Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1845)
- Date
- 1845-07-23
- Page
- Seite 236 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 236 - entschieden habe. . Liegt es aber am Vorsteher, der vielleicht des Friedens wegen zu dieser Wahl seine Zustimmung .gab, daß dieser Beschluß noch nicht zur Ausführung kam? Rühren nicht die hemmenden Schwierigkeiten, die Einsprüche in die, von den Repräsentanten gefaßten Beschlüsse hierin, von eurem Amte her, das beide Kollegien, damit sie sich gegenseitig in ihren Rechten nicht beeinträchtigen, überwacht? — Nichts ist leichter in der Wett, als über die Handlungsweise eines hohem Beaurten abzuurtheilen, ihm vielleicht gar ein büreaukratisches Verfahren, statt auf das Gemeinwohl bedacht zu sein, vorzühalten, weil ein Urtheil in der Regel, einige Anerkenner und beifällige Zustimmungen für sich hat; ob es aber nicht der Einseitigkeit verfällt und ungerecht wird, nicht Spuren der Gehässigkeit an sich trägt, steht noch sehr in Frage. — Wir leben jetzt in einer Zeit, in welcher die Leichtgläubigkeit sich aus den: gesunden Volksfknn immer mehr verliert, dieser läßt sich nicht mehr so leicht durch ein blendendes Brillantfeuer, wie ehedem täuschen; wir dürfen daher nur herumfragen, und das befriedigendste Resultat wird uns über den gegeben werden, über welchen gedachter Korrespondent so einseitg äburtheilt. — Jedoch stimme ich mit demselben, in Hinsicht der Vernachlässigung der Angelegenheiten unserer Gemeinde ganz überein, wenn ich auch über die Motive hierzu, mit Recht, ganz anderer Meinung bin. Wir dürfen, vorweg, weder auf die Besetzung der seit achtzehn Jahren erledigten Rabbinerstelle, noch auf die Einweihung der Synagoge rechnen, beide liegen noch sehr in dubio. Wird erst der alte Schlendrian seinen Höhepunkt erreicht haben, dann wird er wohl auf der schroffen Hohe das Gleichgewicht verlieren und hinabstürzen, gleich Babel, in das lodernde Feuer der Zeitbewegung, dort wird er sich ganz verzehren, und aus seiner Asche wird, gleich einem Phonir, die längst ersehnte Thäiigkeit, die der Verwaltung nnfcrcr Gemeinde heilsam wäre, erstehen. — Dies zur Steuer der Wahrheit. Oesterreich. Eperies, 1. Jul. Der Fortschritt unter den ungarischen Juden ist ein ungleichartiger und an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten sich zeigender. Man darf die Bildung und das rege Leben der ungarischen Juden nicht nach den Hauptstädten Preßburg und Pesth, sondern nach den kleinen Gemeinden, die ihre Scherflein zur Hebung des Judenthums beitragen, beurtheilen. Unsere kleine Gemeinde kann den schlagendsten Beweis dazu liefern. Schwach an Mitteln ttnb klein an Zahl hat sie doch bereits unter den bessern Gemeinden Ungarns eine schone Stelle sich errungen. Die Jugend, unterstützt von dem verdieustreicheu H olläud er, — einem Manne, den man den ungarischen Jakobson nennen könnte — hat in ihrem regen Sinne und mit ihrem empfänglichen Gemüthe das Gute angeregt und ausgeführt. Ihr haben wir einen ausgezeichneten Prediger in der Person des. Herrn Dr. Schiller.zu danken, der unermüdlich tut Sinne eines gemäßigten Fortschritts neues Leben in die Gemeinde zu bringen sucht. Er ist vielleicht der erste (?) ungarische Prediger, der die Konfirmation , eingesührt, die einen erhebenden Eindruck auf die ganze Gemeinde machte. Das eminente Rednertalent des Hrn. Sch. hat ihm die Anerkennung der ungarischen Presse verschafft. Am Geburtsfeste unseres Landesvaters hielt Hr. Sch. eine Rede, die großes Aufsehen erregte, und aus welcher die meisten. ungarischen Journale Auszüge trachten. Der Jugend haben wir ferner einen Lese- Verein zu danken, der uns mit der jüdischen Presse bekannt macht. So kann mit geringen Mitteln der gute Wille und die Energie manches Gute zu Tage fördern. Möge unser würdiger Prediger schöne Erfahrungen aus der R.-V. bringen, um sie zum Heile unserer Gemeinde anzuwenden. Frankreich. Paris, Juni. Hr. Gustav Halphen, Konsul der hohen Pforte zu Paris, hat vom Kaiser Abdul-Messid den Jftichar-Orden (Nischani-Jstichar) erhalten. — Am 16. Juni hat die Konfirmation von 12 Knaben und 22 Mädchen im konsistorialeu Tempel zu Paris stattgestmden. Die Reden des Oberrabbiners und des Herrn Albert Ko hu haben einen tiefen Eindruck ans die zahlreichen Zuhörer gemacht. — Herr Albert Kehn soll im Begriffe sein, sich nach Algier zu begeben , um die religiösen und moralischen Bedürfnisse der Inden jenes Landes kennen zu lernen und dort mit dem Unterricht der Jugend sich zu beschäftigen. — Während em französischer Israelit nach Afrika geht, um dahin das Licht der Bildung und der Religion zu bringen, sind sieten älgierische Juden hier angekommen, nur Eis und Limonade feitzübieten. — Am 10. Juni, den ersten Abend : des Schabuot-Festes, wurde ein neues Gotteshaus in Rouen eingeweiht. (L’Univ. Isiv) Die ersten Regungen einer demtfch - jWifcheM Kirche. XVIII. Die gegenwärtige Bewegung im Judenthnin und Stern in Berlin. . (Schluß.) Außer dem religiösen Bedürfnisse aber, sollen auch nach