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Der Orient · 1845-07-09 · 28 (9.7.1845) · p. Spalte 441-442

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
28 (9.7.1845)
Date
1845-07-09
Page
Spalte 441-442 (sequence 5)
Language
German
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441 442 Kritiken. Apologetik im Judenthum. tere der Personen in d. h. Schr. auf jede Art herauszustreichen und ihre Flecken fortzuschaffen, ja selbst die offenbar an manchen nachgewiesenen Fehler in günstigeres Licht zu stellen, und umgekehrt den Sündern und schlechten Charakteren alles Häßliche aufzubürden. Solchen Reden, die nur eine moralische Wirkung beabsichtigten, lag keine Tradition zum Grunde, so wenig wie'denen, in welchen sogar die frommen Charaktere mitunter als sündhafte Menschen geschildert worden. In allen herrscht nur die Phantasie vor, welche vielerlei Wege einschlägt, um das Gemüth zu erbauen. Auf gleiche Weise hat man über die öftere Gleichstellung verschiedener Charaktere zu urtheilen, wie z. B. daß Esra und Maleachi, Hatach und Daniel, Mardechai und Petachja re. eine Person seien. Das beweist sich noch besonders aus -der Verwunderung des Talmuds; über eine solche Gleichung 3323. 91 a, wo der Sinn nicht sogleich in die Augen springt. — Eben so läßt sich die Hagada öfters herbei, die Namen zu allerlei Anspielungen zu benutzen und zu moralischen Zwecken auszulegen. Sinnreich erklärte der Verf. den Drusch , daß stets Leidensgeschichten, und nST! immer "frohe Aussichten beginne; er meinte, die Talmudjsten hätten, oft durch hinzugefügre Hyperbeln, auf Israels Leiden in der Geschichte recht ernstlich Hinweisen, und sie als Prüfungen hinstellen wollen, während sie alle Verkündigungen der Zukunft als frohe Hoffnungen bezeichnen, denen sich Israel ganz überlassen soll. Als methodische Mittel bezeichnet der Vers. 1) allerlei allgemeine Grundsätze über die göttliche Weltregierung und die moralischem Folgen mancher Handlungen u. dergl.z solche Sätze sind wiederum nur nach ihrem Geiste auszufassen; 2) Veränderung eines Wortes d. h. Schr. durch die Formel frOpft u. s. w. als Hilfsmittel fürs Gedächtniß; 3) absichtliche Uebertreidungm zur Weckung der Aufmerksamkeit; dahin gehören auch viele in den Midraschim aufbewahrte Reden und Dialogen, und insbesondere die dort häufigen Vorträge auf Texte, die mit r)DD bezeichnet werden. 4) Die Metapher, die Allegorie und Allusion, unter welche Rubriken viele scheinbar unnatürliche Darstellungen zu rechnen sind. Die Wundererzahlungen will zwar der Verf. durchaus als wirklich geschehene Th atsuchen angesehenwiffen, aber doch weist er die Meinung vieler angesehenen Autoritäten, daß manche davon lediglich Visionen sein mögen, nicht ganz zurück. 5) Parabeln, Fabeln und Erzählungen aller Art, letztere öfters an biblische Personen angeknüpft, ohne geschichtlichen Inhalt, öfters auch von Naturgegenständen und sogar von Buchstaben. 6) Allgemeine Zahlen zur Bezeichnung starker Quantitäten, z. B. 13 oder 60, oder 300 tu s. w. Schließlich bemerkt der Vers., daß die Erwähnungen von bösen und schädlichen Geistern im Talmud keinesweges hieher zu rechnen, vielmehr als den Glauben der alten Lehrer gemäß anzusehen sind, welche sowohl Umgang mit Geistern hatten, als auch astrologische Deutungen, Traumverkündigungen' und medicinische Sympathien für wahr annahmen. Man sieht aus dieser gedrängten UebersichL desGesammtinhaltes der Talmude, welche der Verf. mit reichen Citaten begleitet, daß seine -Ansicht, die Hagada sei lauter Tradition, sich während der Darstellung derselben sich sehr modisicirt, indem sie weder Tradition von Sinai her, noch immer reine Lehre der Wahrheit sei, sondern je nach der Bildungsstufe der Verfasser Irrthum und Wahres vermenge , wiewohl stets im Geiste der echten Tradition und überall zu den edelsten Zwecken. Der Vers, scheint indeß nicht wahrzunehmen, daß die Autorität durch die Anerkennung des Irrthums in der Hagada von selbst leidet, und andrerseits die Kritik auffordert, die reine Tradition zu sichten. Vielleicht indeß hat er selbst, da er die Kritik oft genug übt, seine Berufsgenofsen auf schonendem Wege darauf verweisen wollen, was wir dahingestellt sein lassen. (Beschluß folgt.) * Apologetik im Jndenthuw. 29) Enthalten unsere biblischen Schriften wirklich nicht die Lehren, welche ihnen häufig abgefprochen werden? Eine Predigt, gehalten am Sabbat Behar, 24. Mai d. I. von Dr. H e r zfe ld, braunschw. Landrabb. Braunschweig, 1845. 8. G. C. E. Meyer sen. Hr. Herzfeld hat ein Recht, für seine dogmatischen Predigten eineKheilnahme in den bessern jüd. Journalen zu beanspruchen, um so mehr, als die Orthodoxerer ihn so schonungslos und 'inhuman angreift. In Frankens Zeitschrift hat ihn nämlich ein jüdischer Handwerker aus Prag, der „schw ar ze Hir sch" genannt, welcher unter Frankens Leitung sich zum böhmischen Golem ausbildet, auf eine Weise kritisirt, die jeden Gebildeten anwidert. In dieser Predigt wird das Verhaltniß der jüdischen und christlichen Religion zu einander erörtert, ein Thema, wie Hr. H. selbst sagt, das auf jüdischen Kanzeln noch etwas Ungewohntes ist, aber durch unser Streben, uns inniger den Völkern christlicher Religion anzuschließen, immer nothwendiger erscheint. Keine Zeit drängt uns so sehr zum richtigen Verständniß des unterscheidenden Moments der zwei Religionen, der jüdischen und christlichen, als die Gegenwart, wo wir unmittelbar vom Christenthum umschlossen und durchdrungen werden, wo wir durch eine maaßlose Skepsis in einer partikularistischen Anschauung des Iudentbums keine Seelenruhe, keine Begeisterung, keinen Frieden finden, und nur ein richtiges Verständniß beider Religionen uns Noth thut. So war es immer, wenn der Jude seine Welt, sein Ghetto verlassen und der Welt sich angeschlossen; da hat er das Verständniß der monotheistischen Religionen gesucht und deren Besprechung in den Kreis seiner heiligsten Interessen gezogen. Als inr arabischen Irak und in Persien von 750 bis 950 das Iudenthum aus seiner Isolirtheit herausgetreten, und im aufglänzendem Karäismus, der in diesen zwei Jahrhunderten sein goldnes Zeitalter feierte, und im entwickelten Rabbinismus, die Schranken seiner Beschränktheit gebrochen, da war auch die

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