Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 27 (2.7.1845)
- Date
- 1845-07-02
- Page
- Spalte 425-426 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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426 425 Studien. Lehrt die Bibel einen persönlichen Messias?' König beigelegte Prädikat rwö am richtigsten als Gewei hter, Berufener, Unverletzlicher aufzufassen sein, insofern damit weniger auf den Akt der Salbung als solchen, als vielmehr auf die dadurch konstatirte Weihe, Aufgabe und Unverletzlichkeit des Königs hingewiesen werden soll*-). — Fassen wir aber das fragliche Prädikat in dem hier angegebenen weitern Sinne, wonach es auch den bereits oben entwickelten Begriff des 'n nicht von sich ausschließt: so wird es sich nicht mehr auf den König allein beschranken lassen, insofern, wie wir bereits erkannt haben, dieser nicht der allein Berufene ist. Vielmehr werden Alle, denen das Prädikat rn *i^y zukommt, auch auf das Epitheton ',1 TlfD Anspruch machen können, — wie dies in der Lhat aus Stellen wie 1 Kön. 19,17; Deut. —Ies, 61,1, besonders aber ibid. 45, 1 l3) deutlich genug hervorgeht. Nur in Rücksicht daß die Berufung des Königs eine nothwendige, in seiner Person begründete, ewige, die aller Andern außer ihm aber nur eine zufällige, von Außen herangebrachte, transitorische ist, wird dieser der 'n PWD ^o%r\v genannt werden müssen, wie in Betracht dessen auch nur er allem wird sagen können, und zwar im strengern Sinne: »ja bü aDN 7n ■'oi nm ") (Ps. 2, 7), und: 'q) 13 (ib. ib. 12). — Wir werden demnach die Stellung des Königs am anschaulichsten machen können, wenn wir sagen, daß er sich zu den übrigen Berufenm verhalte, wie der Hochpriester zu den Priestern, da er wie dieser das Panier zu sein bestimmt ist, um welches die Diener des Herrn sich sammeln sollen, um gemeinschaftlich dem hohen Ziele zuzustrebenlS). In sofern jedoch seine Aufgabe überhaupt eine die des Hochpriesters weit überragende ist, muß nothwendig auch feine Stellung in Bezug auf die des (etztern für die höhern erkannt werden^). Geht dies ja schon aus dem Umstande hervor, daß für seinen Beruf, im Gegensätze zu dem des Hochpriesters, die nationalen Schranken nicht vorhanden ftnb17). Wie sehr dies aber in Anschlag zu bringen sei, lehrt folgende Stelle: irwnN non dk nnN.oN nih "'o'pdV Pst 89, 27. 28*. — Daß dieses Alles indessen 12) Ein schlagender Beweis für die Richtigkeit dieser Ansicht dürfte die Stelle Ps. 105, 15 sein, wo die Patriarchen 'n TT^D genannt werden. — 13) Der Grund aber, das; Nebukadnezar -;ay, Cyrus hingegen 'rT genannt wird, liegt auf der Hand, wenn man auch von der einschlagenden Stelle Sanhedr. 106 a abstrahiren will.! 14) Siehe Kimchi's Kommentar zu dieser Stelle. — Vergl. auch 2 Sam. 7, 14. — 15) 2 Sam. 18, 3; 21, 17; Klagt. 4, 20. - 16) 'm |pD „nnK" <Ps.1i0, 4) scheint zunächst mit Beziehung auf das Schicksal Sa ul's gesagt zu sein; allein der Umstand, daß der Psalmist hier jrp für gebraucht, dürfte nicht ohne tiefere Bedeutung sein. — 17) Ps. 2, 8; 18, 44, Ies. 55, 4. - nur in Bezug auf den Normal-König gesagt ist, bedarf wohl kaum erst der Erinnerung. — Befragen wir nun die Geschichte, so erfahren wir, daß der erste König von Israel nichts weniger als ein Normal-König war. Schon die an t i th e okr atische Weise, wse das Volk seine Konstituirung verlangte und durchsetzte, — mußte seine Stellung von vornherein prekär machen, auch wenner selbst sein Verhältnis zur Theokratie besser verstanden hätte, als dies bei Saul der Fall war. Um so mehr denn mußte dieser, der gleich anfangs zwischen Wegwerfu ng und Ueberhebung schwanktels), bald völlig in Haltlosigkeit gerathen. Und blieb er auch dessen ungeachtet dennoch in Rücksicht seiner Würde als 'rj■ fWD unverletzlich in se in er Person^), so konnte dies doch, da er nicht zugleich em 'n "Dy war, auf seine Descendenten Leinen Einfluß ausüben. Man schritt daher zu einer neuen Wahl, die um fo glücklicher aussiel, als das Volk — durch die Erfahrung belehrt — diesmal keinen .Verstoß gegen das theokratische Princip machte. Und so erhielt Israel m der Person David's einen Normal-König, einen König, der ein Gebieter der Nationen, aber ein Knecht Gottes, —- der ein Schrecken der Gottlosen, aber eine Zuflucht der Gerechten war. In sofern aber die Berechtigung des Königthums eben dadurch über die des Pontifikats erhaben sein sollte, daß sie nicht wie diese eine einseitige, eine blos angeerbte, sondern zugleich auch eine p e r sö n l i ch e sei, konnte auch David, dessen Berechtigung ja in Ermangelung der angeerbten Seite nichtsdestoweniger eine einseitige war, noch nicht der 'n pTOD na/ i^o%rjv sein. Es konnte dies natürlich erst von einem seiner Nachkommen erwartet werden, der ihn an Persönlichkeit erreichte2o). Die Geschichte sagt uns, daß man schon von Salomo dies erwartete, der aber nicht nur seine Aufgabe nicht gelöst, sondern sogar der Theokratie gegenüber eine Position eingenommen, die es nothwendig machte, die Macht seiner Dynastie zu schwächen, und zwar theils, um einem etwaigen Misbrauch der Gewalt, der die Existenz Israels, als solches, in Frage stellen konnte, bei Zeiten vorzubeugen, — theils aber auch, 18) -1 Sam. 10, 27 (vgl. bp P'E BOJtf üb NM ty briDS?); iS, i?>. — 19) Der gefaxte David sagt noch in Bezug auf den verworfenen Saul: — npn 'n rrom rr> rbw iD 1 Sam. 26, 9. — Iehu befindet sich später in einer ähnlichen Situation, aberanstatt dem edlen Beispiele David's zu folgen, giebt er dem Auftrag jenes Prophetenschülers eine falsche Deutung und greift der Zeit vor, daher wird seine Khat gebrandmarl't mit „“ictfprpi" 2 Reg. 9, 1-15. — 20) 'or (N^n tixd * nurrp i^nnpb : Du bist kein p — aber: ' “pHN 'niD’pffl 'mb. na ruü'* Nin ^ym — 2 Sam. 7, 1—18. — Auf p wird auch Ps- 72, 1 Gewicht gelegt. —