Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 27 (2.7.1845)
- Date
- 1845-07-02
- Page
- Spalte 423-424 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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423 nerseits wieder einen Gegensatz zu vjy bildet, nichts anderes als der Prophetenstand gemeint sein. —v Schwieriger'sind diejenigen Stellen zu erklären, wo von vorn herein entschieden ist, daß vom objektiven 'n my die Rede sei, die Frage aber die ist, ob das betreffende Prädikat als K o l l e kt i v u m oder als Bezeichnung einer I ndividualität zu saffen sei. Solche Stellen giebt es im De u tero-Jesaja nicht wenige, und mit ihrer Erklärung wird auch unsere Aufgabe gelöst sein. Zuvor muffen wir aber noch einen geschichtlichen Ueberblick des Prädikats p rWD geben. — Im P entateuch wird der Hochpriester in Rücksicht seiner Unktion häufig rTOOT genannt; doch erscheint diese- Benennung immer nur in bejc Verbindung mit jrpn als dessen untergeordnetes Attribut*). Dies hat seinen Grund darin, daß die Salbung des Hochpriesters nur als etwas rein Aeußerliches -) , sein mora li sches. Ich durchaus nicht Berührendes betrachtet wird. Denn ist, wie wir bereits oben angedeutet, seine Berechtigung nur eine zufällige, seine Berufung nur eine momentane, seine Stellung nur eine prekäre: so kann nothwendig auch seine Weihe nur als transitorisch angesehen werden. Wie gering die moralische Bedeutung der Unktion des Hohenpriesters ist, geht schon daraus hervor, daß sie auf die Berechtigung seiner Descendenten in keiner Weise influirt, indem diese, falls sie zur Nachfolge gelangen, stets auf's Neue gesalbt werden müssen^). Nicht einmal die Person des Hochpriesters selbst will das Gesetz für sakrosankt gehalten wissen, da es ihn, falls er ein Verbrechen begeht, vom Altar weg auf das Schafot zu führen bestehlts). Alles dies konnte natürlich nicht geeignet sein, die Unktion des Hochpriesters in den Augen der Nation für mehr erscheinen zu lassen, als einen rein äußerlichen Akt6), *) Lev. 4, 3. 5. .16; 6, 15. Num. 3, 3. — 2) Horajot 12 a wird sogar die Salbung des Hochpriefter als von der des Königs verschieden angegeben, und zwar vorzüglich darin, daß sie — nach Lev. 8, 12 —. umständlichere Formalitäten verlange als die des Königs. — 3) Man findet nirgends, daß auf den Hochprkester seine Salbung den Geist Gottes gebracht; daß er zur Handhabung der npßrn onw des göttlichen Geistes bedurfte, u.hing mit der Salbung nicht zusammen.. Auch kam es hierbei mehr aus die Person an, in deren Auftrag die Urim und Tummim befragt wurden, denn wenn diese Person eine unwürdige war, erhielt der Hochpriester keine Antwort. 1 Sam. 14, 37; 28, 6. — 4) , Dies ist ausdrücklich mit den Worten rWDü pDrn rJQD rnnn (Lev. 6, 15) ausgesprochen. Diese unstreitig richtige Auffassung der angeführten Stelle findet sich übrigens schon im Talmud: *nnWD pyü^nJI pD-p b'.Ti ]HD few . * „vJ3ö rnnn rp^on- )nDm":OTi.? }biü nnor V'op? rw&n wo * v:dd 'rnnno poni N7p yn üh ' ub w * brü pn rpjKD m w Vu jrpi b)l.) pD — Hör. 11 b. — . 5) Selbst wenn wir die Stelle Exod. 21, 14 nicht (wie unsere Weisen Sanh. 35 b) speciell auf einen Prie- 424 ein untergeordnetes Symbol, zu unerheblich, um es zu einem Epitheton für die betreffende Person zu benutzen. Und so erscheint es auch begreiflich, warum, außer den einschlagenden Gesetzen im Pentateuch, durch den ganzen Zeitraum des pontifikatischenRegims sich von der in Rede stehenden Unktion keine Spur findet7)* — Ganz anders aber gestaltet sich die Sache beim König. Dieser, dessen Berechtigung nothwendig, dessen Berufung ewig, dessen Stellung über die. Positivität des Gesetzes erhaben erscheint, — wird von vornherein als der Gesalbte des Herrn dargestellt. Mit diesem Epitheton jauchzen die Propheten schon seiner Ankunft entgegen^); und als er persönlich erschienen, ist es fortwährend dieses Prädikat, mit welchem er bezeichnet wird, wenn von seiner Würde, seinem Beruf und — seiner Unverletzlichkeit die Rede ist 9). Beim König ist die Salbung nicht blos äußerliche Weihe, sondern zugleich Umgestaltung seines moralischen Jch's^"); darum, influirt sie auch auf die Berechtigung seiner Nachkommen, die bei, ihrer Nachfolge — wenn nicht anderweitige, politische Umstände es wünschenswerth erscheinen lassen X1) — keiner neuen Salbung bedürfen. Es würde sonach das dem st er beziehen, so ist doch auch nirgends gesagt/daß ein solcher eine Ausnahme mache. — 6) Es ist beachtenswert!), wie sehr der Talmud geneigt ist, die Priesterweihe nur in Aeußerlichkeit zu suchen; so lesen wir Sebachim fol. 17 b: ^np Dmunty )dd 'di njirp on“? nmm 'di pjdn ddik num DUra ]\v Qrr6p Dm» pN * Dm!?j? nnjirD cmbp — 7) Ps. 133, 2 dürste die einzig e Stelle in'der Bibel sein, wo von der Salbung des Hochpriesters ein poetischer Gebrauch gemacht wird; aber das Zurückgehen des Dichters bis zum Ahnherr des Pontifikats zeigt deutlich, daß es nur die Person, nicht die Sache ist, die in Betracht kommt. Vergl. die Sage im Talm. Hör. 12 a. W p£D 'di Ywüd priN^' nvn^n m ni^.nD. 8) IN'VV pp DT1 * D^Pty-p') — 1 Sam. 2, 10.— □’ö'rrb vwd usb “]Vnnm — ib- >i>. 35. — 9) 1 Sam. 12, 3. 5; 24, 7. 11; 26, 9. 11. 16. 23.— 2 Sam. 1, 14. 16; 19, 22; 22, 51; 23, 1. — Ps. 2, 2; 18, 51; 20, 7; 28, 8; 84, 10; 132, 17 U. a. — Klgl. 4, 20. — 10) £> -jpm - pyo nribb iddw musns mm nriN zb ddPn i Sam. 10, 9. — - Mtt mps min ntsmi nbyoi 5nnn dto nn-bN 'n nn rfem ib. 16, 13 - 11) Z. B. um eine -Demonstration gegen einen Prätendenten zu machen. 1 Reg. 1, 34. 2 Reg. 11, 12;, 23, 30. In Bezug auf die letztgenannte Stelle wird Hör. 12 a die Bemerkung gemacht, daß daselbst nur von profanem Oel die Rede sei. Vielleicht findet diese Ansicht darin eine Stütze, daß es in der fraglichen Stelle heiße: „Dy np’n m TOEPl Dl TDiWnfc "pNH. — Auch die Könige vom Reiche Israel sollen, unfern Weisen zufolge, nur mit profanem Oel gesalbt worden sein. Aber auch für diese Meinung könnte man eine Stütze in Ps. 89, 21 finden, wo .der Psalmist so großes Gewicht darauf legt, daß David mit heiligem Oel gesalbt worden: * vpy -in inNSJD wwd wip pm> — Studien. Lehrt die Bibel einen persönlichen Messias?