Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1845)
- Date
- 1845-07-16
- Page
- Seite 228 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 228 - mus hielt sie/von einer Versammlung fern, in welcher viele Männer mit einem Anstriche von subversiven Grundsätzen weilten. Nach anderer Version war der gleichzeitige |Dp *1131 Dl1;uub die damit verbundene Enthaltsamkeit von Champagner re. schuld. Gott weiß es am Besten. Herrn Engelmann soll sogar ein Verweis von Seiten des Rabbinats zugegangen sein , worauf er, wie man nach sehr unverbürgter Nachricht erzählt, geantwortet: mtyn ‘min runs >6 (d. h. für Engelmänner giebt cs keine Thorheit). -— Von Herrn Dr. Sachs ist ein Buch erschienen, daß von der Kenntniß und dem Geschmacke des Verfassers zeigen soll. Jedoch will es uns bedünken, als wäre für ihn jetzt eine Zeit zu andern Dingen, als zu Beschaulichkeit übers Mittelalter. Die gefahrvollen Erscheinungen des Tages fordern eitlen Kämpfer, einen Vertheidiger des Glaubens, sie fordern einen Stoß Ln die Posaune, der durch ganz Deutschland hörbar wird, sie fordern namentlich von ihm, der durch sein Werben für das Extrem mitschuldig am Hervorruf der Reformwünsche ist, ein kräftiges Auftreten zum Schutz der bedrohten Satzungen, sie fordern ihn auf, sich rnuthig ur das stürmende Meer der Leidenschaft zu werfen und das schwache Schifslein mit kühner Hand zu lenken, und er — sitzt am Ufer und singt! Stettin, im Juli. Audiatur et altera pars.— In Nr. 26 dieser geschätzten Blätter befindet sich meiner Korrespondenz aus Prag vom 15. Juli ein eben so hämischer als boshafter Angriff auf den hiesigen Rabbiner Herrn Dr. Meiscll, indem darin als Motiv der Ablehnung der Pre^igerstelle zu Prag, eine Gehaltszulage von 200 Thlr. in Stettin angegeben wird. — Der Herr Berichterstatter scheint zu denen zu gehören, die eine Sache nur einseitig aufzufassen vermögen, er scheint den Spruch *iy T*on na pn nicht, zu kennen, sonst würde er nicht etwas behaupten, was zu sehr das Gepräge der Unwahrscheinlichst an der Stirne trägt, als das es Jemand — hier zu Lande mindestens — glauben könnte. — Ohne den Werth oder Unwerth der Predigten des Herrn Dr. Mcisel hier zu berühren — darüber haben sich bereits sachkundigere Männer als es der Herr Berichterstatter zu sein scheint ausgesprochen — bemerken wir nur, daß der Herr Dr. M. wiederholentlich und so dringend um Entlassung vom hiesigen Nabbinate und Aufhebung des hiesigen Kontrakts gebeten hat, bis es ihm von Seiten der Gemeinde hier durch Gencralbeschluß sämmtlicher Mitglieder mit ernstlicher Bestimmtheit abgeschlagen worden, wenngleich ihm ,■ gleichzeitig eine Gehaltszulage —- ohne daß er solche beansprucht — bewilligt ist. — Daß nun der Herr Dr. M. die -hiesige Gemeinde nicht ohne deren Einwilligung verlassen kann, ist eben so klar, als daß er unter solchen Umständen die Predigerstelle in Prag ablehncn mußte. — Es ist also nicht schnöder Geldgewinn , der Herrn Dr. M. hier^zurückhält, wie der Berichterstatter in Nr. 26 sich vielleicht in irgend 'einem Winkel der Judenstadt erträumt hat, sondern nur die Unmöglichkeit, die Auflösung seiner hiesigen Verbindlichkeit züerlangen, und nur unter der Bedingung, daß die Entlassung hier gewährt werde, wollte ja Hr. Dr. M. nach Prag, gehen. — Wr den höchst achtungswerthcn Charakter des Herrn Dr. M. kennt, wer es weiß, welches Ansehen derselbe nicht nur hier, sondern bereits in der Provinz bei Jedem ohne Unterschied der Konfession genießt, so daß selbst hochgestellte christliche Männer die hiesige Gemeinde in ihrem Beschlüsse bestärkt haben, der wird die beregte Korrespondenz aus Prag gebührend, als das was sie ist — zu würdigen wissen. — Beuthen, 24. Juni. (Offenes Schreiben an-den Gutsbesitzer Herrn Mendel Berliner in Zülz.) Sie haben, wie an viele Gemeinden Oberschlesiens, auch an die hiesige Gemeinde ein Cirkutarschteiben gesandt, in welchem Sie anzeigen, daß Sie sich vom rabbinischen Judenthnme losgesagt und den Reform-Vereinen zu Berlin und Breslau angeschlofsen haben. Um für die Reform zu wirken, muthen Sie den Gemeinde-Vorständen zu — fern von Proselytenmacherei (?) —■ durch Auslegung von Subskriptionslisten für die Reform Truppen zu werben. Dies Ihr Schreiben hat nun der hiesige löbliche Vorstand auch nur zur Kenntnisnahme zukommen lassen, und ich kann nicht umhin, einige Worte als Entgegnung an Sie zu richten. Ich bin, wie Sie vielleicht wissen oder nicht'.wissen, Ihr Landsmann, und habe daher die. Ehre., Sie von Ihrer frühesten Kindheit an sehr genau zu kennen. Ich weiß nun ganz gewiß und sicher, daß Sie durchaus nicht befähigt sind, das rabbinische Judenthum dergestalt zu begreifen, um es gehörig würdigen und richtig beurtheilm zu können; vielweniger noch sind Sie berufen, sich in religiöse Angelegenheiten zu mischen und irgend eine Reformbewegung im Judenthmue zu vertreten. Es ist ein gewaltiger Jrrthmn, zu glauben, daß man, wie den Mammon, ebenso Kenntniß und Einsicht durch blinden Zufall des Glückes oder Schacher erlangen könne; ebensowenig läßt sich das Judenthum, gleich einem Landgute, mir nichts dir nichts dismembnren, um einen schö- .nen Theil dabei zu gewinnen.— Zum Reformiren gehört wahrlich mehr als der Besitz einer Tonne Gvldes.' Wenn Sie sich für Ihre Person vom rabbinischen Judenthnme lossagen, so ist dies etwas, sehr Gleichgiltigcs. Sie können sich in Gottes Namen, wenn es Ihnen beliebt, vom Judenthnme überhaupt lossagen, — existirt ja im Grunde vorläufig kein anderes Judenthrm als das rabbinische, — das Judenthum wird sich tifcr derartige Verluste zu trösten wissen. Wenn Sie abr, um sich wichtig zu machen, als Reformer auftreten, md durch Ihren Einfluß ganze Gemeinden dem rabbinisten Judenthnrste abwendig machen zu können vermeinen / so