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Der Orient · 1845-07-09 · Heft 28 (9.7.1845) · p. Seite 223

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 28 (9.7.1845)
Date
1845-07-09
Page
Seite 223 (sequence 13)
Language
German
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223 Leitwilligkeit einer isr. Bevölkerung von 2—3000 Individuen {entgegen sieht, indem ihr Lebenswandel der unbescholtenste und ihr Gewerb der meist gewünschte ist. Denn außer denreichen Spekulanten und Kaufleuten finden wir hier bei dem Mittelstände Gewerbfleißtreibende in allen Zweigen, die dem gegenwärtigen kritischen Schutzvereine sehr willkommen sind. Die Gemeinde besitzt bereits einen kleinen Tempel, der keineswegs die schon überhäufte Zahl zu fassen im Stande ist, wo der Gottesdienst in stiller Andacht von einem Vorbeter, der allen überflüssigen Gesang meiden muß, abgehalten wird. Allein noch nmßten wir einen Schwarm von *>d hören, die aber hier um so mehr einzuräumen sind, da die Gemeinde jung, also Bedürfnissr in Fülle hat, und da daselbst kein -poty ohne eine Spende zu irgend einem wohlthätigen Zwecke erfolgt. So hat Herr I. Adler einen Leichenwagen im Werthe von 7—-800 fl. gespendet; Herr I. Sugar für den anfAktien zu erbauenden großartigen Tempel ein NDN^'im Werthe-von 200 fl. und .solche neuerdings mit 250 fl. zum Bau des tnpn jm vermehrt. Die Ntsrnp mati, welcher von der Stadt ein Gottesacker unentgeldlich ertheilt wurde, ist eben mit der Ausführung des Planes beschäftigt, ein PIN pNL Häuschen mit Verbindung eines Leichenhauses aufzuführen, um welche der energische H.S. Grün, der zur Aufführung einer Mauer 50 fl. gespendet, sich genügsame Verdienste erworben. Die Lehrfchule, der man freilich ansieht beit Mangel eines tüchtigen geistigen Hauptes, steht wohl im Werke; der aber mit dem Bau des neuen Tempels, an welchen sich das Schullokal mit Wohnungen für Lehrer anschließen soll, eine bedeutende Zukunft zu hoffen steht, da auch dann zur Wahl eines modernen geistlichen Hauptes geschritten werden wird. Als Schule für Erwachsene müffen wir den dortigen Leseverein, sogenannt Kasino, erwähnen, wo das ewigwahre Prineip der Pädagogen: „Spielend muß man lehren" in voller Anwendung ist; da solches mit einem Billard ttnb sonstigen Spielarten versehen ist, zumZweck aber Bildung hat, denn wir trafen daselbst in dem eigentlichen Lesezimmer eine bedeutende Auswahl von Zeitungen des In- und Auslandes, die fleißig gelesen werden; doch müssen wir rügen, daß wir daselbst das Pcsti-hirlap vermißten, das einzige Organ, wo die Judensache angeregt, und uns Raum zu vertheidigen gestattet ist. Welche Ursache es haben mag, ist 'mir unerklärbar. — Wir wollen zugleich einen Blick in die Gemeinde Szanto's werfen, die ich eben durch diese Reise kennen lernte. Diese gehört größtentheils zur strengen, aber nicht an Fanatismus grenzenden — orthodoxen Schute; — die wir keineswegs verdammen, vielmehr ihr manche herrliche Seiten abzugewinnen im Stande wären — doch hat die Humanität daselbst schon solche feste Wurzel geschlagen, daß wir mit Zuversicht deren baldigen Keim: wahre Intelligenz und geläuterte Religiosität hoffen können. Dem dasigon religiösen Haupte, Herrn I. N. Lipschitz, der mit tiefem talmudischen Wissen, da ihm unter unseren Tätmudisten der Rang eines pnkl eingeräumt wird, starke Belesenheit in der alt- und neuhrbräischen und deutschen Literatur, ausgezeichnete Geistesfähigkeiten und Weltklugheit vereint, und ein tüchtiger Kanzelredner inrabbinischexegetischen Vorträgen ist, verdankt die Gemeinde die Eintracht und Parteilosigkeit im strengsten Sinne des Wortes, welche Perle in dem heutigen Israel noch viel seltener zu finden ist, als diejenige des weisen SalonwnS. Der kluge Rabbi ist wahrscheinlich der Meinung, alles übrige Gute und Edle auf die Einheit zu basiren, da ohne diese die Organe des Werkes stets wie die schaffenden Glieder heterogen bleiben, was auch die Ursache sein mag, daß die meisten Lehr- und sonstigen edlen Anstalten in Ungarn, kaum werden sie geboren, eilen sie schon ihrem Grabe nahe. Wir würden mit Freuden oberwähnten Rabbl auf einem wichtigern Posten sehen, wo ihm ein größerer Wirkungskreis sich darbietet und manche Vorarbeiten begonnen, wenigstens solche Hindernisse, die er dort noch zu räumen hat, längst weggeschafft, und die Bahn geebneter ist. — Berichte über die Gemeinde Arad's, wo bereits der neue Rabbi, Herr St ein hart mit Ruhm wirkt und lehrt, Tcmcsvar's t Großwardcin's und Siebenbürgens behalten wir uns bis zur nächsten Gelegenheit vor. Jedoch daS Eine: Der Oberrabbiner Siebenbürgens, ein Mann ans der alten Schule, starb vor Kurzem, und wie man sagt, sollte der Temesvarer Rabbiner seine Stelle einnehmen, der allenfalls den Posten mit Ruhm bekleiden wird; da er, obwohl orthodox, dennoch die Zeit kennt, und mit ihr nach Umständen und Sympathien seiner Umgebung gleichen Schritt hält. — S. R—n. Polen und Rußland.. Dou der polnischen Grenze, im Juni. Das harte Geschick, welches die Judenheit Polens traf, fällt zwar.weniger drückend auf die alttestamentarischcn Glaubensgenossen — so werden hier die Juden amtlich genannt starozakonny — der Stadt Kalisch, doch liegt' unsere sonstige Wojewodschafts-Hauptstadt feit der neulichcn Versetzung aller Dikasterien von hier sehr darnieder. Die Kultur wird allerdings in etwas gewinnen durch die Herverleguug eiues auswärtigen .Gymnasium, welches, wie wir recht herzlich wünschen, auch von recht vielen israelitischen Schülern besucht werden möge. Vorläufig wünschen wir nichts sehnlicher, als daß endlich eine iörraelitische Elementarschule zu Stande komme, und die Bemühungen des Herrn Louis Mamroth nicht wiederum an den verjährten Worurtheileu mancher Fanatiker scheitern möchten. — Das jüdische Hospital erfreut sich fortwährend eines gedeihlichen Wachsthums, und dessen Ordnung und ganze Einrichtung verdient die lobens-

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