung beibehatten wissen wollen, dem Vaterlande nicht ircn und anhänglich sind? — Werden nicht hierdurch unsere Brüder verdächtigt werden, und mit welchem Unrecht, da wir doch fest überzeugt sind, daß sie innig dem Vaterlande anhängen. —* Wenn ferner Geiger meint, daß obschon das Hebräische ihm eine zweite Muttersprache sei, er sich doch mehr erbaut gefühlt durch deutsche Gebete beim hiesigen Gottesdienste, so soll zwar in die Redlichkeit seiner Worte kein Zweifel gesetzt werden; doch ist ein.solches Sicherbautfühlm nur subjektiv, und das Kriterium für das Subjektive kann nur in dem Gefühle einer Mehrzahl vonSubjekten sich finden. Er fordert also die Mehrzahl der Versammlung, der doch wohl auch das Hebräische zweite Muttersprache- oder wenigstens geläufig ist, er fordert jene Anwesendendie in dieser Sprache häufig beten auf, ob sie nicht in der tiefen, erhebenden und so viele heilige Erinnerungen in sich tragende hebr. Sprache sich mehr als in der deutschen Sprache erbaut fühlen. — Der Redner geht hierauf über auf die Bemerkung, die von andern Seiten gemacht wurde, daß es um das Judenthum schlecht stände, wennsein Bestehen an die hebr. Sprache geknüpft wäre. An die hebr. Sprache allein ist von keiner Seite behauptet worden, allein Religion ist ein heiliges Band, das durch andere kleine Bänder, die zusammen ein Ganzes binden, befestigt -wird. Ist doch Religion ein inneres, göttliches und in jeden: Menschen vorbereitet,' und doch bedarf es Anhaltspunkte, durch die sie unterstützt und erhalten werde. Es stände schlecht um die Religion, wäre-ihrBestehen an j^Dn geknüpft, und doch sind eiue Erinnerung, die bei behalten werden solle. Es stände schlecht um die Religion, wäre ihr Bestehen an Mes-ufa geknüpft, und doch ist Mesusa eine heilige Erinnerung. Es stände schlecht itm die Religion, wenn ihr Bestehen an rten geknüpft wäre, da das Gebet doch überhaupt mit der Ausdruck des Gefühls ist; und doch ist rteil eine heilige erhebende Erinnerung. Und eure solche erhebende Erinnerung liegt in den hebräischen Gebeten. Diese einzelnen Erinnerungen o cremigen sich zu einer großen Geist und Herz erstarkenden Erinnerung; die einzelnen kleinen Bänder zu einem großen Bande. Der Redner wolle nur erinnernan die bekannteF abel von dem Pse-ilenbü-ndel, das nicht zerbrochen werden konnte, jeder- Pfeil für sich aber bald zersplittert wurde und rri-chts von -dem Bündel zurückblieb. Es ist genug aufgelöst, wird ein Besta-ndtheil nach -den: andern vernich- 31 *

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