Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1845-07-09 · Heft 28 (9.7.1845) · p. Seite 221

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 28 (9.7.1845)
Date
1845-07-09
Page
Seite 221 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360364-2360393--5030-3531428
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

221 alle Juden ohne Ausnahme bei Leib und Lebensstrafe sich bis zum nächsten Frohnleichnamsabend irr Wien nicht blicken lassen sollen, und im Jahre 1698 gründete der hochherzige Samuel Op pp enhe im, Bankier der römisch kais. Maj. Leopold!. ein Hospital für Israeliten, damit wer draußen gepeinigt und gemartert würde, darin ein.Asyl finde, wo seine Wunden, wenn nicht heilen, doch vernarben, um draußen neue empfangen zu können damit wer draußen geängstiget, gejagt und geplagt würde, darin ein Asyl und eine Stätte finde, auszuruhen und. sich zu erholen für neue Qualen und neue Plagen. Und es haben schon sehr viele Juden darin Trost und Erheiterung, ja ihre Gesundheit wieder gefunden, seitdem der edle Mann dieses Institut ins Dasein rief. Ja, zum Tröste in der verzweiflungsvollen Lage der Juden, und zur Kräftigung in ihrer Bedrückung und Bedrängnug, schien es. der Edle abgesehen zu haben; denn er errichtete es an.einer Stelle, die jedem hiesigen Inden heilig und ehrfurchtsvoll ist; an einer Stätte nämlich, wo seine Ettern in Frieden sich des Lebens, gefreuet und ihrem Gott für den Frieden gedankt, in Leid aber geduldet und gelitten für Gott und sein Wort; an einer Stätte, wo die Manen unserer hingewürgten Vorfahren uns an unsere Kindespflicht erinnern, uns ermuthigen in drr Unterdrückung, uns vertrösten auf eine bessere Zukunft. Ja, wenn ich noch, jetzt diese Gasse (sie heißt die Judengasse) betrete, scheint jeder Stein-mir zu sagen, auch auf mich ist ein dir heiliger Kopf gefallen durch Würgershand, und eine Thräne aus meinen Augen scheint beit Blutflecken auf denselben wegzuwaschen; jede Staubwolke, die sich zu mir erhebt, scheint mir zuzulispeln: du bist Staub von 'meinem Staub und was du bist war auch ich unb mit Wehmuth erinnert es mich an die Väter, die da auf jeder Stelle ihr Leben Hingaben für, ja für — ihre Unschuld. Heute kam mir diese wehmüthige Stimmung daheim an meinem Schreibepult, alö nur der Bericht des Wiener Israeliten Spitals vom Jahre 1844 zugeschickt wurde. v Da hielt ich das Buch fest in meiner Hand und verlor mich in die traurige Vergangenheit. Aber zum Theit ward ich für meinen Schmerz entschädigt, als ich endlich den Bericht aufschlug und. darin gelesen, wie wohlthätig die hiesiger: Herren Vertreter in dem Sinne ihres werthen Vorgängers wandeln, wie sie keine Kosten sparen, den Kranken zu heilen, den Gedrückten zn erheben, dm Schwachen zu kräftigen und der: Müden., zu erfrischen. Wir fühlen uns daher verpflichtet, den Bericht in wenigen Worten mitzutheilm und das Verdienst eines jeden edelmüthigen Teilnehmers öffentlich zu würdigen und zu loben. Die Zahl der Kranken in: verflossenen Jahre betrug 467, um 45 mehr als - im Jahre 1843. Außerdem, heißt es im Bericht, belief sich die Zahl der Ambulanten, d. i. der nicht bettlägerigen Kranken, welche sich in der Ordinationsstunde des Spitals Raths erholten, auf circa 1000, von welchen die Aermern die vererdnetcn Arzneiei: theils aus der Gemeindekasse , theilö von dem lobt. Fraucnverein nnentgeldlich erhielten. Wegen der immerwährenden Zunahme. von Kranken sahen sich die edlen Menschenfreunde veranlaßt, ein neues Zimmer für die Rekonvalescenten und ein neues für die Ausnahme der Kranken einzurichten, wodurch "bedeutend mehr Ruhe für die Kranken bezweckt wurde; ferner wurde für die Rckonvaleseenten ein Theil des bisherigen Küchengartens zu einem schönen mit Linden- und Kastanienbäumen bepflanzten Garten umgewandelt, welches für die Kranken gewiß von unberechenbarer Wohlthätigkeit ist. Im Krankenhause selbst wurde eine sehr erfreuliche Veränderung vorgmommen; es wurden nämlich, durch Spenden wohlthätiger Menschenfreunde, anstatt der früher:: hölzernen, eiserne auf Nädern ruhende Betten gemacht, die mehrfaltigen Nutzen für die Kranken bringen. Was die Kost betrifft, die dm Kranken gereicht wird, versichert uns der Berichterstatter, ui:d wir haben uns dessen überzeugt, daß sie der besten Hausmannskost gleich gestellt werden könne. Und wir erkennen hierin das Verdienst des biedern, seit zwei Jahren erwählten Spitalvaters Herrn A. Herrmann, der mit größter Aufopferung seinem Amte aufs treulichste vorsteht, dem nichts zu kostspielig, dem nichts zutheuer, dem keine Arbeit zu schwer ist, wo er einem kranken Juden helfen kann; der Tag und Nacht nicht ruht und nur zu erfinden strebt, was das Wohl seiner leidenden Brüder früher und auf eine sanftere Weise herbeiführen könnte; dessen liebreiches Umgehen mit den Kranken sie zur Hälfte heilt, und dessm segensreich e r Gruß beim Entfernen eines armen Kranken denselben gewiß diese Zeit in ehrfurchtsvoller Erinnerung läßt. In einer andern Beziehung hat sich Hr. Dr. Jgn. Edler v. Hofmannsthal um das Wohl der Kranken verdient gemacht; denn er hat eine Bibliothek als geistige Erheiterung für RekonvaleScenten gestiftet, die durch milde Beiträge schon auf einige hundert Bände sich beläuft, und hat er einen eignen Kasten dazu geschenkt. Nach Beilage 9 zum Bericht besteht die Bibliothek aus vielen moralisch-religiosen, historischen, so wie belletristischen Werken und Zeitschriften, sowohl in hebräischer als deutscher Sprache» Auch sei des thatkräftigen Strebens der Aerzte nicht vergessen, die alle ihre Geisteskraft anstrengen, da zu helfen, wo die Noth am Größten ist. Bevor wir unseren Bericht schließen, sei noch in anerkennender . Erwähnung gebracht, daß der k. k. priv. Großhändler und Bankdirektor Sigin. Edler von Werthei u: st e i n und dessen Gemalin Frau Anna, Edl. v. W. auf eigne Kosten ein Siechenhans haben bauen, lassen, wohin sieche isr. Arme für den Nest ihrer Tage eine freundliche Stätte sinden werden. Es ist ihnen gewiß für das großherzige Unter:: ehmen der Dank aller Menschen, und der Segen Gottes.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.