Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1845)
- Date
- 1845-07-09
- Page
- Seite 220 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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220 UM ihm ‘ zuzutrauen, daß er einen blinden und gedankenlosen Pobel gegen einen einzelnen Mann, und zwar blos wegen einer ihn persönlich berührenden, vermeintlichen Indiskretion, fanatisiren wollte; 7) traue ich ihm, wenn auch eben keine Rechtsgelehrsamkeit, so doch allzu viel Rechtsgesühl zu, als daß ich ihm die Meinung zuschreiben sollte, wenn es ihm zufällig ungelegen komme, daß die Einen gewahr werden, was er zu den Andern gesagt , so sei darum die öffentliche Mittheilung eines solchen, ursprünglich an einem öffentlichen Orte (vor Gericht) vorgekommenen, vermeintlichen Geheimnisses eine „Verleumdung" zu nennen, und endlich 8) traue ich ihm auch nicht den Unsinn zu, als könne nach seiner Meinung in unserer Zeit der. Oeffentlichkeit ein auf. strengster Wahrheit beruhender Zeitungsbericht bloS aus den beiden Gründen zum Verbrechen gestempelt werden, weil dieser Bericht a) ihm, Hrn. Stein, einigen seiner Bekannten gegenüber einer kleinen Verlegenheit auösetzt und b) weil der Referent (gleich der Schlange!!!) von der Sache keinen Nutzen zieht! Leben Sie wohl für heute, Herr Redakteur; bei der nächsten Gelegenheit sollen Sie noch allerlei erfahret:. Damasceims. Frankfurt a. , im Juni. Wir haben bereits in diesen Blättern unser Urtheil über die in Amsterdam edirten hebräischer: Briefe über die R.-V. niedergelegt und im Interesse der konservativen Richtung öffentlich den Wunsch ausgedrückt, daß eure Fortsetzung derselben unterbleiben mochte. Urrsere Stimme fand leider kein Gehör, und schon liegt ein zweites Heft vor uns, enthaltend Briefe von den dunkelsten Dunkelmännern, die durch ihre geistlichen Redensarten und verderbliche Richtung, mehr als irgend Einer diese Benennung verdienen. Fast alle Briefschreiber kommen nochmals auf die Abschaffung der Meziza zurück, unb während im Talmud, von NO2 niPSD, die doch nur allein, und an vielen Orten, wie auch in der hiesigen Gemeinde, ohne irgend eine rabbinische Autorität, wie die R.-V. anzu- * fragen, abgeschafft wurde — durchaus nichts erwähnt ist, wird solche von einem unwissenden Zeloten sogar zu einer tfbn gestempelt! Unsere hiesigen Konservativen besitzen gesunden "Sinn genug, um die in diesen Briefen niedergelegten unwissenschaftlichen Phrasen und fanatischen Unsinn zu desavouiren, wohl wissend, daß diese Ausartung des zelotischen Ehafidismus für die konservative Richtung ebenso, verderblich ist, wie weiland der Reform-Verein für die Sache des Fortschritts. — Das Produkt dieses Werkes der Dunkelheit wurde von vielen hiesigen Orthodoren den Flammen übergeben. Möge dieses Beispiel an allen Orten Nachahmung finden, damit diese Schmach Israels, die der sich zum Schutzherr des Judenthmns aufdrängende Nasi, aus Unwissenheit und Dummheit, unserer Literatur > die Aehnliches noch nicht aufzuweisen hat, zum Geschenk machte, von uns abgewätzt werde. K—m. 1. Juli. Wenn die Götter gegen die - Dummheit vergebens kämpfen, so kann man es eitlem Redakteur nicht verargen, wenn er gegen die Dummheit oft zu Felde ziehen muß. . Seit Kurzem treten einige beschränkte Köpfe, die von der Abschaffung des Talit und der Tefillin das Heil der Wett erwarten, gegen das Prineip des „Orient" auf. In ihrer Beschränktheit haben sie von der Geschichte keine Ahnung; für sie giebt es blos die vier Wände einer kleinen Gemeinde und einer lächerlichen Reform. Das Weltenfystcm ist nach ihnen eine gestohlene Kopie dieses oder jenes großen, weltberühmten, in der Geschichte Epoche machenden Rabbiners. Einen historischen Standpunkt, der die religiösen,, literarischetr mtb politischen Bewegungen im Judenthume allseitig umfaßt, können sie nicht fassen. Von. jener Unparteilichkeit, welche ein vollständiges Bild der Zeit in allen Licht- und Schattenseiten, in allen Farbenspielen und feinstell Schattirungen liefern will, haben jene Männer a qualre coins keinen Begriff. Wer nicht unablässig feinem Publikum mit lächerlichen, bodenlosen und oberflächlichen Re form Vorschlägen aufwartet, hat nach jenen Dorfhclden die Zeit und ihre Anforderungen nicht begriffen. Die Beschränktheit jener Clique geht so weit, daß ihnen Artikel für und gegen die Räthsel der Frankfurter Sphinx sind, während eben dariir die Ebbe und Flut der Bildung und des Fortschrittes sich äbspiegelt. Unser Standpurrkt ist ein h i st o r i sch e r; wir wollet: die Zeit in ihren brausenden Strömungen itnb ruhigen Windungen verfolge::; wir wollen ein Bild aufrollet:, das die verschiedenen Tätigkeiten des Geistes m:d des Lebens der Jllden bietet; unser Blick ist nicht blos auf das Häuflein Juden tn Deutschland, sondern auf alle Bekenner des Einen Gottes in ihrer Zerstreuung gerichtet; wir wolltet: kein Parteiblatt gründen, welches das Echo einzelner Unbefähigter bilden, sondern ein Organ, das den Focus der jüdischen Bildung und Thätigkeit darstellen sollte; für uns sind p o l n i s ch e und' b ö h m i sch e Juden ebenso wichtig, wie die Hohlköpfe in dem Zeitspiegel der deutschen Juden: mit einem Worte, uns leitet ein historischbeobachtendes Prineip, das mit einer Partei nichts gemein hat. Wem seine Beschränktheit nicht erlaubt, vom Gipfel der Geschichte aus die bunten Bewegungen zu beobachten, der bleibe ruhig in den Niederungen oder in den Sümpfen, wo mehr Ruhe und Stille herrscht, und zeige uns nicht seine stumpfen Zähne.. Oester r e ich. Wien, 25. Juni. Am 14. Febr. 1670 wurde der Befehl der römisch kais. Majestät Leopold I. ertheilt, daß