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Der Orient · 1845-07-23 · Heft 30 (23.7.1845) · p. Seite 239

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 30 (23.7.1845)
Date
1845-07-23
Page
Seite 239 (sequence 13)
Language
German
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Berli n. Zu denjenigen deutschen Männern, welche an den Angelegenheiten der Juden stets einen sehr regen Antheil genommen haben, gehört auch der Seminardirektor Diesterweg in Berlin. Als Mitglied des Kuratoriums der Mendelsohn - Stiftung (für Waisenerziehung) in Berlin, als Lehrer und Bildner vieler jüdischer Volksschullehrer, als ein dem krassen Dogmatismus kräftig widerstrebender Volksschschriftsteller und in seiner socialen Stellung hat er immer sich als einen vorurtheilsfreien, jeder Intoleranz abholden Mann gezeigt, so daß das Gerücht, er habe sich geweigert, die Berliner Petition für die bürgerliche Gleichstellung der Juden an die brandenburgische Provlnzialstände zu unterzeichnen, oder gar seine Unterschrift wieder zurückgenommen, keinen rechten Glauben fand. -— Am 3. Jul: d. I. waren es nun 25 Jahre geworden, seitdem er die Leitung des Seminars in Meurs übernommen hatte. Unvernntthet und überraschend war ihm von seinen Freunden, Kollegen, ehemaligen und jetzigen Schülern eine Feier zum Andenkenan jenem Tag veranstaltet worden Das dieselbe beschließende Festmahl ward durch viele passende Trinksprüche gewürzt. Unter Andern richtete auch Herr Engelmann, Lehrer (Direktor) der jüdischen Gemeindemädchenschule, Worte der Anerkennung an Oresterweg, der sich vorher zu den Grundsätzen eines Rousseau, Pestalozzi und Fichte offen bekannt hatte. Dies gab dem Jubilar Gelegenheit, sich über das Verhältnis; zu den jüdischen Seminaristen auszusprechen, wobei er von Neuem die humane und politische Richtung seines Geistes kund gab. Hamburg, den 8. Juli. Ueber das Debüt des -treuen Zionswächters" lassen Sie mich schweigen; die:.erste Nummer hat selbst vielen Männern der Partei nicht zugesagt. — Der Altonaer Rabbiner ist nach seiner Heimat!) gereist und wird also der Rabbinerversammlung ziemlich nahe sein. Jndeffen wird er kaum in Versuchung gerathen, die Fahne der , 116 die er selbst entfalten half, zu verlassen. Heute reist Herr Dr. Salomon nach Frankfurt a. M., Hr. Dr. Frankfurter wird ihm am Sonnabend Abend eben dahin folgen. Ob -keiner von den Versammelten auf Widerruf der Ausschließung der Laien.antragen wird? Wie diel Gewicht gerade durch die Laien dm Anstrengungen der Reformer ergeben wird, kann man am besten an den protestantischen .Freunden in Köthen, Magdeburg, Halle, Königsberg und Breslau.ersehen. — Von durchreisenden Fremden -erwähnen wir Herrn Hofagenten .Czernikow aus Sondershausen und Hrrn Dr. Behr aus Dresden, die sich um die dortigen Gemeindeangelegenheiten sehr verdient gemacht haben. C. * * 1) Literatur. Wilh. v on CH ezy. Der fromme Jude. Eine Familiengeschichte unserer Lage. ÄLHeile. S.tuttg. Frankh. 5 Lhlr. — 2) Gesenius hebr. Elementarbuch. LH.!. Grammatik. Heraugeg. v. E» Rödiger. .14. Auflage. (20 Bogen). Leipzig. Renger. Z Lhlr.— 3) Der neulich erwähnte Dietr. Krüger, Lehrer der Mathematik in Wolfenbüttel, hat seine Beleuchtung der Herzseldschen Mesflaslehre (IV u. 17 S.) in Madgeburg (24 Sgr.) erscheinen lassen.— 4) Das neue Werk von Sachs über die religiöse Poesie der Juden in Spanien ift.YUI 347 u. SS. stärkend kostet izThlr. Die Rabbiner haben es doch weit gebracht. Findet man ja sogar in der neuesten Jllustrirten Zeitung einen Artikel über Dr. Adler's Wahl in London, mit einem, wie es heißt, sehr unähnlichen Porträt des Gefeierten und einem schon vor mehreren Monaten in den Londoner lliustrated Neivs abgedruck'tcn Raisonnement. So gehören also schon orthodoxe Rabbiner der eleganten Welt an. * * * Wien. Drei Uebersetzungen der täglichen Gebete (Lesillot Israel) erscheinen jetzt in der hiesigen berühmten hebräischen- Druckerei, die der Erwähnung rverth sind, nämlich 1) mit einer neuen italienischen Ueberfetzung von Lelio della L orre in Padua; 2) mit einer ungarischen Uebersetzung, von Moritz Rosenthal und 3) mit einer böhmischen Uebersetzung von einem Ungenannten. Durch dergleichen Uebersetzungen wird bekanntlich am Besten zur Befreundung der Israeliten mit dm Völkern, unter denen sie leben, beigetragen. * * * Preußen. Wie kürzlich in Posen Herr Mamroth, so ist jetzt auch in Lilsit zum ersten Male ein Jude, Herr I. Lebegott, zum Stadtverordneten erwählt worden. — Herr Dr. Falksohn in Königsberg ist vom Kultusminister und vom Könige selbst wegen Eingehung einer Ehe mit einer Christin abschlägig beschieden worden. Altona. Hier sollen sich eine Anzahl Aerzte (darunter eine sehr hervorragende Notabilität) und Kaufleute den Berliner Neforwfreunden angeschlossen-haben. Ueber die Juden in Wien. In Nr. 11 des Sabbath-Blattes liefert Hr. Dr. Wesssely eine Bemerkung, worin er den Aufenthalt der Juden in Wien urkundlich in die Mitte des 12. Jahrhunderts setzt; dieser Bemerkung fühlen wir-uns bewußt zu entgegnen, daß schon im 9. Jahrhundert-Juden in Wien urkundlich nachzuweisen sind, und zwar findet sich erstens eine Stelle in Wefchel „die Leopoldstad t bei Wien" S. 257. In Oesterreich finden wir schon unter den karolingischen Herrschern der Juden erwähnt rc. Aber auch beiHormayr, den Hr.Dr. W. nicht hätte übersehen sollen, heißt es 2. B. 154 „Seit den Karolingern sind Juden in Oesterreich urkundlich erweislich. In der Zoll-Schiffsahrts- und Stappelordnung Ludwigs des Kindes von 906 für Slaven und Baiern auf der Donau, Lrain, Ens heißt es: „Qui ad niercatuni Moraroruni vult ire, soliduni s.ulvjLt de navi tune transeat. Mercatores judaei undecunque sint solvant justuni itedoneum de rebus et

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