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Der Orient · 1845-07-16 · Heft 29 (16.7.1845) · p. Seite 225

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 29 (16.7.1845)
Date
1845-07-16
Page
Seite 225 (sequence 1)
Language
German
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Sechster rie«t Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Hahr» für Mische Geschichte und Literatur« Herausgegeben von Nr« Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich dasLiteraturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. M 3H» Leipzig, den 16. Juli 184&» Inhalt. Deutschland. Frankfurt a. M. Die blutschnaubende Dorfz. Die Blutbeschuldigung in Thalmesskngen. Hr. Ghillany, der letzte Vlutritter. Berlin. Das Mendelsohn'sche Waiseninstitut. Die Einrichtung der Waiseninstitute. Anti-Resorm-Verein. Ein hilfsbedürftiger Gegner der Genossenschaft. Diester weg's Jubiläum und der Jom-Kippur katan. Hr. Sachs singt und die Gemeinde sinkt. Stettin. Verteidigung Meisel's. Veuthen. Sendschreiben an den Gutsbesitzer Berliner. Schachergeschafte mit Reformerei. Aus Würtemberg. Die Verhandlungen über die Judenfrage. — Erörterung der von dem Rabbiner-Ausschuß gemachten 14 Anträge. Medicinisch-polizeiliche Reformen. ■— Personalchronik und Miscellen. Polit. und bürgerl. Verhältnisse der Juden. — LV. d. Or. Deutschland. Frankfurt, er. M., 27. Juni. Die „Dorfztg." Nr. 108 meldet „aus Briefen", sie habe „von ganz glaubwürdigen Reisenden", die jedoch nicht etwa als Augenzeugen austretm, sondern blos „Erkundigungen ein gezogen haben": die Unschuld des Juden, der, wie nach der „Deutschen Altg. Ztg." die „O.P.A.Z." und die meisten deutschen Blätter berichtet, von einem alten Weibe beschuldigt worden, ein Christenkind geraubt zu haben re., sei „bis jetzt keine s w e g s d ar g e t h a n", indem d i e U n ters u ch u u g noch fortdanere, welche, wenn nicht ein Betrug hinter der Sache stecke, für einen „im Stillen fortschteichenden neuen (!?) jüdischen Fanatismus" einen B eleg liefern werde. Dabei wird die Geschichte möglichst ausgeputzt und von den nicht ganz glaublichen, mit der Dennlleiation jedoch ursprünglich verbunden gewesenen Wundermährchen gereinigt, nach der mehr als einseitigen Anklage im Advokatenstvl referirt, ohne daß auch nur ein Wort von dem erwähnt wird, was der Jude zu. seiner Verth eidigung vorbringt. Wie weit es gesetzlich erlaubt ist, einseitige Aktenstücke Mls einer noch anhängigen Untersuchung zum Nachtheil der einen Partei zu veröffentlichen, kann hier, wo wir es blos mit der moralischen Seite des Verfahrens der „Dorfztg." zu thun haben, füglich uuerörtet bleiben; aber die deutsche Presse, sofern sie nicht von dem Priucipalen der „Dorfztg." iuftuirt ist, wird sich gewiß mit Abschell von einer Methode wegwendeu, bei welcher kein ehrlicher Mann seines guten Namens sicher ist, indem er täglich von irgend einem Feinde, oder auch von einer gewissen Sorte von Spekulanten, deren welche wir, wenn es uns beliebt, mit Namen nennen dürfen, eines entehrenden Verbrechens bezüchtigt werden könnte, und während anf sein eignes Betreiben — gerade wie es hier bei dem Juden der Fall ist — die Untersuchung vor sich ginge, gäbe dann eine Zeitung mittlerweile den ganzen Skandal in ihren Spalten, mit der naiven Bemerkung, daß die Unschuld des Verleumdeten sich dermalen „noch nicht dargethan" habe! Hier einiges Thatsächliche aus den Akten, wobei wir ebenfalls nur die Anklage, wie sie aktcllmäßig vorliegt, reden lassen. Am 12. Mai d. I. erzählte eine Frau zuerst auf der Straße einem versammelten Volkshaufen, der Jude Moses Schi! lein ans Thalmcssingen sei am 2 7. April, von Eichstädt nach Thalinessingen zurückfahrend , an ihrer 12jährigen Tochter vorübergekommen, habe dieselbe sofort, unter der Drohung, sie, wenn sie Geschrei erhebe, mit dem in seiner Hand befindlichen Dolch zu ermorden, in seinen Wagen genommen r;nd da so fest unter das sogen. „Spritzleder" gepreßt, daß'sie, eng gepackt, keinen-Laut habe von sich geben können. ~ Dies alles habe sich am hellen Tage auf der Landstraße in der Nähe von Eichstädt zugetragen, ohne daß Jemalld den frechen Mädchenraub belnerkt und verhindert hätte. In seiner Wohllung angekommeu, habe der Jude das Mädchen in die Scheune gesperrt und ihr 29

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