Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1845)
- Date
- 1845-07-16
- Page
- Seite 226 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 228 - einen großen Hu n d zur Bewachung an die Seite gegeben. Trotz dieser Bewachung sei aber das Opftr, na/hdem cs einen Rosenkranz gebetet, durch ein ganz enges Loch, das es selbst in die Mauer gemacht, dem Kerker und dem Hunde entschlüpft und durch die Lüfte nach Eichstädt cutkommen. Es trat sogar ein Zeuge auf, der den Protestanten und Ungläubigen zum Trotz und in's Gesicht behauptete, mit eignen Augen die neue Heilige durch die Lüste fliegen gesehen zu haben! Nur über den wichtigcu Umstand vermochte sich die Frau nicht zu erklären, warum sie, .als. ihr Kind vermißtward, nicht sogleich, sondern erst 16 Tage später Lärm und gerichtliche Anzeige gemacht habe. S ch i llein drang darauf in einer von dem Advokaten Dr. Grein er -abgefaßten, kräftigen Eingabe bei dem Hm. Regierungspräsidenten zu Ansbach auf strenge, unnachsichtliche Untersuchung, deren Resultat seiner Zeit der Oeffenllichkeit übergeben werden soll. — Die„Dorfztg." ist nun freilich mit jedem Vernünftigen der Meinung: „mit einem Kinde lasse sich ein so rafstnirter Betrug nicht durchführen"'; allein sie vergißt nicht, vorbauend zu bemerken: „der Jude stehe einem Kinde gegenüber^, und zugleich zum Tröste beizufügcn: „allein starke Jndieien werden haften bleiben" — was, in'S Lateinische übersetzt, lautet: „semper aliqnici liaerel“! Hierin nun hat die „Dorfztg." wohl recht; eine'uralte Erfahrung steht ihr da zur Seite. Minder glücklich ist sie jedoch mit der Behauptung: die aus der „Deutschen Allg. Ztg." in die Journale übergegangme Darstellung sei „offenbar aus jüdischer Feder geflossen^, insofern dadurch die Glaubwürdigkeit de§ fraglichen Berichts, der „christlichen" Feder der „Dorfztg." gegenüber, in Zweifel gestellt werden soll. Der Schartekenautorität des Dr. Ghillany, des wichtigsten Gewährsmannes und Bundesgenossen des alten WeibeS und der „Dorfztg.", stehen christliche Autoritäten ersten Ranges gegenüber, die das alte, ursprünglich voll H e i d en aus Ehr i st e ll h a ß zirm Nachtheil der Christen erfundene Mährehen für abgeschmackt und verläumderisch erklären. Wir zählen hierher: die Päbste Gregor IX. (Bulle v. 1235) und Innoeenz IV. (Bulle v. 1247), die Kaiser Rudolph von Habsburg*), Frieder ich III. u. A., St. Bernhard, Pietro Moeenig o, Doge von Venedig (Dekret v. 22. April 1475), Gabazeo und Sforza, Herzoge vor: Mailand, Dr. Martin Luther, Wagenseil, S ori- *) Rudolph von Habsburg schrieb (1275) unterste betreffende (im Stadtarchiv zu Köln im Originale aufbewahrtc) Bulle Jnnocenz' VV. folgende Worte: „Rudolphus, Rex Romanorum, confinnerct fodane Freyheit, also Gregorius und Janocentius denen Joden gegeven Hand, und dat dat eynt waer en ft), bat enuige Kristen sagen, dat de Joden von eyme ä^ertze ezns Kyndes eomrnunieeren up eren Paschen Dach". nenfels, Kortholdt, Basnage, die theologisch e F aku l tat zu Leipzig (Gutachten v. 8. Mai 1714), und von unfern Zeitgenossen den Hofprediger Veit, den Bischof Dräseke, von Schubert, von Meyer, Neander, Molitor*), Abbe Ratisb o n n e, M' Ca n l, A Y e rst, H i tz i g und H ärin g. Die beiden letztem werden freilich , soweit sie sich irrthümlich (im I. Theit ihres „neuert Pitaval") zum Nachtheil der Juden ausgesprochen, von Hrn. Ghillany in seiner Schrift: „Das Jndertthum und die Kritik" angeführt; allein von der (an der Spitze des II. Theits) von eben diesen beiden berühmten Männern gegebenen berichtigenden Erklärung nahm Hr. Ghillany gleichwohl an§ purer Wahrheitsliebe keine Notiz, obgleich diese Erklärung ein Jahr vor Herr Gh's. Schrift erschienen war. Ob der Rückzug gewisser Leute auS der Broschürenliteratur, wo sie eben kein Glück machten, in die „Dorfztg." von einigem Erfolge begleitet sein wird, wollet: wir vorerst dahingestellt sein lassen. — F. I. Berlin, 4. Juli. Vor einigen Taget: erschietr in der Vossischen Zeitmtg der Jahresbericht über das Moses Mcndelssohn'sche Waisenerziehungs -Institut. Diese Stiftung, welche z:: Ehren Moses Mendelssohns an seinem hundertsten Geburtstag ins Leben trat, hat sich zur Allfgabe gestellt, den von ihr adoptirten Waisen die ihnen entrissenen Eltert: durch Pflegeelten möglichst zu ersetzen. Die armen Kinder sollen im Schooße sittlich gepri'lfter Familen Liebe und Sorgfalt für die Gegenwart, Theilname für ihre Zukunft finden, statt daß sie, wie leider noch so viele andere Waisen, in eine allgemeine Verzerranstatt gesteckt werden, wo daS schwache Wesen, ohne Rücksicht auf seine natürliche Kraft und Anlage, aus das ProkrustuSbett der DiSeiplin gespannt wird. Wie traurig sind die Bilder, welche den fühlen- *) Der berühmte Verfasser der „Philosophie der Geschichte" äußert sich, nachdem er verschiedene Celebrita'ten angeführt, am Schlüsse seiner Erklärung in folgenden Worten: „Nach so zahlreichen und unzweideutigen Argumenten, nach so vielen und gewichtigen Stimmen bleibt mir nichts mehr zu thun übrig, als mich der Erklärung des Herrn Hofpredigers Veit unbedingt anzufchließen und mit reinem Gewissen, ohne irgend Trug oder Rückhalt, die Hände zu dem Allmächtigen zu erheben und feierlich zu erklären und zu betheuern, daß ich niemals mündlich oder schriftlich, oder auf irgend einem andern Wege von den Juden irgend etwas vernommen oder erfahren habe, was der Beschuldigung, als bedienten sie sich des Mcnschenblutes zu irgend einem religiösen ceremonialen Gebrauche, auch nur zum entferntesten Vorwände, vielweniger zur Rechtfertigung dienen könnte; daß mir vielmehr bewußt ist, wie den Juden aller Blutgenuß überhaupt strengstens durch ihr Gesetz untersagt ist. . Diese Erklärung habe ich auf Verlangen gegeben, unter Anrufung des Allerhöchsten, des Gottes der Wahrheit und der Liebe, und ich behaupte sie für die reine, unverfälschte Wahrheit meines Messens und meiner Ueberzeugung". -