Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1845)
- Date
- 1845-07-09
- Page
- Seite 224 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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- 224 — wertheste Anerkennung. Aus der Einnahme des auf Veranlassung des sehr' LhäLigerr Präses, Herrn Ma mr ot h, 26. März d. I. hier stattgehabteuBalles erwuchs nach Vertheilnng von Lebensmitteln an die jüdischen Armen und Uebersendung von 100 Gulden an n^hlthät-ige christliche Anstaltenein' neuer Fonds von circa 487 Gulden für jenes heilsame Institut. Aus dem mir vorliegenden gedruckten ofsleietten Bericht (in polnischer Sprache) ersehe ich, daß folgende Herren sich hierbei durch ihre Wohlthätigkeit ausgezeichnet haben : Hr. Bankier Josef Epstein ans Warschau Übermächte für ein Bittet 66§ Gulden, desgleichen Hr. Herrmann Epstein, Kommercien-Nath (Radca Handl) ans Warschau 50 Gulden. Herr Lotterie-Kollekteur Sinron Nelken 50 Gulden. Herr Simon Weil das Geschenk 20 Gulden. Die gütigen Geber werden in edler Nacheiferung Ihres Strebeus für die Hebung des leiblichen und geistigen Wohls ihrer, unglücklichen Glaubensgenossen die süßeste Belohnung finden. W. ■ H-ersVNkIchrornk imb Miseellen. Rußland und Polen. Die Verfolgung der Juden durch Verbot jeglichen Erwerbszweiges dauert fort. Von der Grenzverjagung sollen nur Bewohner der-Städte über 3000 Seelen ausgeschlossen bleiben; dagegen soll das Loos der Vertreibung die Juden auf dem platten Lande und in den kleineren Städten treffen, und so Trödel, Schmuggel und Branntwemhandel unterdrückt werden. — Zugleich hat der Administrationsrath in Warschau befohlen, daß vom Juli ab kein Jude mehr ein Wirthshaus behalten oder an dem Besitze eines solchen Theit haben, auch weder Brennerei noch Brauerei rreiben solle.' — I. A. Sztassel zu Warschau hat nach zehnjähriger Anstrengung eine vorzügliche Rechnenmaschine erfunden. * * Berlin. Unter den Judenmissionen hier ist ein sehrerbaulicher Streit ausgebrochen. Schon lange nämlich sah sich die deutsche Missionsgeftllschaft durch die englische, die höhern Ortes größere Prorektion genießt und über bedeutendere Geldmittel zu disponiren hat, beeinträchtigt. Jetzt ist nun noch der Agent einer schottischen Bibelgesellschaft, eia Dr. Schwarz in Berlin angekommen, dessen Wirksamkeit aber sofort inhibirt worden sein soll. Braunschweig. Die Wahl des Bankiers Ludwig H elf ft zum Stadtverordneten in Braunschweig ist jetzt von der Regierung bestätigt worden. Die Krersdirektioa hatte nämlich in dem Berichte an das Staatsministerium erklärt, das Gesetz erkenne die Juden nicht zu städtischen Aemtern wählbar an, indessen sei wegen der Vorzüge des Hrn. Helfft eine Ausnahme zu statuiren, nur müsse er sich des Votums bei der Berathung über kirchliche Angelegenheiten enthalten. Das Ministerium erklärte indessen, die Persönlichkeit komme hier gar nicht in Betracht und entschied, Herr Helfft könne sein Amt ohne Weiteres und ohne Einschränkung antreten. So ist denn den Inden eine gleiche Berechtigung zu städtischen und landständischen Aemtern, und zwar aktives und passives Wahlrecht zuerkannt. Personalno Li zen. Am 15. Juni fand die (vorläufige) Wahl dreier Kandidaten zur Stelle eines Landrabbiners in der Residenzstadt Hannover statt. Es hatten sich 15 Bewerber gemeldet (ein wohlbekannter und vielgenannter Rabbiner, soll vor der Wahl seine Bewerbung zurückgenommen hoben). Die Gemeinde der Hauptstadt prasentirt die Herren Oberlehrer Frensdorf zu Hannover (mit 40 Stimmen gewählt), Rabb. Dr. Schott zu Randegg im Großh. Baden (mit 37 Stimmen), Kand. S. Meyer in Hannover (mit 35 Stimmen). Die Hauptstadt hat indessen bei der definitiven Wahl nur 2 Stimmen, während zum Rabbinatsbezirke mehr als. 40 Synagogengemeinden mit je einen Stimme gehören.— Das Landrabbinat für Bremen und Verden mit Stade als Rabbinatsü'tz ist dem Vernehmen nach dem Herrn Rabb. Dr. Hcilbut zu Glückstadt (in Holstein) zu Theil geworden. — Am 8. Juni starb zu Heidelberg in hohem Greisenatter allgemein geachtetHerr D a v id Zimmern, dessen ältester Sohn, Herr Adolph Zimmern, erst neulich gegen den Berichterstatter der Komission in der 2ren bad. Kammer über die Emancipationsangelegcnheiten, den abgeordneren Fauth, in öffentlichen Blättern aufgetreten ist. — Dem Herrn Philipp M o s e s zu Kalbe an der Saale ist von der prcuß. Regierung die Erlaubniß ertheilt worden, die ihm verliehene königlich-hannoversche Denkmünze für das Jahr. 1813 zu tragen. Vermischtes. Bei der Versammlung der protestantischen Freunde in Halle (17 Juni) hielt Dr. Haarbrücker einen Vortrag über das jüdische Prophetenthum. — In Königsberg und Danzig werden jetzt viele Bibeln, Gebete, Ritualschriften ic. für die ruff. u. poln. Juden gedruckt, nachdem sie in Wilna censirt und furchtbar verstümmelt worden. — Die mit Hülfe der Hartwigschen Legate erbauten Synagogen zu Elmshorn, Friedrichsstadt und Rendsburg werden sämmtlich im nächsten Jahre vollendet fein. C. Briefkasten. 1) Hrn. W. in G—z: Ihr Wunsch soll erfüllt werden; ohnehin würde ich die Gemeinheit zucückgewiesen haben. 2) Hrn. S. C—l in B.: Meine Achtung für Sie hat noch keinen Grund gesunden, sich zu mindern. Auch der Nichtkämpfende hat den Kampf der Zurückhaltung zu kämpfen. Verlag von E. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.